weather-image
×

Vom bangen Hoffen auf reichlich Regen

Wenn der Kreislandwirt Heinz Schweer dieser Tage im Schaumburger Land unterwegs ist, zeigen sich nicht selten Sorgenfalten auf seiner Stirn. Grund ist die für diese Jahreszeit viel zu trockene und warme Witterung, die nicht nur zu einer Verfrühung der sonst üblichen Vegetationsabläufe in der Landwirtschaft geführt hat, sondern in einigen Teilen des Landkreises auch schon deutliche Schäden an den angebauten Feldfrüchten verursacht hat. Betroffen sind dabei insbesondere Äcker auf flachgründigen Böden mit einem eher kiesigen Untergrund, wie sie etwa im Bereich der Weserniederung rund um Rinteln zu finden sind, erklärt der Experte. Aber auch andernorts mache sich die anhaltende Trockenheit allmählich bemerkbar.

veröffentlicht am 14.05.2011 um 00:00 Uhr

Autor:

„Seit Anfang April ist es nun schon ungewöhnlich trocken und außergewöhnlich warm“, führt er weiter aus. Dabei könne man am Beispiel des Raps sehr gut beobachten, dass dieser gegenüber früheren Jahren mindestens 14 Tage Vorsprung hat. Normalerweise stehen die Rapspflanzen nämlich erst am 10. Mai in voller Blüte, in diesem Jahr sind sie jetzt allerdings schon weitgehend verblüht. Ein gänzlich neues Phänomen ist dies jedoch nicht, sondern eher „ein gewisser Trend“, der sich seit einigen Jahren abzeichnet. „Der im vergangenen Herbst gesäte Winterweizen, der auf ungefähr 50 Prozent der Ackerflächen kultiviert wird, hat in seinen Halmen bereits Ähren ausgebildet und die Wintergerste hat sogar schon Ähren geschoben“, sagt Schweer. „Beide Getreidesorten sind daher dringend auf Regen angewiesen.“ Denn ohne ausreichendes Wasser werde der Transport der aus dem Boden aufgenommenen Nährstoffe innerhalb der Getreidepflanzen gestört, wodurch wiederum zu wenig Stärke in den Getreidekörnern eingelagert und die spätere Ernte dementsprechend mager ausfallen wird.

„Wenn am Sonntag tatsächlich die vorhergesagten 20 bis 25 Millimeter Regen pro Quadratmeter fallen sollten, dann würde dies sicherlich noch einiges reparieren“, hofft der Kreislandwirt. Besser wären aus seiner Sicht aber um die einhundert Millimeter (Liter) Regen je Quadratmeter verteilt über die nächsten 14 Tage, da die Wasserversorgung der Ackerpflanzen dann gleich für die nächsten vier Wochen gesichert wäre. Und davon würden dann selbstverständlich auch die anderen Feldfrüchte profitieren, die unter dem trockenen Wetter leiden.

So zeigt sich bei den erst in diesem Frühjahr gesäten Getreidesorten Hafer und Sommerweizen das Problem, dass sich bei den jungen Pflänzchen noch kein sogenannter Bodenschluss im Wurzelbreich eingestellt hat, da sich die durch die Bearbeitung des Ackers locker gewordene Erde mangels Regen noch nicht wieder gesetzt hat. Als Folge davon ist die Kapillarwirkung des Bodens gemindert, sodass zu wenig Feuchtigkeit aus den tieferen Bodenschichten nach oben zu den kleinen Wurzelgeflechten der Jungpflanzen gelangt.

Die Landwirte können diesem Problem nur dadurch etwas entgegenwirken, dass sie generell bodenschonend arbeiten, also mehr grubbern als pflügen, da der Ackerboden beim Grubbern nicht so stark aufgerissen wird. Ein sinnvolles Verhältnis hinsichtlich der beiden Methoden ist laut Schweer, den Pflug nur alle zwei bis drei Jahre auf dem Feld einzusetzen. „Aber das machen die meisten Landwirte ja bereits.“

Ein anderer Lösungsansatz ist die Wahl von modernen Getreidesorten, die eine genetisch bedingte kürzere Vegetationsperiode haben und somit besser an solche trockenen Frühjahre angepasst sind. „Das setzt sich bei allen Sorten durch“, ist sich der Fachmann sicher. Die Kehrseite der Medaille sind jedoch die Probleme, die entstehen, wenn ein Frühjahr plötzlich wieder – nach den bisherigen Maßstäben – „normalfeucht“ ist. Dann hätte nämlich eine alte „späte“ Sorte Ertragsvorteile. „Die Wahl des richtigen Saatgutes ist praktisch wie ein Lottospiel“, resümiert Schweer. Denn im Herbst kann man als Landwirt ja nicht wissen, wie das kommende Frühjahr und der Sommer werden und für welches Saatgut man sich letztlich entscheiden soll.

Ebenfalls eine Folge des Wetters sind die aktuell angezogenen Getreidepreise: Da die Ertragschätzungen für dieses Jahr ständig weiter nach unten korrigiert werden, reagieren die Märkte entsprechend und lassen die Preise für das noch zu erntende Getreide nach oben steigen, so der Kreislandwirt. Dies betreffe sowohl die Börsen als auch die Vorkontrakte an den Kassa-Märkten, die viele Landwirte lange vor der Ernte mit ihren Abnehmern vereinbaren. Eine Tonne Weizen beispielsweise werde derzeit für rund 200 Euro gehandelt. „Aber wenn die erhoffte Regenmenge von etwa 100 Millimetern je Quadratmeter kommt, werden auch die Getreidepreise wieder fallen.“ Zum Vergleich: Bei einer zu erwartenden „normalen“ Ertragssituation würde der Preis für diese Getreidesorte um 20 bis 30 Prozent geringer sein.

Es gibt aber auch noch Feldfrüchte, die mit den momentanen klimatischen Bedingungen noch recht gut zurecht kommen: „Die Zuckerrüben und der Mais stehen bislang noch recht gut da, aber in spätestens 14 Tagen beginnt auch bei diesen Pflanzen das Massenwachstum und dann brauchen sie ebenfalls viel Feuchtigkeit“, berichtet Schweer. „Die Kartoffeln haben ebenfalls noch nicht gelitten, ein kräftiger Regen könne aber trotzdem nicht schaden.“

Was der Kreislandwirt beschreibt, kann Christian Engelke, der Geschäftsführer der Bückeburger Gärtnerei Engel & Engelke, auch für seinen Geschäftsbereich in ähnlicher Form bestätigen: „Die Trockenheit ist zurzeit ein Riesenthema“, berichtet der gelernte Zierpflanzengärtner und diplomierte Gartenbauingenieur. Da es zu wenig regnet, sich die Gartenpflanzen jedoch in der Wachstumsphase befinden, werden die Böden momentan „regelrecht ausgehungert“, was die in der Erde noch enthaltene Restfeuchtigkeit betrifft. Hinzu kommt der ständige Wind, der die Verdunstung des Wassers über die Spaltöffnungen der Blätter zusätzlich erhöht, wodurch die Böden noch trockener werden. Für Engelkes Betrieb bedeutet das, dass seine Mitarbeiter noch häufiger mit Gießkanne und Wasserschlauch unterwegs sind, um die neuen Anpflanzungen seiner Kunden ausreichend zu wässern, wenn dieser Gießservice bei Vertragsschluss mit vereinbart worden ist. Die dafür draufgehende Arbeitszeit fehlt dann selbstverständlich an anderer Stelle im Unternehmen.

Für diejenigen Gartenbesitzer, die sich selbst um das Gießen ihrer Pflanzen kümmern möchten, hat Engelke einige Tipps parat: Die beste Zeit zum Gießen sind demnach die frühen Morgenstunden, da die Verdunstung dann noch nicht so hoch ist und mehr Wasser im Boden bleibt. Um Verbrennungen der Pflanzen zu vermeiden, sollte zudem nicht „übers Blatt“ gegossen werden, da die Wassertropfen auf den Blättern bei Sonneneinstrahlung wie kleine Brenngläser wirken können. Besser ist es daher, das Gießwasser direkt auf den Boden zu leiten. Auch der Ausbreitung von Pilzkrankheiten wirkt man dadurch entgegen. Eingewachsene Gehölze braucht man indes nicht zu wässern, weil deren Wurzeln in der Regel tief genug in den Boden hineinreichen und die Pflanze auf diese Weise mit ausreichend Wasser versorgen können. Bei frischen Anpflanzungen sollte man am Anfang allerdings auch nicht zu viel gießen, rät der Gartenexperte. Die Pflanzen würden sonst nämlich zu wenig Wurzeln ausbilden und geradezu „verwöhnt“ werden. Wenn die Pflanzen dagegen mit wenig Wasser auskommen müssen, entwickeln sie ungleich mehr Wurzelmasse und kommen somit besser über Trockenzeiten hinweg. Trotz allen Expertenwissens rechnet Engelke wegen der lang anhaltenden Trockenheit aber selbst bei den von ihm und seinen Mitarbeitern in den vergangenen Wochen in die Erde gebrachten Zierpflanzen mit einer gewissen Zahl an Ausfällen.

Allein die „Hoffnung auf Regen“ bleibt dagegen Lothar Seidel, dem Leiter des Kreisforstamtes Spießingshol, wenn es um die Zukunft der rund 25 000 Jungbäume geht, die im vergangenen Herbst und in diesem Frühjahr in den Wäldern des Landkreises Schaumburg gepflanzt wurden: Der Oberboden ist zu trocken, aber unter forstlichen Verhältnissen kann man solche Waldflächen nicht beregnen, erläutert er. Wie viele der noch kleinen Bäumchen die regenarme Zeit überdauern und anwachsen, werde man jedoch erst in einigen Monaten sehen. Mit einem Totalverlust rechnet der Forstexperte allerdings nicht, sondern ist durchaus noch optimistisch, dass sich der Schaden in Grenzen hält. „Punktuelle Ausfälle bis 20 Prozent wären noch tolerabel“, verrät Seidel. Sollten die Jungbäume aber innerhalb der Anpflanzungen gleich flächenweise vertrocknen, müsste nachgepflanzt werden. Unabhängig davon werden bei den alljährlichen Pflanzaktionen aber ohnehin mit insgesamt rund 3000 bis 5000 Pflanzen pro Hektar deutlich mehr Bäume gepflanzt als letzten Endes nach Jahrzehnten in den Waldbeständen übrig bleiben, die dann – je nach Standort und vorhandenen Baumarten – ungefähr 200 bis 300 ausgewachsene Bäume aufweisen werden.

Was die Trockenheit ebenfalls mitbringt, ist die erhöhte Waldbrandgefahr, warnt Seidel. In den Laubwäldern sei das Risiko zwar noch „relativ gering“, wenngleich es etwa aufgrund der trockenen Blätter auf dem Waldboden auch hier zu einem Bodenfeuer kommen könne. In den Nadelholzbeständen sei die Brandgefahr demgegenüber aber „durchaus ernstzunehmen“ – insbesondere in solchen Beständen, in denen die Nadelbäume noch jünger sind. Denn dort sind zusätzlich zu dem brennbaren Material am Boden und den – wegen ihres hohen Anteils an ätherischen Ölen im Holz – leichter entzündlichen Nadelbäumen, an deren Stämmen auch noch zahlreiche kleine, vertrocknete Zweige vorhanden, die bei einem Brand wie Zunder in Flammen aufgehen würden. Die Waldspaziergänger sollten daher höchste Vorsicht walten lassen und sich unbedingt an das nicht nur in dieser Jahreszeit geltende gesetzliche Rauchverbot im Wald halten.

So schön das frühsommerliche Wetter auch ist, einigen Branchen bereitet die nun schon seit Wochen anhaltende Trockenheit zunehmend Probleme: Den Landwirten drohen Ertragseinbußen bei den Ernten, im Gartenbau muss viel Zeit für das Bewässern von frisch bepflanzten Gärten investiert werden und beim Kreisforstamt sorgt man sich um die neuen Aufforstungen – und um die steigende Waldbrandgefahr.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2020
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt