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Wie die Flotte Weser zur größten Reederei zwischen Hannoversch Münden und Bremen wurde

Vom Raddampfer zum Flaggschiff

Am 19. Mai 1883 befuhr mit der „Fürst Bismark“ das erste Fahrgastschiff im Linienverkehr die Weser zwischen Hannoversch Münden und Hameln. Das war die Geburtsstunde der Oberweser-Dampfschifffahrt. Von Mai 1900 bis 1970 war der Raddampfer „Kaiser Wilhelm“ das Aushängeschild. Heute ist die Flotte Weser die größte Reederei auf der Weser zwischen Hannoversch Münden und Bremen und befährt mit fünf Schiffen auch die Oberweser zwischen Bad Karlshafen und Minden. Und das, obwohl die Nienburger Reeder Jörg und Frank Menze als Kinder nie den Kapitän der Oberweserdampfschifffahrtsgesellschaft als Traumberuf vor Augen hatten. Ein Blick über die Reling an Bord:

veröffentlicht am 06.06.2014 um 00:00 Uhr

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Ein Kapitänspatent hat er nicht und eigentlich wollte der Nienburger Kaufmann auch nie Reeder werden. Heute hat Jörg Menze die technischen Daten aller seiner Schiffe im Kopf und leitet seit April 2003 gemeinsam mit seinem Bruder Frank mit viel Engagement und Begeisterung die Geschicke der größten Reederei auf der Weser. „Das Kaufmännische, also mit Leuten zu sprechen, Leute kennenzulernen, eine Sache weiterzuentwickeln und wieder neue Ziele zu haben und diese dann auch anzustreben und durchzusetzen, macht mir Spaß“, erzählt Jörg Menze.

Mit zugelassenen 600 Fahrgästen und einer Länge von 54,05 Metern ist die 1980 auf der Arminiuswerft in Bodenwerder gebaute „Höxter“ heute das Flaggschiff der Flotte. Sie hat nur 65 Zentimeter Tiefgang und einen Treibstoffverbrauch von 55 Litern in der Stunde bei einer Verdrängung von 188,7 Tonnen pro Kubikmeter. Herr über die 544 PS, verteilt auf zwei Scania-Motoren für die Schottelantriebe, ist Kapitän Günter Strumpen, der schon zu Zeiten der Oberweser-Dampfschifffahrtsgesellschaft am Ruder stand. Heute steuert der erfahrene Kapitän das Schiff auf der Brücke im Sessel sitzend mit zwei Fingern am Joystick. Die Haupteigenschaft des Schottel-Ruderpropellers, den außer der „Hameln“ alle Schiffe der Flotte auf der Oberweser haben, ist die Kombination aus Antrieb und Steuerung in einer Baueinheit. Da der Propellerschub durch das Schwenken der Gondel um 360 Grad beliebig ausgerichtet werden kann, ist ein konventionelles Ruderblatt nicht mehr erforderlich. Zudem steht die Antriebsleistung bei jeder Gondelstellung zur Verfügung. Das sorgt für bestmögliche Manövriermöglichkeiten beim An- und Ablegen. Ebenfalls in Bodenwerder auf der Arminiuswerft wurde 1967 die „Hameln“ gebaut. Sie hat zwei Volvo-Penta-Antriebe mit jeweils 272 PS und ein Reintjes-Schiffsgetriebe aus Hameln. Auf der Kommandobrücke gibt es noch ein Steuerrad, an dem Jurij Jung seinen Dienst als Schiffsführer versieht. Er wird auf den täglichen Charter- und Rundfahrten, für die die „Hameln“ eingesetzt wird, vom Decksmatrosen Enno „Pirat“ Lauer unterstützt, der ebenfalls ein Steuermannspatent hat. Die Anzahl der nautischen Besatzungsmitglieder richtet sich nach der Fahrgastzahl. Mit der „Wappen von Minden“ verkehrt im Dienst der Flotte Weser von Zeit zu Zeit auch noch ein Raddampfer auf der Oberweser. Sein Heimathafen ist Minden und er ist ein Seitenraddampfer, wie sie früher auf der Weser fuhren – 54 Meter lang, mit einem Tiefgang von 80 Zentimetern und 153 PS Leistung. Er wurde von 1941 bis 1949 auf der Werft Praga in Prag gebaut und 1998 in Minden restauriert.

Auf der Weserwerft in Minden werden heute alle Schiffe, die für die Flotte Weser auf der Mittel- und Oberweser fahren, gewartet. Alle fünf Jahre steht ein Besuch bei der ZSUK (Zentralstelle Schiffsuntersuchungskommission) an, wo die Schiffe auf Herz und Nieren auf ihre Sicherheit und Fahrtüchtigkeit untersucht werden. „Gewartet werden die Schiffe das ganze Jahr von der Besatzung. Größere Schönheitsreparaturen und Umbaumaßnahmen werden im Winter vorgenommen, außerhalb der Saison“, erklärt Reeder Jörg Menze. „Unsere Saison für den Linienverkehr zwischen Bad Karlshafen und Hameln geht von Ende April bis Mitte Oktober, aber wir fahren hier in Hameln auch regelmäßige Rundfahrten in der Adventszeit und Charterfahrten für Gruppen fast das ganze Jahr.“ An die 200 000 Fahrgäste waren es in der Saison 2013. Diese Zahl möchte die Reederei 2014 halten und wenn möglich noch ausbauen. Hameln ist dabei der stärkste Standort. „Wir machen hier in Hameln mehr Rundfahrten als die OWD früher und sind auch für dieses Jahr schon gut vorgebucht“, freut sich Jörg Menze, der noch einiges an Entwicklungspotenzial im Tourismus an und auf der Weser sieht. Der prozentuale Anteil an Fahrgästen bei Rundfahrten und im Linienverkehr hält sich die Waage. „Unsere Fahrgäste kommen überwiegend aus ganz Deutschland. Der Anteil ausländischer Touristen macht vielleicht sechs Prozent aus.“ In den Wintermonaten werden die Anleger von 13 Haltestellen in die Häfen Corvey und Hameln geschleppt. In Holzminden und Hameln legen die Schiffe direkt an Kaimauern an. Im Hamelner Hafen verbringen auch die Schiffe, die auf der Oberweser fahren, den Winter. „Sie werden geheizt, damit alles trocken und die Versorgungsleitungen frostfrei bleiben“, so der Reeder Menze. Wenn der Hafen zufriert, müssen die Schiffe auch schon mal frei gesägt werden, damit das Eis nicht die Bordwände beschädigt.

3 Bilder
Schiffsführer Jurij Jung steuert die „Hameln“ noch per Steuerrad über die Weser. ag


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