weather-image
×

Wie man Fahrzeug, Laptop, Handy und Daten vor dem Zugriff Fremder schützt

Und plötzlich ist das Auto leer

Die Polizeibeamtin zuckt mit den Achseln und ihr Blick ist eher amüsiert als mitleidig. „Sieht so aus, als hätten Sie alles falsch gemacht, was man nur falsch machen kann“, sagt sie mit Blick auf mein Auto, das aufgebrochen wurde, ja nicht direkt aufgebrochen, eher aufgemacht und dann ausgeräumt. Es stand über Nacht in einer Großstadtstraße, voll mit Urlaubsgepäck, Geburtstagsgeschenken und elektronischen Geräten wie Laptop, Navigationsgerät und E-Book-Reader. Die fehlenden Aufbruchsspuren lassen vermuten, dass eine der Scheiben nicht vollständig geschlossen war und die Diebe leichtes Spiel hatten. „Vielleicht tröstet es Sie ein bisschen, dass Sie bei Weitem nicht die Einzige sind, die sich derart fahrlässig verhält“, meint die Polizistin noch.

veröffentlicht am 02.08.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 10.10.2017 um 09:21 Uhr

ri-cornelia2-0711

Autor

Reporterin zur Autorenseite

Immerhin war es richtig, zur Polizei zu gehen, das bestätigt auch der Hamelner Polizeioberkommissar Jörn Schedlitzki. „Sie persönlich haben zwar wohl nichts davon“, sagt er. „Aber für Polizei und Bürger ist es wichtig, dass alle Diebstahlsfälle gemeldet werden, damit man sich ein Bild der jeweiligen Lage machen kann und weiß, wo verstärkt Kontrollen erforderlich sind.“ Am besten sei es, das aufgebrochene Auto an seinem Platz stehen zu lassen. So haben die Beamten die Möglichkeit genauerer Spurensuche, nicht nur am Wagen selbst, sondern auch am jeweiligen Standort, bis hin zur Befragung von Nachbarn. Es sei allerdings eher selten, dass Diebesgut jemals zu seinem Besitzer zurückfindet, muss er sagen. „Diebe werden durchaus mal dingfest gemacht, doch meistens gelingt es nicht, die Beute dann auch einem Beraubten zuzuordnen.“

Sein grundsätzlicher Rat ist so banal wie überzeugend: „Man muss begreifen, dass das Auto kein Wertgegenstandsfach ist!“ Wer sein Navigationsgerät oder gar sein navigationsfähiges Handy an der Scheibe haften lässt, wer Koffer und Taschen sichtbar auf der Rückbank platziert oder Dinge so unter dem Sitz versteckt, dass man sieht, hier sollte etwas den Blicken entzogen werden, der verlockt Kriminelle, die zwischen Autos herumwandern, um zu sehen, wo was zu holen wäre. „Und was zum Beispiel das Laptop betrifft, so sollte man es einfach niemals mit auf Reisen nehmen.“

Mein Laptop! Es lag im entwendeten Koffer, und wenn ich auch Glück im Unglück hatte, weil ich das Gerät nur sehr selten benutzte und nicht meine sämtlichen privaten Daten darauf gespeichert sind, so macht mir sein Diebstahl doch die größten Sorgen. Nicht nur besaß dieser Minischreibtisch kein Zugangspasswort – „und ein Passwort sollte ja wohl das Mindeste sein, was man zur Erschwerung unberechtigten Zugangs einrichtet“, so Computerfachmann Ulrich Uthe vom Systemhaus „bpm-Computer“ in Hameln –, ich hatte auch die Passwörter für Facebook, Amazon, Ebay, mein E-Mail-Postfach und ein Forum automatisch speichern lassen. „Gerade auf einem Laptop, das, anders als der heimische PC, relativ leicht verloren gehen kann, sollte man das niemals tun. Passwörter müssen immer außerhalb vom PC gespeichert sein“, so Uthe.

Die erste Tat also: Sofort alle Passwörter ändern und prüfen, ob es irgendwelche verdächtige Bewegungen auf den jeweiligen Konten gab. „Ansonsten: Weg ist weg“, sagt Uthe. „Es sei denn vielleicht, Sie hätten ihre persönlichen Dateien wie Fotos und Texte in einer festplattenunabhängigen Internet-Cloud oder immer regelmäßig auf einer externen Festplatte abgespeichert.“

Wer verhindern will, dass Diebe plötzlich über umfassende private Informationen verfügen und damit Unsinn oder Kriminelles anstellen, der muss alle seine Dateien verschlüsseln. „Das ist so einfach, und trotzdem machen es die wenigsten“, so Uthe. Neueste Betriebssysteme verfügen über interne Verschlüsselungsprogramme, die man nur aktivieren muss. „Ein Passwort mehr nach dem Starten des PC, und dann sind die Daten für andere unzugänglich.“ Weitere Vorsichtsmaßnahmen wären die vorherige Installation eines Ortungsprogramms, das es nicht nur für Handys, sondern auch für Laptops gibt. Sobald ein Dieb entsprechende Geräte einschaltet, hätte er zumindest seinen Standort verraten.

„Es wird so viel über den Schutz der Privatsphäre geredet, und trotzdem ist der Mehrzahl nicht klar, dass sie ohne Vorsichtsmaßnahmen einem Dieb praktisch ihre ganze Biografie samt Namen und Adresse überlassen“, sagt der Computerfachmann. „Da kann man im Fall des Falles schon Albträume bekommen.“

Was nun den eigentlichen Geldwert von aus einem Auto gestohlenen Gegenständen betrifft, so hängt es von der Qualität der eigenen Hausratsversicherung ab, ob man wenigstens einen Teil ersetzt bekommt. Ich selbst habe da gar keine Chance. Nicht nur besitze ich keine Versicherung, bei der ein Einbruch in den Wagen abgedeckt wäre, bei mir besteht außerdem der Verdacht, dass ich beim automatischen Fensterschließen den Knopf nicht lange genug gedrückt hielt, sodass ein Spalt offenblieb. „Das kommt vor“, sagt Torben Schäfer von der VHG-Versicherungsagentur in Rinteln. „Auch beim Verschließen des Autos per Funk kann es passieren, dass man meint, alles sei in Ordnung, und dann kommt man aus Versehen wieder auf die Funktaste und der Wagen steht erneut offen.“ In solchen Fällen ist es kein Einbruch und die Versicherung bleibt unzuständig. Aber selbst wenn ein Wagen richtiggehend aufgebrochen wurde und die Polizei eine entsprechende Anzeige aufgenommen hat, bleibt der Versicherungsschutz begrenzt. „Technische Geräte wie Laptop, Kamera oder Handy versichern weder wir noch die allermeisten anderen Agenturen“, so Torben Schäfer. „Die darf man eben einfach nicht im Wagen lassen.“

Zwar biete man Sonderklauseln an, die auch bei grober Fahrlässigkeit, etwa bei sichtbar im Wagen zurückgelassenen anderen Wertgegenständen, greifen, doch die Versicherungssumme läge meistens bei nur rund 1000 Euro. Nötig oder jedenfalls sehr hilfreich sind außerdem Rechnungen oder andere Besitzbelege. „Und ideelle Werte, die sind eh nicht versicherbar“, sagt er. „Eine Lederjacke mit Autogramm von Elton John mag bei Ebay 1000 Euro bringen – wir würden nur den Einkaufswert ersetzen.“ Mein Geburtstagsgeschenk zum Beispiel, das Landschaftsgemälde eines unbekannten Malers, wäre in den Augen der Versicherung wohl keine 100 Euro wert. Und selbst, wenn man beweisen könnte, dass es mal 10 000 Euro gekostet hätte, würde eine Versicherung sich weigern, solche „antiquarischen Werte“ auszuzahlen.

Doch immerhin: Als Torben Schäfer mal während einer Feier seine Jacke mit Geld und Schlüssel im Auto zurückließ und diese dann bei einem Einbruch in den Wagen entwendet wurde, sprang seine Hausratsversicherung ohne große Umstände ein.

Bundesweit rund 343 000 Mal wurde der amtlichen Kriminalstatistik zufolge im Jahr 2012 in Autos eingebrochen oder wurden fest eingebaute Teile von Autos wie Navigationsgeräte oder Radios entwendet. Dabei sind es keineswegs nur Touristen mit ihrem reizvollen Gepäck, die Opfer solcher Taten werden. „Eigentlich sind alle Fahrzeuge betroffen, bei denen in irgendeiner Weise ersichtlich ist, dass sie Wertvolles enthalten können“, so Polizeioberkommissar Jörg Schedlitzki in Hameln. „Im Auto ist nun mal nichts sicher.“

Was mich betrifft, so habe ich das bezahlt, was ein Freund „Narrengeld“ nennt. Fast ist es ein Wunder, dass ich nicht schon viel früher zum Diebstahlopfer wurde, und wäre es nicht jetzt geschehen, dann sicher irgendwann später. Wenigstens die im hohen Norden erstandene originale alte Schiffskiste, ein glückliches Schnäppchen, verschmähten die Übeltäter. Das Ding sah wohl arg unrestauriert aus und ist außerdem sehr schwer. Im Geheimfach steckten zwei alte Gläser, die wurden übersehen. In Zukunft werde ich immer auch bei kurzem Übernachtungsaufenthalt alles aus dem Wagen nehmen. Und ein Laptop brauche ich eigentlich gar nicht.

Es scheint in dem Augenblick alles so sicher zu sein: Das Auto ist fest abgeschlossen, die Wertsachen darin sind im Kofferraum oder unter dem Sitz unsichtbar verstaut. Doch Pustekuchen: Autoaufbrüche sind an der

Tagesordnung, die Diebe arbeiten ruckzuck und hinterlassen nicht selten einen beträchtlichen Schaden.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2021
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt