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So kommen Radler durch den Winter

Einmotten oder durchfahren? Egal, ob man dem Fahrrad im Herbst und Winter

eine Auszeit gönnt oder weiter in die Pedale tritt: Ein kurzer Radcheck und etwas Pflege sind in der kalten Jahreszeit ratsam und sorgen dafür, dass Rad und

Fahrer sicher ihr Ziel erreichen. Wir verraten, was genau zu tun ist. Ein Experten-Check

veröffentlicht am 22.12.2015 um 13:58 Uhr
aktualisiert am 23.12.2015 um 16:33 Uhr

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Autor:

Ann-Kathrin Fels, Falk Zielke und Katharina Grimpe

Radfahren im Winter? Warum nicht? Solange Kondition, Technik und Ausrüstung stimmen. Denn so viel ist klar: Radeln im Winter fordert Mensch und Material. Außer der Kälte können Feuchtigkeit, Glätte oder Streusalz Probleme bereiten. „Das Fahrrad braucht im Winter schon ein wenig mehr Pflege“, sagt David Koßmann vom Pressedienst Fahrrad. Die gute Nachricht: Radfahrer, die das ganze Jahr hindurch fahren, brauchen dafür keine Technik-Experten zu werden. Die meisten Dinge lassen sich relativ einfach selbst erledigen. „Es gibt den sogenannten Dreiklang in der Radpflege: Kette, Bremsen, Reifen.“ Worauf es im Winter ankommt:

Schmieren: Ohne die Fahrradkette läuft nichts. Doch Nässe und Streusalz setzen ihr immer wieder zu. Ob eine Kette gut funktioniert, können Radfahrer heraushören: „Wenn sie quietscht, ist es oft schon zu spät“, sagt Koßmann. Denn dann fehlt Fett oder Öl. Ist sie trocken und ein wenig angerostet, kann sogenanntes Kriechöl helfen, die Oberflächenkorrosion zu lösen, „Wischen Sie überflüssiges Öl wieder mit einem Lappen ab“, rät Koßmann. Dann bleibt die Kleidung von unschönen Flecken verschont, und auch der Rahmen wird nicht unfreiwillig eingefettet. Wer wegen der besseren Schmierfähigkeit eher festere Schmiermittel mit Teflon wählt, sollte bedenken, dass sich daran oft Dreck festsetzt. „Da müssen Sie unter Umständen ab und zu putzen.“ Denn Schmutz zieht Feuchtigkeit an und fördert damit die Rostbildung.

Eine Alternative für Vielfahrer können Riemenantriebe sein. Dabei sind die Räder statt mit einer Kette aus Metall mit einem Zahnriemen aus einem Kunststoff ausgestattet. Einen Spritzer Schmiermittel können auch die mechanischen Teile der Bremsen wie die Bremshebel gut vertragen, weiß Dirk Fahlbusch, Mitarbeiter des Fahrradgeschäfts „Tretlager“ in Nienbrügge. Schnee ist noch schlimmer als Regen, warnt Rainer Klenke, Chef von „Fun Corner“ in Hameln. „Der setzt sich noch massiver in Lager und Ritzen.“

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Putzen: Dreck, Laub, Wasser und vor allem Salz: Alle Teile des Fahrrades leiden im Herbst und Winter unter der Witterung. Um so wichtiger ist es, den Drahtesel regelmäßig zu putzen, betont Fahlbusch. Gerade Streusalz setzt dem Material zu. „Wer viel im Winter fährt, sollte sein Rad einmal in der Woche mit Wasser abspülen oder abwischen“, sagt der Experte. Klenke aus Hameln empfiehlt, den Lack zudem nach dem Putzen mit Wachs zu versiegeln. Das ist im Grunde das gleiche Produkt wie der Heißwachs bei der Autowäsche.“ Salzlauge frisst sich zudem schnell in Ritzen und Schrauben und lässt das Material leiden. „Da kann ein neues Rad schnell aussehen, als wäre es Jahre alt“, sagt der „Fun Corner“-Geschäftsführer. Aber Vorsicht: Die Radwäsche sollte nicht bei Minustemperaturen erfolgen. Sonst können die Bowdenzüge der Bremsen einfrieren.

Das gleiche Problem kann entstehen, wenn das Rad in der Wohnung gelagert wird. Denn bei allzu großen Temperaturschwankungen zwischen drinnen und draußen kann sich in der Hülle der Bowdenzüge Kondenswasser bilden. Wird das Rad dann längere Zeit bei Minusgraden draußen abgestellt, gefriert das Kondenswasser, und die Bremse funktioniert nicht mehr. Der Tipp: Das Fahrrad sollte trocken, aber kühl geparkt werden.

Noch ein Hinweis in Sachen Wäsche: Auch Lichter, Reflektoren und Speichenstrahler können im Laufe des Jahres eine Schmutzschicht bekommen, die regelmäßig abgewischt werden sollte. Damit die Bremsbeläge Grip haben, sollten außerdem stark verschmutzte Felgenränder ab und zu gesäubert werden. Denn im Winter ist es umso wichtiger, dass die Bremse gut zieht.

„Scheibenbremsen haben im Winter einen Vorteil“, erklärt Koßmann. „Sie sind an der Nabe angebracht und bekommen daher keinen Schmutz vom Reifen ab.“ Doch auch die V-Brakes, die an der Felge greifen, reichen in der Regel aus. Wichtig ist grundsätzlich, dass die Bremsbeläge noch dick genug sind. „Wer beim Bremsen ein Geräusch hört, sollte sich neue Beläge besorgen“, rät Koßmann.

Luft ablassen: Über frisch gefallenen Schnee – sollte er denn noch kommen – kann man noch ohne Schwierigkeiten fahren. Auf nasser oder vereister Fahrbahn kommen Radler dann schnell ins Rutschen. Dies gilt besonders bei einer festgefahrenen Schneedecke. Um Unfälle zu vermeiden, empfiehlt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) nicht nur eine angemessene Fahrweise (siehe Info-Kasten). Eine Möglichkeit ist auch, das Rad mit Winterreifen auszustatten. Hersteller haben die Gummimischung dieser Reifen zum Beispiel mit Partikeln aus Siliziumkarbid besetzt, was die Lauffläche rauer macht.

Im Extremfall haben Winterfahrer auch die Möglichkeit, Spikes für vereiste Strecken zu nutzen. Die Metallstifte geben beim Fahren auf vereisten Flächen oder auf festgefahrenem Schnee Sicherheit. Am besten greifen die Spikes, wenn der Reifen mit dem Mindestdruck von 2,5 Bar aufgepumpt ist. Spikereifen sind im Straßenverkehr erlaubt, sagt ADFC-Rechtsexerte Roland Huhn. „Denn von einer Beschädigung der Straßendecke durch einen Radfahrer mit Spikereifen ist nicht auszugehen. Wer keine Winterreifen montieren möchte und auch auf Spikes lieber verzichtet, kann einen einfachen Trick anwenden: „Lassen Sie ein wenig Luft ab“, rät Koßmann. „Dann wird die Lauffläche – und damit die Traktion größer.“ Dabei sollte aber nie der an der Reifenflanke angegebene Minimaldruck unterschritten werden. Ganz wichtig: Beste Laufeigenschaften haben Alltagsreifen in der Regel bei einem Luftdruck, der nah des angegebenen Maximalwertes liegt.

Wann zum Profi? Bernd Skatikat, Inhaber des Nienstädter „Tretlagers“, beantwortet diese Frage so: „Wenn man sich die Wartung selber nicht mehr zutraut.“ Gerade bei der Lichtanlage würden Hobbyschrauber oft an ihre Grenzen kommen.

Info: Achtung, Sturzfallen!

Ob er sich auch im Winter in den Sattel schwingt? Das ist für Joachim Toemmler keine Frage. Der 66-Jährige radelt pro Woche zwischen 200 und 500 Kilometer und organisiert mehrtägige Radwanderungen, die er zum Beispiel mit seiner Gruppe „Mit Bahn, Plan und Elan Haste“ (MBPE) absolviert. Dabei beschränkt sich sein sportlicher Eifer eben nicht nur auf die sommerlichen Schönwettermonate.

Radfahren könne man im Winter genauso wie im Sommer, wenn man Ausrüstung und Fahrweise an die Witterung anpasst. „Ganz wichtig ist reflektierende Kleidung“, betont Toemmler. Schließlich müsse man in der dunklen Jahreszeit besonders darauf achten, im Straßenverkehr gut gesehen zu werden. Reflektoren an Jacke, Hose oder Helm seien ein absolutes Sicherheitsplus. Verzichtbar sind für ihn hingegen teure Outdoor-Jacken. Er verlasse sich lieber auf warme Kleidung und sein Regencape, sagt der 66-Jährige, das bei Bedarf schnell an- und auch wieder ausgezogen werden könne.

Zudem sollten Winterradler ihr Fahrverhalten verändern und lieber vorausschauend und langsamer unterwegs sein. „Laub ist meist noch gefährlicher als Schnee, weil man die Glätte auf einer laubbedeckten Straße oft unterschätzt“, erklärt der passionierte Fahrrad-Fan. Hingegen fahre man bei Eis und Schnee meist ganz automatisch langsamer und damit sicherer. Zu Sturzfallen zählen außerdem Gullydeckel und Bahnschienen.

Nicht nur Toemmler, sondern auch der ADFC empfiehlt ausdrücklich, im Winter schon tagsüber mit Licht zu fahren, um auf sich aufmerksam zu machen. Gut geeignet seien wartungsfreie Nabendynamos, LED-Frontscheinwerfer und ein LED-Rücklicht mit Standlicht.kcg



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