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La fête – eine Show voller ungewöhnlicher Artistik, Frohsinn und Energie

Varieté als Gesamtkunstwerk

Im kleinen Ort „Vasistas“ stellen alle Jahre wieder die Bewohner ihr Können unter Beweis und messen sich mit den anderen. Da wird gekämpft, gefeiert und gelacht. Voller Frohsinn und Freundschaft, Konkurrenz, purer Lust und Energie toben die Artisten über die Bühne und nehmen dazu die Zuschauer des GOP Varieté-Theater Bad Oeynhausen mit in ihr kleines südfranzösisches Dorf.

veröffentlicht am 09.03.2013 um 00:00 Uhr

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Autor:

VON Tobias Landmann

Die Show „la fête“ ist ein fröhlich-leichtes Zusammenspiel von Akrobatik, Musik, Tanz und Sprache, die Verbindung von Altem und Neuem sowie den vielfältigen Klängen der unterschiedlichen Kulturen Frankreichs. Das Ensemble besteht aus acht französischen und französisch-kanadischen Artisten, die mit ihrem Können beeindrucken aber gleichermaßen auch als charismatische Multitalente überzeugen. Jeder der erfahrenen Künstler wurde eigens für die jeweiligen und sehr speziellen Charaktere ausgewählt.

Varieté als Gesamtkunstwerk, bei dem die künstlerischen Ausdrucksformen unterhaltsam miteinander verschmelzen, ist das ausgefallene Konzept von „la fête“. Bei der Inszenierung der Show ließ sich das Kreativteam des GOP, gemeinsam mit den beiden Regisseuren der Show, Detlef Winterberg und Serge Huercio, von der dramaturgischen Form des „Nouveau Cirque“ inspirieren. Diese besondere Varieté-artige Unterhaltungsform hat ihren Ursprung in Frankreich. Das unverkennbare Merkmal des Nouveau Cirque ist die thematisch aufgebaute Dramaturgie. Die einzelnen artistischen Darbietungen stehen zwar im Vordergrund, verschmelzen aber mit der Gesamt-Szenerie der Show.

Im Kaiserpalais Bad Oeynhausen öffnete im Sommer 2000 das GOP sein drittes Varieté, nach Hannover und Essen. In der Zwischenzeit sind Münster und München dazugekommen. Das Unternehmen kann nicht nur auf 21 erfolgreiche Jahre zurückblicken – die Show geht weiter. Im September wird das sechste Varieté-Theater in Bremen eröffnet.

4 Bilder
Atemberaubend: Claude Doucet am Vertikaltuch hoch über der Bühne .

Jetzt im Frühling nehmen die Künstler ihr Publikum mit ins warme Südfrankreich. Dort begegnen sie als Erstes dem zugereisten Detlef Winterberg. Er ist hier auf der Bühne mit Showeinlagen präsent. Seine feine Mimik ist am Besten von den vorderen Plätzen zu erkennen, weiter hinten kann sie geflissentlich nur erahnt werden. Der Comedian beginnt mit einer Robot-Nummer zu Tacos „Puttin’ on the Ritz“. Er übernimmt wortlos die Rolle eines Conférenciers und hält zudem als Regisseur die Fäden in der Hand.

Modern und innovativ spielt sich Alexis Rouvre in den Vordergrund. Er jongliert mit drei Seilen, jenem Tau, das wir aus dem Schulsport meist noch unangenehm in Erinnerung haben. Seine Seile sind aber nur jeweils einen Meter lang, derweil sorgen seine Bühnenkollegen mit Akkordeon, Bongotrommeln und Gesang für die Musikuntermalung.

Rasant und dynamisch wirbelt danach die attraktive Julie über die Bühne. Akrobatisch wird sie dabei an den Händen durch ihren Mann Antoine Carabinier Lépine gehalten, oder sie hängt sich mit den Schuhen um seinen Hals. Das Paar verleiht den guten alten Rollschuhen eine Renaissance. Volles Vertrauen beweisen sie, als sie nur mit Schlaufen am Hals im hohen Tempo ihre Kreise drehen.

Zwischendurch stürmte mit Jacques Schneider ein Raubein mit Rauschebart und dröhnender Kettensäge auf die Bühne. Man hat vergessen ihn zum Fest einzuladen und er attackiert deshalb die Bewohner immer wieder.

Schwindelgefühle scheint der nächste Darbieter nicht zu kennen. Als singender Chansonnier rollt Serge Huercio seine Runden auf der Bühne, er ist fünffacher französischer Meister im Kunstradfahren. Seine Kunststücke sind Weltklasse und den Kindern im Publikum nicht zur Nachahmung empfohlen! Verschmitzt lächelnd turnt er auf seinem Vehikel, fährt vorwärts und rückwärts, stehend und liegend. Es geht ruhiger weiter, die Kontorsionistin Claudel Doucet stellte ihr herausragendes Talent bereits in den früheren GOP-Shows, „Soap“, „Dummy„ oder „Base“ unter Beweis.

Mit dem Trampolin wird einweiteres Sportgerät in Szene gesetzt. Jonathan Casaubon und Antoine Carabinier Lépine zeigen beim Springen auch noch Partnerakrobatik. Eindrucksvoll und gekonnt setzt sich Jacques Schneider kurz vor der Pause in Szene. Auf dem Kunstrad sitzend springt er nicht nur dem Trampolin, sondern zeigt auch einen Überschlag.

Tänzerisch und akrobatisch lässt sich Julie mal von Antoine, mal von Jonathan am ausgestreckten Arm in die Höhe heben. Danach zeigt Jonathan auf den Armen, Händen oder der Schulter von Antoine die Hohe Schule der Partnerakrobatik.

Es bleibt bei langsamen Darbietungen, wobei die Zuschauer in den vorderen Reihen besonders ihre Nackenmuskulatur anspannen müssen. Am Vertikaltuch klettert, dreht und windet sich Claudel Doucet über der Bühne in die Höhe. Spätestens bei ihrem Spagat fast auf Höhe der Scheinwerfer ist es mucksmäuschenstill im Saal des Kaiserpalais. In gut sechs Minuten erklimmt sie mehrmals den oberen Teil ihrer beiden Tücher, lässt sich aber auch mehrere Male – für ihr Publikum jeweils überraschend – plötzlich herunterrollen.

Wir bleiben beim Seil, doch es wird etwas ruhiger. Diesmal hält Alexis Rouvre mit einem Turnseil Jonglierbälle unter Kontrolle. Das Seil wickelt er sich tanzend um seinen Körper, während er fast nebenher auch noch die Bälle durch die Luft wirbelt. Jonglage gehört zum Handwerk der Künstler, so ist es nicht verwunderlich, wenn gleich vier Artisten einander Keulen zuwerfen und abermals Jacques im Rampenlicht steht – diesmal in der Mitte der vier Werfer.

Noch einmal nach oben geht es nun mit Jonathan und Julie. An den Strapaten zeigen sie Eleganz und Dynamik. Julie vertraut sich vollends ihrem Partner an, benutzt kein Sicherungsseil. Beide hängen Hals über Kopf, während sie sich an Jonathan klammert, meist auch nur von ihm an Arm und Bein mit den Händen festgehalten wird und über der Bühne drehend schwebt.

Erneut bestimmt der wilde Jacques die Szene, diesmal mit einem Kunstrad. Aus dem augenscheinlichen Rad-Duell mit Serge entwickelt sich ein spielerisches Duett, bei dem beide schließlich gemeinsam auf nur einem Bicyclette ihre Runden drehen.

Als Chef des Dorfs gebürt Antoine Carabiniere Lépine auch die letzte Darbietung des Abends. Kraftvoll und ausdrucksstark, schnell und elegant bändigt und beherrscht er das Cyr, jenen mannshohen Ring. Zum abschließenden Finale sind unsere acht Akteure glücklich und froh gelaunt auf der Bühne. Ihr Publikum zollt ihnen gebührenden und lang anhaltenden Applaus.

Hinweis: La Fête gastiert bis zum 28. April im GOP Varieté-Theater Bad Oeynhausen. Showtime ist mittwochs und donnerstags um 20 Uhr, freitags und samstags um 18 und 21 Uhr und an Sonn- und Feiertagen um 14.30 und 17.30 Uhr. Karfreitag ist keine Vorstellung, aber es gibt zwei Vorstellungen am Ostermontag. Tickets gibt es ab 23 Euro unter der Tickethotline (05731) 7448-0 oder unter www.variete.de.



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