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Stillgestanden

Es ist jedes Jahr das Gleiche: Endlich Sommerferien, aber auf dem Weg in den Urlaub sorgen vor allem Baustellen auf den Autobahnen für Staus und Stress. Der ADAC warnt: Dieses Wochenende wird das schlimmste. Aber wie entstehen Staus eigentlich? Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zum Urlaubsbeginn in der Blechlawine

veröffentlicht am 24.07.2015 um 18:36 Uhr

Es ist jedes Jahr das Gleiche: Endlich Sommerferien, aber auf dem Weg in den Urlaub sorgen vor allem Baustellen auf den Autobahnen für Staus und Stress. Der ADAC warnt: Dieses Wochenende wird das schlimmste. Aber wie entstehen Staus eigentlich? Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zum Urlaubsbeginn in der Blechlawine
Wie das nervt! Kilometerlange Schlangen, Stop-and-Go-Verkehr bis zum totalen Stillstand. Wenn der Urlaub im Stau beginnt, vergeht das schönste Feriengefühl. Fast alle Bundesländer haben Ferien, auf den Autobahnen herrscht schlechte Laune. Vor allem an diesem Wochenende erwartet der ADAC das stärkste Verkehrsaufkommen in diesem Sommer. „Auf fast allen Nord-Ost- und Süd-West-Strecken gibt es Baustellen“, sagt die Sprecherin des ADAC in Niedersachsen, Christine Rettig. „Allein dadurch kann es schon zu Beeinträchtigungen kommen.“ Fragen und Antworten:

  • Wie entsteht eigentlich ein Stau? „Stau entsteht immer dann, wenn unterschiedliche Geschwindigkeiten aufeinandertreffen“, sagt Christian Buric vom ADAC. Müssen mehrere Autos abbremsen, kommt es zu einer Kettenreaktion. So ist es möglich, dass ein Stau scheinbar aus dem Nichts entsteht. Stau-Risiko besteht darüber hinaus vor allem an Engpässen wie Bau- oder Unfallstellen. Der Stauforscher Markus Friedrich hat eine Faustregel für die Entstehung eines Staus: Die Kapazität der Autobahnen liegt im Schnitt bei 2000 Fahrzeugen pro Fahrstreifen und Stunde. 100 Fahrzeuge mehr führen zu einem Kilometer Stau.

 

  • Baustellen in der Ferienzeit: Muss das denn sein? „Dies ist leider unvermeidbar“, sagt Jens-Thilo Schulze, Sprecher der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Niedersachsen. Gerade bei größeren Baumaßnahmen wie dem sechsspurigen Ausbau der Autobahn 7 zwischen Seesen und Bockenem oder der Grunderneuerung der Autobahn 39 zwischen Maschen und Winsen-West müsse weitergearbeitet werden. Das Ferienzeitfenster für alle Bundesländer ist in diesem Jahr vom 29. Juni bis 14. September. „Wollte man in dieser Zeit die Autobahnen baustellenfrei halten, würde uns wertvolle Zeit verloren gehen, die die Baumaßnahmen erheblich verzögern und verteuern würden“, sagt Schulze. Auch das Räumen von Baustellen in den Ferien sei ein nicht zu vertretender Aufwand. „Allein das Entfernen der Betongleitwände zur Trennung des Gegenverkehrs würde rund eine Woche dauern, der Wiederaufbau später ebenso lange.“ Grundsätzlich würden alle Baumaßnahmen miteinander abgestimmt, damit es nicht zu unnötigen Behinderungen komme.
  • Wo wird es im Norden problematisch? Der ADAC rechnet vor allem in den Ballungsräumen um Hannover, Hamburg, Osnabrück, Braunschweig und Bremen sowie am Autobahnkreuz von A2 und A7 mit hohem Verkehrsaufkommen und Staugefahr. Rund um Bremen und Hamburg, egal aus welcher Richtung, wird es voll. Autofahrer sollen längere Reisezeiten als gewöhnlich einplanen.

 

Aussteigen? Auf der Autobahn? Das wird nur im absoluten Ausnahmefall nicht von der Polizei mit einem Bußgeld geahndet. Foto: dpa
  • Wie können Autofahrer einen Stau vermeiden? Besonders in den Sommerferien ist auf vielen Autobahnen mit Staus zu rechnen, die weitaus länger sein können als außerhalb der Ferien. Gerade samstags ist damit zu rechnen – denn das ist der beliebteste An- und Abreisetag. „Wer die Möglichkeit hat, sollte deswegen erst sonntags oder montags losfahren“, rät Buric. Auch die Tageszeit spielt eine Rolle: „Vor- und nachmittags ist mehr los als in den frühen Morgenstunden.“ Deswegen sollten Autofahrer möglichst früh losfahren, am besten schon in der Nacht. Erfahrungsgemäß seien vor allem die großen Nord-Süd-Verbindungen stark frequentiert.

 

  • Was hilft, wenn man doch in einen Stau gerät? Für den, der einmal im Stau steckt, gibt es kaum ein Entkommen. Viele sehen Rettung in der nächsten Abfahrt – und sind damit nicht alleine. „Deswegen hilft das in der Regel nicht weiter“, sagt Buric. Oft gebe es auf den Landstraßen hinter der Ausfahrt neue Staus, und die Ausweichstrecken sind verstopft.
  • Darf man bei Stau auf den Standstreifen ausweichen? Entschiedenes Nein vom Experten: „Der Standstreifen ist tabu“, sagt Christian Buric. Doch vereinzelt gebe es Ausnahmen. Die sind dann durch Schilder gekennzeichnet, die den Standstreifen als eine – in der Regel dritte – Fahrspur ausweisen.

 

  • Wenn gar nichts mehr geht: Dürfen Insassen kurz aussteigen? Eigentlich ist das laut Straßenverkehrsordnung auch im Stau nicht erlaubt und wird mit einem Bußgeld von zehn Euro geahndet. Wenn gar nichts mehr geht, macht die Polizei schon mal eine Ausnahme. „Solche Fälle werden in der Regel nicht verfolgt“, sagt Buric. Er rät Insassen jedoch, sich nie weit vom Auto zu entfernen, schließlich kann sich der Stau genau so schnell wieder auflösen, wie er entstanden ist. Und zu bunt sollten es Reisende nicht treiben: „Fußballspielen auf dem Standstreifen geht entschieden zu weit.“

 

  • Wie geht das mit der Rettungsgasse? Obwohl es jeder in der Fahrschule gelernt hat, weiß es schon kurz danach kaum einer mehr: Wo genau ist die Rettungsgasse zu bilden? „Das ist eigentlich gar nicht so schwer“, sagt Buric. Bei zweispurigen Autobahnen müssen Rettungsfahrzeuge in der Mitte durchpassen, bei Straßen mit drei Spuren zwischen der linken und der mittleren Fahrspur. Übrigens: Die Rettungsgasse muss bereits gebildet werden, wenn der Verkehr stockt, und nicht erst, wenn der Krankenwagen von hinten heranrückt. Autofahrer sind dazu laut Straßenverkehrsordnung verpflichtet. kcg, dpa



Stau-Fakten

  • Die Stau-Menge: Fast eine halbe Million Mal stand der Verkehr auf deutschen Autobahnen laut ADAC im Jahr 2014 still – Rekord. Insgesamt summierten sich die Staus auf eine Dauer von 285 000 Stunden, umgerechnet mehr als 32 Jahre. Aber: Die Steigerung geht vor allem auf die genauere Erfassung der Verkehrslage zurück. Stauscanner registrieren über GPS die Handydaten von Autofahrern, Lastwagen-Flotten werten Reisedaten systematisch aus. So entstehen genauere Staubilder als früher.
  • Die Stau-Schwerpunkte: Hinsichtlich der Staukilometer lagen laut ADAC im Jahr 2014 erneut Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg an der Spitze. Nordrhein-Westfalen ist ein riesiger Ballungsraum mit einem dichten Netz an Autobahnen. In Bayern und Baden-Württemberg rollt besonders viel Ferienverkehr Richtung Süden. Auf diese drei Bundesländer entfielen 63 Prozent aller Staukilometer. „Die fünf klassischen Ferienstau-Routen sind die A1, A3, A7, A8 und A9“, sagt ADAC-Sprecher Johannes Boos.
  • Die Stau-Zukunft: Navigationsgeräte werden immer präziser, die Beseitigung von Störungen schneller. Doch trotz technischer Neuerungen wird es nach Ansicht von Stauforschern immer zu Staus auf den Autobahnen kommen. Der Grund: Die Straßen können nicht beliebig erweitert werden.


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