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Nordmanntanne oder Fichte?

So finden Sie den richtigen Weihnachtsbaum

Kaum steht der Weihnachtsbaum drinnen, lässt er die Äste hängen und fängt an zu nadeln. Wie ärgerlich! Doch wie erkennt man, ob ein Baum frisch geschnitten ist und lange hält? Ein guter Hinweis ist eine weiße und nasse Schnittstelle. Die Nadeln sollten glänzen und beim leichten Schütteln nicht abfallen, erläutert die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) in Bonn. Hier die wichtigsten Punkte für einen perfekten Baum, ergänzt um einige historische und kuriose Aspekte.

veröffentlicht am 10.12.2018 um 15:00 Uhr
aktualisiert am 10.12.2018 um 18:50 Uhr

Foto: Pixabay

Autor:

Simone Andrea Mayer und Sönke Möhl

Aufstellen: Am Tag vor dem Schmücken sägt man den Weihnachtsbaum erst an – die frische Schnittstelle kann besser Wasser aufnehmen. Der Baum kommt nun in den Ständer, und das Netz wird entfernt. So kann der Baum bis zum Folgetag seine Äste wieder zurück in die Ausgangsposition bringen, was das Schmücken erleichtert. Tipp: Das Netz von unten nach oben aufschneiden.

Gießen: Den Wasserbedarf sollte man nicht unterschätzen: Ein Baum mit Zimmerhöhe braucht laut der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald rund zwei Liter Wasser jeden Tag. Ein besonderer Tipp für mehr Feuchtigkeit für den Baum haben die Experten außerdem: die Nadeln immer mal wieder mit einem Wassernebel besprühen. Auch ein Esslöffel Zucker im Wasser kann laut den Erfahrungen der Schutzgemeinschaft helfen, den Baum länger frisch zu halten. Andere Experten gehen davon aus, dass sowohl Zucker wie auch Frischhaltemittel nichts bringen, aber sie sind eben auch nicht schädlich für den Baum

Lagern: Der Baum sollte bis zum Fest an einem schattigen Fleck im Freien oder in einem Raum mit höchstens zehn Grad gelagert werden. Er steht in einem Eimer Wasser. Das Netz ist am besten noch dran, da der Weihnachtsbaum so weniger Wasser über seine Nadeln verdunstet. Hat man nur sonnige Stellen im Garten zur Verfügung, sollte der Baum mit einem Laken abgedeckt werden.

Lieblingsbaum: Die Nordmanntanne ist mit großem Abstand der beliebteste Weihnachtsbaum in Deutschland – er hat einen Marktanteil von rund 80 Prozent. Aber diese Baumart ist auch die teuerste, denn die Nordmanntanne wächst am langsamsten, so die SDW.

Für einen Meter Nordmanntanne müssen Kunden zwischen 18 und 23 Euro zahlen, wie Martin Rometsch vom Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger sagte. Erkennbar sei ein Trend zur Regionalität. Viele Menschen kaufen ihren Weihnachtsbaum demnach am liebsten direkt beim Erzeuger und nehmen ihn frisch abgesägt mit.

Es gibt aber Alternativen zur Nordmanntanne: Die Blaufichte, im Handel oft fälschlicherweise Edeltanne genannt, trägt aufgrund ihres robusten Aufbaus besonders gut schweren Baumschmuck und echte Kerzen. Und ihre Nadeln duften, die der Nordmanntanne nicht. Das gilt auch für die echte Edeltanne mit ihren blaugrünen Nadeln - ihr Duft erinnert an Orangen. Dazu ist sie haltbarer als die Nordmanntanne. Die Fichte gilt als der preiswerteste Baum, sie ist allerdings auch weniger lange haltbar. Sie ist etwas für alle, die nur für wenige Tage einen Baum zu Hause benötigen.

„Der zweite und dritte Advent sind die umsatzstärksten Wochenenden“, sagte Rometsch. Das komme den Interessen vieler Erzeuger entgegen. Sie wollten nicht, dass geschlagene Bäumchen unverkauft blieben. „Jeder an Heiligabend nicht verkaufte Baum ist ein verlorener Baum, der zehn Jahre lang gepflegt wurde und seinen Preis hat.“ Bundesweit werden jedes Jahr geschätzt 23 bis 25 Millionen Weihnachtsbäume verkauft. Die lange Trockenheit in Deutschland hat nach Einschätzung von Rometsch bundesweit etwa 30 Prozent des jüngsten Weihnachtsbaumjahrgangs vernichtet. Regional sei das aber sehr unterschiedlich und müsse nicht zwangsläufig zu Knappheit und hohen Preisen führen. Die Erzeuger könnten reagieren und den Verlust ausgleichen. Nordmanntannen, die schon angewachsen waren, haben die Dürre demnach wegen ihrer tief in den Boden reichenden Pfahlwurzel ganz gut überstanden.

Ökologische Produktion:Die Bäume in vielen Plantagen werden stark mit Pflanzenschutzmitteln behandelt, um den Ertrag zu steigern. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) empfiehlt den Kauf von Weihnachtsbäumen aus ökologisch bewirtschafteten Kulturen, die eine Zertifizierung durch FSC, Naturland oder Bioland geschafft haben. Die Aktionsgemeinschaft Robin Wood ergänzt die Liste um das Label von Biokreis und das Bio-Siegel der Europäischen Union. Hier kommen keine Pestizide und Mineraldünger zum Einsatz. Solche Weihnachtsbäume sind aber noch schwer zu finden. Unter robinwood.de gibt es eine Liste von bundesweit rund 460 Händlern. Teurer sind diese Öko-Weihnachtsbäume laut den Recherchen der Umweltschützer meist nicht.

Eine Alternative für den Nabu sind heimische Baumarten wie Fichte, Kiefer oder Tanne, die auf Sonderflächen unter Strom- oder auf Leitungstrassen wachsen. Diese Flächen werden von regionalen Forstbetrieben bewirtschaftet, Informationen dazu haben die Förster vor Ort. Mancherorts gibt es Angebote, Bäume im Wald selbst zu schlagen. Der Nabu rät zudem, regional kultivierte Bäume zu wählen – also jene, die ohne große Fahrtwege zum Verkaufsort kommen.

Platz: Ungeeignet ist ein Standort direkt neben einer Heizung oder einem Ofen, da die Wärme oder trockene Luft den Baum eher austrocknet. Bei einer Fußbodenheizung ist das allerdings schwierig. Hier muss der Baum besonders gut mit Feuchtigkeit versorgt werden.

Seilzug-Ständer: Christbaumständer mit Seilzug sind einfacher zu bedienen - und auch sicherer als herkömmliche Modelle. Der Baum wird in solchen Ständern etwa über einen Fußhebel in ein Drahtseil mit Klemmen gespannt, erklärt Wilhelm Sonntag, Experte für Produktprüfung beim TÜV Rheinland. Der Baum kippe dann nicht so leicht um, wenn etwa Kinder an ihm ziehen. Wer seinen alten Baumständer mit Schraubtechnik weiterhin verwenden will, sollte sich Hilfe besorgen, rät der TÜV. Jemand sollte den Baum beim Einsetzen in den Ständer halten und beim Justieren der Flügelschrauben helfen. Alternativ kann der Verkäufer des Weihnachtsbaums direkt im Handel schon beim Befestigen helfen.

Der größte Christbaum: Der laut Guinness-Buch der Rekorde größte Weihnachtsbaum der Welt überragte selbst so manches Hochhaus: angeblich 67,36 Meter. Er stand 1950 in Seattle (USA). In Deutschland brüstet sich Dortmund mit dem vermeintlich größten Weihnachtsbaum der Welt. Der 45 Meter große „Baum“ ist jedoch ein Konstrukt aus 1700 einzelnen Rotfichten.

Wer hat den schönsten? In Italien zanken sich Mailand und Rom seit Jahren, wer den schöneren Weihnachtsbaum hat. Der Hauptstadtbaum stand nun zwei Jahre in Folge wegen seines Aussehens in der Kritik. Der gebürtige Mailänder und jetzige Innenminister Matteo Salvini hat 2017 angeboten, Rom dieses Jahr einen zu schenken. Seine Partei propagiert unter anderem die Überlegenheit des Nordens gegenüber dem Süden.

Das große Werfen – höher, besser, weiter: Die Teilnehmer der WM im Weihnachtsbaumwerfen in Rheinland-Pfalz müssen eine Fichte wie einen Speer werfen, wie einen Hammer schleudern und über eine Latte für Hochsprung stoßen. Die Einzelwerte werden addiert. Der Sieg konnte vergangenes Mal mit einer Gesamtweite von 22,47 (Männer) und 14,38 Metern (Frauen) erlangt werden.



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