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Neuer Fund von Dinosaurierspuren neben dem Dinosaurierpark Münchehagen

Szenen aus der Vergangenheit

Steinbrucharbeiter entdeckten bei Hannover riesige Spuren im Sandstein. Zunächst vermuteten sie, dass es sich um Mammutspuren handeln könnte. Paläontologen des benachbarten Dinosaurierparks stellten jedoch fest, dass die Spuren von einem Langhalsdinosaurier stammen müssen. Nach dieser Entdeckung könnte die Fährte nun schon bald ein Teil des Dinosaurierparks Münchehagen werden.

veröffentlicht am 31.08.2015 um 12:07 Uhr
aktualisiert am 07.09.2015 um 10:43 Uhr

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Langsam stapft ein gigantischer Langhalsdinosaurier durch das flache Wasser. Er ist vermutlich auf der Suche nach Nahrung und hinterlässt mit seinen rund 30 Tonnen tiefe Spuren im schlammigen Boden. Plötzlich entdeckt er etwas in der Ferne, bewegt seinen 20 Meter langen Körper in eine scharfe Kurve, und läuft nach links…

Diese Szene klingt nach bunten Kinderbüchern oder dem neuesten Jurassic-Park-Film. Tatsächlich hat sie sich jedoch hier vor rund 140 Millionen Jahren abgespielt. In einem Steinbruch bei Rehburg-Loccum wurden erst vor ein paar Wochen rund 90 Fußabdrücke eines solchen Giganten gefunden. Mit einem Durchmesser von 1,20 Metern und einer Tiefe von bis zu 43 Zentimeter gehörten die Spuren zu einem besonders großen Elefantenfußdinosaurier. Paläontologen stellten fest, dass es sich um Spuren aus der Grenzzeit zwischen Kreide und Jura handeln muss– die Zeit, in der hier die letzten Dinosaurier dieser Art lebten.

Solche Überlieferungen aus der Urzeit ermöglichen heute einen Einblick in das Verhalten der ausgestorbenen Riesenechsen. Anders als Skelette zeigen sie kurze Sequenzen aus dem prähistorischen Leben: Waren die Saurier in Herden unterwegs? Wie schnell sind sie gelaufen? Was waren ihre Ziele?

Die neu gefundenen Fußabdrücke sind jedoch längst nicht die Einzigen, die in den letzten Jahrzehnten an diesem besonderen Ort zum Vorschein gekommen sind. Immer wieder wurden Relikte aus der Vergangenheit freigelegt und sorgten für großes Staunen bei Findern und Experten. Mit über 300 Saurierfährten wurde der Rehburger Berg zum Naturdenkmal, das 2006 als bedeutendes „Nationales Geotop“ ausgezeichnet wurde. An genau diesem Ort wurde auch das Dinosaurier-Freilichtmuseum Münchehagen gegründet.

„Der Dinopark soll vor allem die Faszination des Echten vermitteln und das Bewusstsein der Besucher für die prähistorische Zeit schärfen“, erklärt der wissenschaftliche Leiter Nils Knötschke. Er hat vor 17 Jahren begonnen, hier zu arbeiten und betont die stets wissenschaftliche Basis, auf der das Freilichtmuseum beruht. Es sei kein Freizeitpark im herkömmlichen Sinne, sondern ein Themenpark, der um wissenschaftliche Funde herum aufgebaut wurde. Der Dinosaurier ist hier absolut kein Fantasieobjekt, sondern eine ausgestorbene Tierart, über die es noch viel zu lernen und erforschen gibt.

„Sind das wirklich ganz, ganz echte Mammutknochen?“, fragt der kleine Tobias aus Hannover. Er ist sieben Jahre alt und zum ersten Mal im Dinopark. Nachdem seine Klasse den Park im vergangenen Juni besucht hatte und er aus Krankheitsgründen nicht mitkommen konnte, ermöglichten ihm seine Eltern nun diesen Wunsch. „Hier lernt er ja schließlich auch eine Menge, und seinen Klassenkameraden hatte es auch so gut gefallen“, erklären diese.

Die Besucher des Parks können hautnah echte Präparationsarbeiten erleben und Fundstücke bestaunen. Das private Museum steht in einer ständigen Verknüpfung zu internationalen Museen und Universitäten und arbeitet sogar mit dem Fernen Osten zusammen. „Wir haben gerade das Skelett eines Europasaurus für Japan nachgebaut“, berichtet Knötschke.

Über 230 lebensechte Rekonstruktionen, Mitmach-Stationen und Spielgeräte in Saurierform – all das macht es möglich, dass auch schon die Kleinsten Spaß am Wissen über Dinosaurier bekommen.

Und dieses Konzept kommt augenscheinlich gut an: Die Kinder vergleichen ihre Größe mit der der Riesenechsen, schaukeln vergnügt an den Stoßzähnen eines Mammuts und lassen sich vom Steinzeitexperten alles über die ersten Menschen erzählen. „Der Dino war ja so groß wie unser ganzes Haus“, staunt eine fünfjährige Besucherin, die mit ihren Großeltern durch den Park läuft. „Die waren doch aber in echt nicht so riesig, oder?“ Ihr erstaunter Blick zeigt, dass das Thema Dinosaurier nach wie vor Begeisterung auslöst. Das Interesse für die längst vergangene Zeit ist keinesfalls mit den Riesenechsen ausgestorben und mehr als nur eine Inspiration für fantasiebeladene Kinoproduktionen.

Auch die neu entdeckten Spuren des Langhalsdinosauriers könnten schon bald ein fester Bestandteil des Parks werden, sagt Knötschke. Immerhin führen sie direkt in das Parkgelände hinein.

Bis dahin sind aber zumindest im September an jedem Samstagmorgen Führungen zum benachbarten Steinbruch geplant. Denn das Interesse ist erstaunlich groß: „Heute Morgen hatten wir rund 150 Besucher bei der Führung dabei. Sogar in Amerika und China waren die Spuren schon in den Medien“, berichtet der wissenschaftliche Leiter erfreut.

Wilde Verfolgungsjagden durch das Unterholz, spitze Zähne in einem gefährlich wirkenden Maul und tiefe Dinospuren – diese Szenen aus der Vergangenheit kann man auf dem Rehburger Berg auch Millionen von Jahren nach den Dinosauriern erleben.

Lebensgroße Dinosaurier, echte Dinosaurierspuren und viele Mitmach-Stationen machen aus dem Dinosaurierpark ein beliebtes Ausflugsziel. Dinosaurierpark Münchehagen



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