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Taufe mit Weserwasser – Segen mit Regen

Bange Blicke richten sich zum Himmel – dunkle Wolken ziehen auf. „Es kommt von Westen etwas Regen“, stellt Superintendent Andreas Kühne-Glaser fest und appelliert mit Blick nach oben: „Wenn unser Herrgott möchte, dass hier in seinem Namen getauft wird, dann möge er für das nötige Wetter sorgen.“ Die Bitte half. Erst am Ende des Gottesdienstes und der 44 Taufen setzte leichter Regen ein, viele Besucher gingen – zum Leidwesen von Kuchen-, Getränke- und Bratwurstständen. Für deren gute Umsätze war aber auch nicht gebetet worden...

veröffentlicht am 10.07.2012 um 09:26 Uhr

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Autor:

Dietrich Lange

Mehr als 500 Besucher füllten die Sitzreihen vor der Bühne, als die Pastoren der sechs beteiligten evangelischen Kirchengemeinden mit Kannen Taufwasser aus einer Zinkbadewanne am Weserufer holten. Wie einst am Jordan sollte mit Flusswasser getauft werden. 44 Anmeldungen von Täuflingen lagen vor, St. Nikolai hatte mit 18 den größten Andrang.

Doch zunächst sorgte die Gospelgruppe der Delegation des Partnerkirchenkreises Devhula-Lebowa (Südafrika) für Gelöstheit und eine noch weiter gefasste Sicht auf gelebte Ökumene. Den hier aufgenommenen Schwung versuchte Kühne-Glaser selbst an der Gitarre wieder aufzunehmen, als er „Mercy is falling“ sang und die Besucher einstimmten. Pastor Heiko Buitkamp (ref. Kirchengemeinde Rinteln) erinnerte mit Worten aus dem Markus-Evangelium an den Sinn der Taufe: „Jesus sagte zu seinen Jüngern: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.“ Die Pastoren Ute Schultz (ref. Gemeinde Möllenbeck) und Reinhard Koller (luth. Gemeinde Steinbergen) fragten sich, ob bei Jesus einst auch 500 Menschen zur Taufe kamen wie jetzt in Rinteln. Pastor Dr. Dirk Gniesmer (luth. Johannisgemeinde) wies darauf hin, dass sich Exter und Weser beim Taufwasser mischen. Der Bogen wurde stets möglichst breit gezogen, und wer weiß, vielleicht sind in drei Jahren noch mehr Kirchengemeinden mit ihren Täuflingen dabei.

Dann ging es zum Hauptzweck des Tages – den Taufen. Die Pastoren nahmen ihre Kannen und zogen mit den Familien der Täuflinge zu den auf verschiedenste Weisen geschmückten Altären.

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  • Die Gospelgruppe aus dem südafrikanischen Partner-Kirchenkreis sorgt mit rhythmischem Gesang rasch für gelöste Stimmung.
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  • Noch etwas ängstlich ist dieser Täufling, als ihm Pastorin Astrid Bunselmeyer (knieend) und die Paten die Hand auflegen.
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  • Doppeltaufe: Sascha Krämer (stehend r.) lässt sich erst als Erwachsener taufen, um dann Pate bei Bryan Bobenrieth zu werden, Kind seiner Freunde Daniela Babenroth (vorn l. und Timo Schumann. Oben l. die zweite Patin Wiebke Gille. Foto›: dil
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  • Die Feuerwehr setzt mit Rettungsbooten Besucher des Tauffestes über die Weser.
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  • Andrang bei den Taufen an der Weser: Nicht nur Pastor Stephan Strottmann (Steinbergen, vorn) und Pastor Helmut Syska (Krankenhagen, hinten) haben gut zu tun. Fotos: tol
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44 Erwachsene und Kinder ließen sich taufen. Und dabei gab es ungewöhnliche Konstellationen. Sascha Krämer stammt aus der ehemaligen DDR, hatte dort wie viele nichts mit Kirche zu tun. „Dann baten mich meine besten Freunde Daniela Babenroth und Timo Schumann, Pate für ihr Kind Bryan Babenroth zu werden. Dafür musste ich aber erst einmal selbst getauft werden.“ Bei Erwachsenen ist diese Doppelrolle an einem Tag möglich: Erst tauft Pastor Dr. Dirk Gniesmer Sascha, dann kommt Bryan dran.

Wenige Schritte weiter halten Stefan Rekasch und Jennifer Thomas-Rekasch mit ihrer Kinderschar Pastorin Astrid Bunselmeyer auf Trab. Robin Phillip (fast zwei Jahre), Felix Maximilian (3), Fabian Pascal (6) und Tom Dominic (7) stehen quasi Schlange. „Ich wollte sie schon lange taufen lassen, aber dann bot sich das heute ideal an“, sagt die Mutter. Und der Vater ergänzt: „Hier können wir alle auf einmal taufen lassen.“ Marc Oliver Thomas, ältester Sohn der Mutter, hat die Taufe schon als Einjähriger bekommen und wurde jetzt als frisch Konfirmierter gleich zweimal Pate – von Fabian Pascal und Tom Dominic. Da bei so vielen Taufen in einer Familie die Paten knapp werden können, sprang die Küsterin von St. Nikolai, Ulrike Branahl, kurzerhand als Patin von Felix Maximilian ein. Die Familie freut sich schon auf große Tauferinnerungsfeste in fernerer Zukunft.

Kaum saßen die Gottesdienstbesucher wieder auf ihren Plätzen, öffnete der Himmel zaghaft seine Schleusen. „Schauen Sie, dass Sie bei Ihrem Nachbarn unter den Schirm schlüpfen“, empfahl Kühne-Glaser. „So lernt man sich ja auch kennen.“ Er spendete den Segen bei Regen.

Der Superintendent dankte allen, die zum Gelingen dieses Tauffestes beigetragen haben: die Stadt mit Bereitstellung der Bühne, die Feuerwehr mit dem Fährbetrieb in Rettungsbooten, assistiert von DLRG und DRK, den vielen Ehrenamtlichen und allen voran Logistik-Chef Ulrich Goebel. Dieser informierte dann darüber, dass der Rückweg für die Fährgäste der Feuerwehr doch zu Fuß über die Brücke erfolgen müsse.

Für schöne Schlussakkorde sorgte der 25-köpfige Posaunenchor aus mehreren Kirchengemeinden unter Leitung von Landesposaunenwart Henning Herzog aus Hannover. Bevor es an die Kuchen-, Getränke- und Bratwurststände ging, wurde noch an benachteiligte Familien gedacht: Die Kollekte war für den Aufenthalt der südafrikanischen Gäste bestimmt, aber zur Hälfte auch für Familien in Not. Gespendet wurde großzügig, wie sich auch der Himmel spendabel zeigte. Kirchenkreissozialarbeiter Martin Barwich schmunzelte am Mikrofon: „Der Himmel ist großzügig, es gibt noch ein bisschen Wasser hinterher.“

Wasser gibt es auch am kommenden Sonntag um 12 Uhr – auf der nördlichen Weserseite. Dort will der katholische Pfarrer Autos mit Weihwasser bespritzen – als Segen für gute Ferienreisen.

Ach ja, wenn vom Tauffest alles wieder abgebaut ist, kann sich Bauer Rainer Thielke freuen. Seine Kühe dürfen zurück auf die saftige Weide der Gouvernements-Insel. Doch so mancher fragte sich schon gestern, warum es dort nicht viel häufiger Veranstaltungen gibt.

Weitere Fotos unter www.schaumburger-zeitung.de, Bildergalerien.

Die Stadt Rinteln will sich mehr zur Weser öffnen, die evangelischen Kirchen machen es vor. Mehr als 500 Menschen strömten gestern zum zweiten Tauffest auf der Wiese zwischen alten Hafen und Fluss. Das kommt so gut an, dass es in drei Jahren eine Neuauflage geben soll – genug Täuflinge vorausgesetzt.



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