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Ein persönliches Protokoll

So habe ich mein gestohlenes Handy per GPS-Ortung zurückbekommen

Mit 250 km/h und Blaulicht auf der Überholspur, rote Ampeln werden überfahren und Verkehrsregeln ignoriert: Nein, es wird kein gefährlicher Verbrecher auf der Flucht verfolgt und ja, diese Geschichte ist tatsächlich wahr. Grund für den spektakulären Polizeieinsatz ist schlicht und einfach: mein Smartphone. Die ganze Geschichte beginnt morgens in Hannover am Hauptbahnhof. Fiebern und verfolgen Sie mit, wie ich die Jagd nach meinem gestohlenen Smartphone erlebe.

veröffentlicht am 29.06.2017 um 20:53 Uhr
aktualisiert am 30.06.2017 um 12:16 Uhr

Auf der Jagd nach dem gestohlenen Smartphone: Maibritt Bartling und Jan-Philipp Hullmann im Streifenwagen. Foto: mb
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Autor

Maibritt Bartling Reporterin
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5.44: Hannover Innenstadt: Nach einer durchfeierten Nacht in Hannover verlassen wir zu Acht den Club und machen uns auf den Weg zum Hauptbahnhof, um von dort mit unseren Niedersachsentickets zurückzufahren. Zu dem Zeitpunkt habe ich mein Smartphone noch bei mir.


5.57: Hannover HbF: Wir kommen am Hauptbahnhof an. Der nächste Zug fährt um 6.55 Uhr – so lange müssen wir uns noch die Zeit vertreiben. Wir setzen uns also an das Gleis und warten dort.


6.30: HbF: Bevor der Zug kommt, gehen wir zu McDonalds, der sich nur ein paar Meter vom Gleis entfernt befindet. Mein Smartphone stecke ich mir in die hintere Tasche meiner Jeans. Auf dem Rückweg zum Gleis bemerke ich dann: Es ist weg! Auch nach Absuchen des zurückgelegten Weges, der Toilettenkabine und aller Hosen- und Jackentaschen ist es nicht auffindbar. Zurück am Gleis suchen wir auch dort noch einmal alles ab. Dann wird mir klar, das Smartphone habe ich nicht irgendwo liegen gelassen – es wurde gestohlen.

Foto: mb
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6.50: HbF: Der Zug kommt und damit die Idee: Wie müssen das iPhone orten! Alle anderen fahren mit dem Zug nach Hause. Nur mein Freund und ich bleiben und können mit seinem iPhone über die „iPhone-Suchen“-Funktion von Apple den Standort relativ genau bestimmen. Zuerst muss ich mich mit meiner E-Mail-Adresse und Passwort, der sogenannten Apple-ID, anmelden. Dann fängt das System an zu arbeiten. Es sucht und sucht … auf einmal bekommen wir ein Signal. Der blaue Punkt, mit dem das gestohlene iPhone angezeigt wird, bewegt sich irgendwo außerhalb des Bahnhofsgebäudes. Ohne zu überlegen, fangen wir an zu rennen. Wir kommen auf die Idee, uns Unterstützung zu holen und fragen bei der Polizeistation direkt neben dem Bahnhof nach. Der Mann erklärt uns allerdings, dass er nicht helfen kann. Also suchen wir vorerst alleine weiter.


7.02: HbF Hinterausgang: Wir stehen vermeintlich an der Stelle, an der sich auch das gestohlene iPhone befinden soll, doch wir können nichts tun. Der Punkt bewegt sich vorerst nicht und uns wird klar, dass wir mit dem Ortungssystem alleine nicht weiterkommen: Wir rufen die 110 an. Am Telefon erklären wir kurz, was vorgefallen ist und ein Einsatzwagen wird losgeschickt. In der Zwischenzeit macht der Ortungspunkt einen Sprung von etwa fünf bis zehn Kilometern.


7.10: HbF Hinterausgang: Zwei Polizisten treffen ein. Wir erklären ihnen die Lage und es wird nicht lange gezögert: „Die holen wir ein!“, sagen sie und ein paar Sekunden später befinden wir uns im Polizeiwagen. Die Polizisten fahren dem georteten Punkt hinterher.


7.15: Im Polizeiwagen Richtung Braunschweig: Mit Blaulicht sind die Geschwindigkeitsbegrenzungen nun nicht mehr relevant. Rote Ampeln werden überfahren, auf der Autobahn gehört die Überholspur uns: Die Polizisten zeigen vollen Einsatz, um dem Dieb auf die Schliche zu kommen!


7.22: im Polizeiwagen: Wir verlieren das Ortungssignal, aber geben nicht auf. „Wir fahren erst mal weiter in Richtung des letzten Ortungspunktes und sehen dann weiter“, lautet die Ansage der Polizisten. Wir sind alle noch nicht bereit, die Suche aufzugeben und den Dieb samt Smartphone ziehen zu lassen.


7.30: Im Polizeiwagen: Ein Hoffnungsschimmer; das Signal ist wieder da und der Punkt bleibt diesmal beständig. Möglicherweise wohnt dort der Dieb oder die Diebin. Mit Motivation, Hoffnung und viel Adrenalin im Blut kommen wir dem blau leuchtenden Ortungspunkt immer näher.


7.35: Ein kleiner Ort: Ankunft am Ortungspunkt. Es ist eine Sackgasse in einem kleinen Ort zwischen Hannover und Braunschweig. Kaum Häuser in der Nähe, um uns herum befindet sich nur sehr hoher Rasen. Es regnet. Wir vermuten, dass es jemand aus Angst weggeworfen haben könnte. Die Polizei beginnt sofort zu suchen und erklärt, dass man über das Ortungssystem einen Ton auf dem iPhone abspielen kann. Gerade als wir das versuchen wollen, verschwindet das Signal und ein neuer Ortungspunkt, etwa zehn Kilometer weiter, wird uns angezeigt. Jetzt wird uns klar: Das Handy befindet sich in einem Zug. Also muss es auch irgendwann, irgendwo ankommen. „Wir sind nicht so weit gefahren, um jetzt aufzugeben!“, heißt es. Also zögern wir nicht: Hinterher!


7.40: Im Polizeiwagen: Wir verfolgen das Smartphone weiterhin. Dann bewegt sich der Punkt nicht weiter. Er findet Ruhe am Braunschweiger Hauptbahnhof, mitten auf den Gleisen. Vermutlich in einem stehenden Zug.


8.15: HbF Braunschweig: Ankunft am Hauptbahnhof in Braunschweig. Der Ortungspunkt befindet sich an Gleis 5. Wir rennen also los und der Polizist ruft: „Los! Mach’s wie im Actionfilm!“ Wir durchsuchen das Gleis und den Zug. Mein Freund beginnt sogar, die Mülleimer zu durchwühlen: alles, um das Smartphone zu finden. Wir spielen immer wieder den Ton über das Ortungssystem ab, in der Hoffnung, es irgendwo piepen zu hören. Dann der Schock: Der Akku des gestohlenen Handys ist leer, das Signal versiegt, der Zug fährt weg. Die Verfolgungsjagd nimmt zunächst ein nüchternes Ende.


9.00: Im Polizeiwagen: Die Enttäuschung über das gestohlene Handy und den aufwendigen Einsatz ohne Erfolg ist groß. Die Polizei bringt uns zurück zum Hauptbahnhof nach Hannover. Auf dem Weg melden wir das iPhone über das Ortungssystem als verloren und geben die Nummer meines Freundes an. Sollte es also wieder angemacht werden, ist auf dem Display zu lesen: „Dieses iPhone wurde als verloren gemeldet. Bitte rufen sie hier an: xxxxxxx.“


9.45: Hannover HbF: Unsere vorher bezahlten Tickets sind leider wertlos und trotz großzügigem Einsatz der Polizisten am Bahnhofsschalter bekommen wir sie nicht erstattet. Nachdem wir neue Tickets gekauft haben, fahren wir zurück nach Hameln. Zu Hause versuchen wir weiter über mein Macbook, das iPhone zu orten, doch der letzte Punkt bleibt der Braunschweiger HbF. Das Smartphone habe ich nicht zurück, aber eins ist klar: Wir haben alles gegeben!


19.34: Hameln: Ich bekomme ein Signal: Das Handy konnte kurz geortet werden, wurde dann aber sofort ausgeschaltet. Der letzte Standort ist in Salzgitter. Einen Screenshot der Karte schicke ich direkt an die Polizei, jedoch kann ich weiter nichts tun. Das iPhone ist wieder offline und könnte bereits woanders sein.


8.00: Nächster Morgen in Hameln: Wir werden von einem Klingeln geweckt. Es ist das iPhone von meinem Freund. Das Rathaus in Salzgitter ist am Telefon: „Hier wurde ein Handy abgegeben. Auf dem Display stand Ihre Nummer.“ Es ist mein iPhone! Jemand hat es gefunden und im Fundbüro abgegeben.


9.30: Hameln: Ich mache mich auf den Weg nach Salzgitter. Vorher sage ich ein paar Leuten Bescheid, wo ich bin und wann ich wiederkomme, denn ich kann mich zwischendurch ja nicht melden.


11.00: Salzgitter, Innenstadt: Ankunft in Salzgitter. Alleine und ohne Smartphone unterwegs zu sein, ist ein komisches und ungewohntes Gefühl. Mein Auto parke ich in einer Nebenstraße und notiere den Straßennamen mit einem Bleistift auf einem Notizzettel. So habe ich das noch nie gemacht. Im Rathaus bekomme ich direkt mein iPhone, die Frau gibt mir einen Zettel, auf dem ein Name und eine Handynummer stehen. Der Herr, der das Handy in der Stadt gefunden hat, möchte gerne von mir angerufen werden.


11.15: In meinem Auto: Zuerst melde ich mich bei der Polizei, um Bescheid zu sagen, was passiert ist und dass mein Handy wieder da ist. Sie rät mir, bei dem Herrn anzurufen und alles, was er sagt, aufzuschreiben. Danach möchte die Polizei ebenfalls mit ihm sprechen. Ich fahre mit meinem iPhone in der Tasche zurück nach Hameln.

Hier endet die Geschichte. Der Finder hat mein Smartphone am Sonntagabend mitten in der Innenstadt von Salzgitter auf einer Bank gefunden. Er hat es im Fundbüro abgegeben und wollte sich erkundigen, ob es bei mir angekommen ist. Das ist es! Leider wird man wohl nie erfahren, was genau meinem iPhone auf der Reise passiert ist. Ob der Dieb oder die Diebin es schon im Zug liegen gelassen, es sogar zuerst mit nach Hause genommen oder selber auf die Bank gelegt hat? Fakt ist, dass wir ohne Ortungssystem und die Möglichkeit, ein iPhone als verloren zu melden, wohl schon morgens am hannoverschen Hauptbahnhof hätten aufgeben müssen. Ein großer Dank gilt vor allem der Polizei Hannover für ihren Einsatz und meinem Freund, weil er ohne zu zögern alles gegeben hat, um mit mir das gestohlene Smartphone zu finden.



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