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Warum E-Books dem Kunden gar nicht gehören und digitale Flohmärkte verhindert werden

Und der Käufer wundert sich

Traditionalisten wollen es handfest, können sich mit der schönen neuen digitalen Welt noch nicht so richtig anfreunden – andere schwören dagegen auf E-Books. Der Vorteil gegenüber gedruckten Werken: Tausende Bücher lassen sich bequem in der Hosentasche herumtragen. Benötigt wird lediglich ein Lesegerät, ein E-Reader. Doch wie ist die Rechtslage? Warum können Käufer ihre E-Books nicht weiterverkaufen oder verschenken wie normale Bücher?

veröffentlicht am 25.04.2013 um 17:23 Uhr

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Eigentlich ist alles ganz einfach. Wer in eine Buchhandlung geht und ein Buch kauft, der hat dieses Buch im wahrsten Wortsinn erworben. Er kann es verschenken oder verkaufen, wie es ihm beliebt. Gleiches gilt natürlich auch für elektronische Bücher, für E-Books – dachten viele Käufer zumindest. Doch spätestens nach dem Skandal um die miserablen Arbeitsbedingungen für Leiharbeiter beim Internet-Riesen Amazon wurden sie eines Besseren belehrt. Als viele empörte Kunden des Online-Buchhändlers ihre Konten kündigen wollten, konterte Amazon mit einer juristischen Keule, die für noch mehr Empörung sorgte. Da die Kunden die E-Books nicht gekauft, sondern nur ein Nutzungsrecht erworben hätten, sollten nun alle bereits heruntergeladenen Werke verloren gehen. Der Aufschrei der Verbraucher war bundesweit zu hören.

Amazon spielt ohnehin eine Sonderrolle im digitalen Büchermarkt. Bei Amazon erworbene E-Books können ausschließlich über das hauseigene Lesegerät „Kindle“ oder auf Geräten mit der „Kindle“-App gelesen werden. Außerhalb der Amazon-Welt können Kunden mit dem „Kindle“ ohnehin wenig anfangen, da das Gerät nur E-Books lesen kann, die im AZW-Format kodiert sind. Das Gros der E-Books ist im EPUB-Format verschlüsselt. Praktisch alle Online-Shops (außer Amazon) nutzen es, darunter auch die großen Anbieter wie Libri, Ciando, Weltbild, Thalia, Pubbles und iTunes.

Immerhin hatte der folgende Proteststurm in einem Punkt Erfolg: Laut Amazon dürfen Kindle-Nutzer ihre Inhalte nun auch bei einer Kündigung weiternutzen – vorausgesetzt, sie haben ihre Bücher zuvor noch separat gesichert. Spätestens jetzt dürfte vielen Verbrauchern klar geworden sein, dass digitale Bücher tatsächlich nur virtueller Natur sind und keinesfalls ihnen gehören – obwohl sie dafür bezahlt haben.

Stefan Matthias von der gleichnamigen Hamelner Buchhandlung bestätigt die komplizierte und aus Verbrauchersicht unbefriedigende Rechtslage. „Wir als örtliche Buchhändler hätten uns so eine Art Softwaretankstellen gewünscht“, blickt Matthias zurück. Kunden hätten sich vor Ort Bücher auf ihre E-Reader herunterladen und im Geschäft bezahlen können. Insbesondere die großen Online-Händler hätten da dem Buchhandel einen Strich durch die Rechnung gemacht, weil sie auch die freie Handelbarkeit legal erworbener elektronischer Güter verhindert hätten. Denn wo Kaufen draufstehe, stecke tatsächlich oft nur ein Nutzungsrecht drin. Die Lizenz werde auf das Lesegerät übertragen – Eigentümer des E-Books sei der Käufer damit aber keinesfalls. Und: Man könne nicht in die Buchhandlung kommen und E-Books kaufen.

Lange habe man mit dieser Situation gehadert, erläutert Matthias, der zudem beklagt, als Händler keine Rabatte bekommen zu haben. „Wir können nur informieren und verschiedene Lesegeräte anbieten“, betont Matthias. Die Nachfrage nach E-Books sei zu Beginn riesig gewesen. Allerdings habe von zehn Kunden dann maximal einer tatsächlich einen E-Reader gekauft.

Viele traditionelle Leser könnten mit der neuen Technik nicht viel anfangen, hätten zudem Angst vor dem Internet. Dennoch verkaufe man auch E-Books. Über die Homepage der Buchhandlung (www.bookies.de) komme man über den Link E-Books auf die Libreka-Seite, könne dort elektronische Bücher kaufen. Libreka ist laut Matthias ein Projekt des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Für den Verkauf erhalte er dann eine anteilige Provision, die sich aber im Cent-Bereich bewege. „Der E-Book-Handel geht an der stationären Buchhandlung vorbei“, konstatiert Matthias. Dabei würde man gerne daran partizipieren. Nicht nur in Hameln, im gesamten Weserbergland sieht die Lage an der E-Book- Front ähnlich aus. Kerstin Schulte von der Buchhandlung Scheck in Bückeburg erklärt: „Wir hatten anderthalb Jahre E-Reader im Angebot – aber nur einen verkauft. Den Rest haben wir jetzt zurückgeschickt.“ Ähnlich sieht die Situation in der Buchhandlung Frommhold aus. Dort sind zwar noch E-Reader vorrätig, die Nachfrage ist allerdings gering. Die Stadtbücherei Rinteln und die Kreisergänzungsbücherei Schaumburg haben momentan keine E-Reader im Angebot. Beide beobachten die Entwicklung allerdings weiterhin. Sollte die Nachfrage steigen, könnten auch dort welche zur Verfügung gestellt werden.

E-Reader gibt es in der Stadtbücherei Hameln ebenfalls nicht – dafür besteht dort aber für Kunden seit ein paar Monaten die Möglichkeit, sich E-Books auszuleihen. „Wir haben rund 400 Ausleihen pro Monat“, berichtet Bernhard Greten als Leiter der Stadtbücherei. Das entspreche etwa einem Prozent aller Ausleihen. Viele Kunden würden zudem auf Tablets zurückgreifen und weniger E-Reader nutzen.

Die Ausleihe von E-Books sei relativ simpel möglich. Über die Homepage der Stadtbücherei (www.stadtbuecherei.hameln.de) könne man den Link Onleihe anklicken, gelange so auf die Seite „NBib24“. Dahinter verbirgt sich das Angebot der niedersächsischen Bibliotheken, die sich dort zu einem 24-Stunden-Online-Angebot zusammengeschlossen haben. Dort kann man sich laut Greten als Kunde einloggen und bis zu fünf E-Books gleichzeitig für drei Wochen ausleihen. Der Vorteil: Man brauche die Bücher nicht „zurückbringen“ – nach drei Wochen würden sie unleserlich.

Die Buchhandlung Thalia in Hameln bietet ihren Kunden im Geschäft einen WLAN-Zugang an. So könne man sich direkt vor Ort E-Books auf sein Lesegerät herunterladen, erklärt Mitarbeiterin Rebecca Malara.

Der feine Unterschied zwischen Kauf- und Lizenzvertrag bleibt bei E-Books allerdings bestehen. Noch ist es nicht möglich, Bücher legal weiterzugeben oder zu verkaufen – etwa über digitale Flohmärkte. Die großen Medienkonzerne haben Angst vor einer unkontrollierten Vervielfältigung und fürchten einen Preisverfall, wenn Neuprodukte bei Flohmärkten billiger angeboten werden. Das stößt vielen Verbrauchern übel auf, die ihre elektronischen Schmöker gerne auch verleihen, verschenken oder verkaufen würden. Amazon, Apple & Co. schneiden nicht nur die Nachschubwege für Flohmärkte ab, sie hebeln ein essenzielles Grundprinzip der Marktwirtschaft (die freie Handelbarkeit von Waren) aus und beschneiden die Rechte der Konsumenten mit gut versteckten Klauseln in den Tiefen unverständlicher Geschäftsbedingungen. Wer trotzdem E-Books weiterverkauft, muss mit Abmahnungen, Unterlassungsaufforderungen und oftmals horrenden Anwaltskosten rechnen. Unterstützung bekommen Kunden inzwischen von Verbraucherschützern. „Wer sich ein Buch herunterlädt, sollte nicht anders dastehen als jemand, der eine gebundene Ausgabe im Laden kauft“, fordert eine Sprecherin der Verbraucherzentrale Bundesverband. Der Verband führt derzeit mehrere Musterklagen gegen Online-Buchhändler. Die Urteile stehen noch aus.



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