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Diese Filme und Serien wurde im Landkreis gedreht

Traumfabrik Weserbergland

Die Stars der 1960er Jahre hießen Heinz Erhardt und Karin Dor, die Stars der 1990er hießen Mario Adorf und Witta Pohl. Was sie gemein haben: Sie standen für Krimis, Komödien oder Klamauk im Weserbergland vor der Kamera. Der deutsche Film – made in der Traumfabrik Hamelwood.

veröffentlicht am 17.03.2018 um 08:27 Uhr

1965: Karin Dor spielt im Edgar-Wallace-Film „Der unheimliche Mönch“ in Hastenbeck mit. Foto: Archiv

Autor:

Jens Rathmann und Thomas Thimm
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Hier spricht Edgar Wallace!“ Mit der blechernen Stimme vom Band begannen sie, die 36 legendären Krimis, die von 1959 bis 1972 zur erfolgreichsten deutschen Kino-Serie avancierten. Pünktlich zum Weihnachtsfest 1965 konnten die Kammer-Lichtspiele das Hamelner Publikum nicht nur mit dem Hinweis „unheimlich, dramatisch und spannungsgeladen“ in den Kinosaal locken, es gab noch einen ganz besonderen Vermerk: „Dieser Film wurde zum Teil auf Schloß Hastenbeck bei Hameln gedreht“ prangte in großen Lettern auf den Plakaten zum Wallace-Film „Der unheimliche Mönch“.

In den Hauptrollen spielten Karin Dor als Gwendolin und Harald Leipniz als Inspektor Bratt, mit dabei waren auch Siegfried Lowitz und Eddi Arent. Gedreht wurde auf Schloß Hastenbeck im Oktober 1965. Teilweise standen bei strahlendem Sonnenschein Außenaufnahmen an, und so hatte das Filmteam um Regisseur Harald Reinl alle Mühe, typisch englischen Bodennebel aus Bäumen und Sträuchem hervorzuzaubern. Leser der Dewezet konnten damals jedoch nicht nur über die Dreharbeiten lesen, sie wurden auch über die kleineren Schwierigkeiten der Stars informiert. So war Eddi Arent zwar begeisterter Sportflieger, doch ein Auto an der Kamera vorbeizufahren, bereitete ihm einige Schwierigkeiten. Karin Dor dagegen musste auf die flachen Schuhe der Dewezet-Redakteurin zurückgreifen, da sie auf weichem Untergrund mit ihren hohen Absätzen alles andere als damenhaft dahinglitt.

Im Jahr 1956 wurde auch Schloss Fürstenberg zum Drehort für einen Film: In „Heute heiratet mein Mann“, waren Liselotte Pulver, Johannes Heesters, Gustav Knuth und Paul Hubschmid mit von der Partie.

1971: Heinz Erhardt in Bad Pyrmont. Foto: Archiv
  • 1971: Heinz Erhardt in Bad Pyrmont. Foto: Archiv
1996: Witta Pohl in „Happy Birthday“ in Hameln. Foto: Dana
  • 1996: Witta Pohl in „Happy Birthday“ in Hameln. Foto: Dana
2004: Maria Furtwängler ermittelt im Hamelner Tatort. Foto: NDR
  • 2004: Maria Furtwängler ermittelt im Hamelner Tatort. Foto: NDR
2012: Ben Becker als Münchhausen in Hämelschenburg. Foto: Archiv
  • 2012: Ben Becker als Münchhausen in Hämelschenburg. Foto: Archiv
1971: Heinz Erhardt in Bad Pyrmont. Foto: Archiv
1996: Witta Pohl in „Happy Birthday“ in Hameln. Foto: Dana
2004: Maria Furtwängler ermittelt im Hamelner Tatort. Foto: NDR
2012: Ben Becker als Münchhausen in Hämelschenburg. Foto: Archiv

1971 hieß es dann in Bad Pyrmont „Achtung Aufnahme!“ Regisseur Werner Jacobs verfilmte in der Badestadt „Willi wird das Kind schon schaukeln“, den vierten und letzten Film der „Willi“-Serie mit Heinz Erhardt. Für Pyrmont-Fans bieten die zahlreichen Fernsehwiederholungen von „Willi wird das Kind schon schaukeln“ heute eine der seltenen Gelegenheiten, markante Punkte der Stadt wiederzuentdecken. Für die Außenaufnahmen von Willi Kuckucks Haus nutzte das Filmteam die Fassade der heutigen Stadtbücherei an der Bismarckstraße, im Bild festgehalten wurden auch der alte Pyrmonter Bahnhof und die Fassade des alten Kurhotels. Unmittelbar nach Ende der Dreharbeiten nahm Erhardts Karriere ein jähes Ende. „Heinz Erhardt (62), Deutschlands beliebtester Komiker, hat Sonnabend früh einen schweren Schlaganfall erlitten“, meldeten die Zeitungen am 13. Dezember 1971. „Willi wird das Kind schon schaukeln“ sollte auch für lange Zeit der letzte größere Kino- und Fernsehfilm sein, der im Landkreis gedreht wurde. Erst 20 Jahre später, im Juli 1991, bildete Bodenwerder die stimmungsvolle Kulisse für Filmszenen des erfolgreichen ZDF-Vierteilers „Der große Bellheim“ mit Mario Adorf in der Hauptrolle. Am Weserufer in Bodenwerder startete die Filmcrew ihre Fahrt mit der „MS Holzminden“, gedreht wurde ein ausgelassener Betriebsausflug der Mitarbeiter des „Bellheim-Konzerns“ für den dritten Teil. Mit an Bord waren so bekannte Schauspieler wie „Ekel Alfred“ Heinz Schubert, Will Quadflieg, Hans Körte, Heinz Hoenig oder Ingrid Steeger, die Regie führte Dieter Wedel. „Die Filmaufnahmen und Stars aus der Nähe zu sehen, das war damals in Bodenwerder schon etwas Besonderes“, erinnerte sich einst Benno Laufmann, der damalige Geschäftsführer der Oberweser-Dampfschiffahrt. Laufmann hatte damals selbst eine Statistenrolle, war mit einem Satz im Film vertreten. Aktiv am Film beteiligt war auch die Feuerwehr Bodenwerder, die mit ihren Schläuchen für künstlichen Regen sorgte: Im Drehbuch stand „Regenschauer“, aber über der Weser schien die Sonne. Gedreht wurde jedoch nicht nur in Bodenwerder, auch in Polle und Uslar surrten die Kameras. Die Innenaufnahmen aus dem „Bellheim“-Kaufhaus entstanden in Holzminden, nach Geschäftsschluss verwandelte sich das Kaufhaus „Schwager“ in ein großes Studio. Zum ersten Mal ausgestrahlt wurde „Der große Bellheim“ im Januar 1993.

Im Herbst 1996 gingen für die ARD-Serie „Happy Birthday“ mit Witta Pohl in der Hauptrolle wieder die Scheinwerfer an. Begeistert von der historischen Kulisse hatte die Neue Filmproduktion Berlin die Hamelner Altstadt als Schauplatz für die Serie ausgewählt. Allerdings raubten die Filmemacher der Stadt Hameln den Namen: In „Hambrück“, wie Hameln im Film heißt, hilft Witta Pohl als Hebamme Marie Linnebrink Paaren bei Kinderwunsch und Wunschkindern. Entbindungen und Schwangerschaften stehen zwar im Mittelpunkt der Serie, doch bleibt auch das Leben der Hebamme und der Menschen in ihrer Umgebung nicht unbeleuchtet. Nach dem Erfolg der ersten Serienstaffel mit 13 Folgen – rund fünf Millionen Zuschauer schalteten im Schnitt ein – stand Witta Pohl auch in der zweiten Staffell im Zentrum des Geschehens. Mit Witta Pohl standen bis zum Jahr 2000 Schauspieler wie Wolf Roth, Gerd Olschewski, Martin Bramstedt, Christiane Heinrich und Hans-Peter Korff vor der Kamera. Neben diesen Großen der deutschen Schauspielkunst haben aber auch Laiendarsteller aus der Region ihre Auftritte. In der ersten Staffel spielten der damals kleine Rene Laeger aus Hameln an der Seite von Willy Millowitsch, Traute Römisch behandelte den Volksschauspieler als „Internistin“ in der Notaufnahme, und die damals kleine Maya Friedrichs aus Bad Pyrmont war das Baby, das im Film Witta Pohl zur Oma machte. Viele weitere Kinder und Erwachsene wirkten bei der Produktion mit – und die Filmcrew lobte immer wieder die große Hilfsbereitschaft der Menschen in Hameln und Umgebung.

Vier Jahre später war die Kuschelzeit in Hameln beziehungsweise Hambrück zu Ende: Im Jahr 2004 wurde es dafür kriminell. Im „Tatort: Märchenwald“ ermittelte Maria Furtwängler als Kriminalhauptkommissarin Charlotte Lindholm. Der Film wurde vom Norddeutschen Rundfunk produziert und am 24. Oktober 2004 erstmals ausgestrahlt. Es geht um einen Raubmordfall in Hameln. In dem Tatort spielt auch Hannes Jaenicke mit.

Im Jahr 2012 wurde Schloss Hämelschenburg zum Schauplatz eines Filmgeschehens. Dort wurde unter der Regie von Kai Christiansen „Münchhausen – die Geschichte einer Lüge“ aufgezeichnet – mit einem ganz wunderbaren Ben Becker als Baron von Münchhausen.

Nur wenige Jahre später – 2015 und 2016 – wurde Natalie Wörner quasi zum Dauergast im Schloss Bückeburg: Zunächst spielte sie 2015 in dem Streifen „Der gute Göring“ mit. Und ein Jahr später kam sie für den Film „Mata Hari – Tanz mit dem Tod“ wieder.



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