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Universität Göttingen untersucht Jahrhunderte alte Knochenfunde aus Eldagsen

Skelette ein Fall für die Forscher

Jahrhundertelang ruhten sie im Boden rund um die St.-Alexandri-Kirche im Herzen von Eldagsen. Nun werden sie an der Universität Göttingen untersucht. Doch bis die gut 300 bei der Marktplatz-Sanierung gefundenen Skelette wieder in die Heimat zurückkehren, kann es lange dauern – einige Jahre sogar.

veröffentlicht am 29.01.2014 um 00:00 Uhr

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Grund ist eine Vereinbarung, die das Institut für Zoologie und Anthropologie der Universität Göttingen mit dem Landesamt für Denkmalpflege und der zuständigen Archäologie-Firma geschlossen hat: „Wir untersuchen die Knochen kostenlos und können sie dafür so lange hierbehalten, wie wir sie brauchen“, erklärt die zuständige Skelett-Expertin Dr. Birgit Grosskopf.

Biologie-Studenten mit dem Schwerpunkt Anthropologie – das ist die Lehre des Menschen – befassen sich im Rahmen ihrer Studienarbeiten mit den Eldagser Funden. In einem Fall sollen sie sogar Teil einer Doktorarbeit werden. Das Problem: Die Arbeiten gehen nur sehr langsam voran, wie Grosskopf sagt. Denn nur 60 von den Archäologen als besonders interessant bewertete Skelette erreichten die Göttinger Forscher intakt. Die übrigen Knochen waren bereits an der St.-Alexandri-Kirche wieder bestattet worden – und zwar wild durcheinander. Auf Wunsch der Universität Göttingen wurden sie danach erneut exhumiert. Doch spätestens nach dem Transport nach Göttingen waren die Skelette vermischt. Und müssen nun an der Universität getrennt und wieder zugeordnet werden. In den vergangenen Monaten sei das erst mit 25 der Fundstücke gelungen, sagt Grosskopf: „Wir haben erst einen kleinen Teil gereinigt und bearbeitet.“

Das ist durchaus mühsam: Um die Knochenoberfläche im Detail untersuchen zu können, müssen die Forscher sie mit Zahnbürste und fließendem Wasser vorsichtig säubern. Dass das Institut parallel einen Umzug stemmen musste, habe für weitere Verzögerungen gesorgt, erzählen die Experten.

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… haben schon im letzten Jahr für Aufsehen gesorgt. Am Ende sollen sie in einer Ausstellung gezeigt werden.

Ziel der Untersuchungen ist es für die Forscher, bestimmte Veränderungen an den Skeletten zu ermitteln: „Wir schauen: Gibt es Auffälligkeiten an den Kniegelenken, an den Schultergelenken?“, sagt Grosskopf. So könne man beispielsweise feststellen, ob die Toten zu Lebzeiten starken körperlichen Belastungen ausgesetzt gewesen seien. Auch Unterschiede zwischen den dort bestatteten verschiedenen Generationen wollen die Studenten im Blick haben. Erschwert werde das allerdings bislang durch fehlende Angaben dazu, welches Skelett wo und in welcher Tiefe gelegen habe.

Bei der Stadt Eldagsen wartet man unterdessen auf die Schlussrechnung der Baufirma, um genau sagen zu können, wie hoch die Kosten für die Marktplatzsanierung genau ausfallen. Zuletzt war man von 176 000 Euro Mehrkosten ausgegangen: „Da waren aber alle Verzögerungen und Zusatzarbeiten wegen der Skelettfunde schon eingerechnet“, sagt die zuständige Stadtplanerin Susan Demelius. Im neuen Jahr soll die Lokalpolitik außerdem eine Gesamt-Übersicht zum Großprojekt „Stadtsanierung Eldagsen“ bekommen: Darin sollen alle Ausgaben für öffentliche Baumaßnahmen, alle Förderungen privater Gebäude sowie die verbliebenen Mittel genau aufgeschlüsselt werden. Außerdem plant die Verwaltung im neuen Jahr weitere Gespräche mit dem Landesamt und der Grabungsfirma wegen einer Ausstellung: Die zahlreichen Funde rund um die St.-Alexandri-Kirche – neben den Knochen handelt es sich bei den Fundstücken zum Beispiel auch um Schmuck – sollen möglichst in Eldagsen präsentiert werden: „Es sei denn, wir bekommen da räumliche Probleme“, sagt Projektbetreuerin Sabine Hehne.

Als die Bagger anrückten, um den Marktplatz von

Eldagsen zu sanieren, fand man 300 Skelette im Erdboden. Archäologen legten einen ganzen Friedhof frei. Nun sind die Knochen ein Fall für die Wissenschaftler an der Uni Göttingen.



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