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Großes Wirken im Schatten der Männer – und von Geschichtsbüchern meist übersehen / Teil 1

Sieben starke Frauen

Anna von Klencke rettete Schloss Hämelschenburg vor der Plünderung und Zerstörung durch die Armeen von Feldherr Tilly. Prinzessin Emma zu Waldeck-Pyrmont wurde als Königin der Niederlande zur Wegbereiterin einer modernen Monarchie. Glückel Hameln war nicht nur erfolgreiche

veröffentlicht am 15.10.2013 um 00:00 Uhr

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Geschäftsfrau, sondern hinterließ als erste deutsche Frau eine ausführliche Autobiografie. Herzogin Philippine Charlotte von Braunschweig-Wolfenbüttel gründete den Vorläufer der heutigen Technischen Universität Braunschweig und ist in einem Fürstenberger Porzellan verewigt. Königin Elisabeth Christine von Preußen aus Bevern kümmerte sich mit großem Einsatz um Bedürftige und Arme. Königin Marie von Hannover war auf Schloss Marienburg und im Exil eine große Mäzenin der Kunst. Und Juliane von Hessen-Philippsthal reformierte die Landwirtschaft und das Gesundheitswesen in Bückeburg. Die starken Frauen der „Sieben Schlösser und Hamelns“ – so werden die Häuser und Orte inzwischen gemeinsam touristisch präsentiert – haben zu Lebzeiten zahllose Dinge bewirkt, die bis in die heutige Zeit hineinstrahlen – und werden dennoch oft von der Geschichtsschreibung übersehen.

Anna von Klencke, geb. von Holle (1567-1630) – Eine einzelne Frau gegen Tillys Armeen: Sie war 20 Jahre alt, als sie den Herrn von Hämelschenburg, Georg von Klencke, heiratete. Anna von Holle, geboren 1567, wuchs als Halbwaise bei ihrem Onkel Eberhard von Holle, dem Bischof von Lübeck und Verden auf. Er liebte sie innig und ließ ihr nicht nur eine christliche, sondern auch eine fundierte humanistische Bildung zuteil werden.

Nach der Hochzeit begann das junge Paar mit dem Bau des Schlosses Hämelschenburg. Als ihr Mann 1599 zum Stadthalter von Blankenburg im Harz ernannt wurde, oblag Anna von Klencke die Fortführung der Bautätigkeiten. Unter ihrer Ägide wurde dem Schloss ein Gericht, eine Bibliothek, zwei Wirtschaftshöfe, ein Lustgarten sowie eine Befestigungsanlage hinzugefügt. Anna von Klencke brachte vierzehn Kinder zur Welt. Zwölf von ihnen waren noch unmündig, als Georg von Klencke 1609 starb.

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Seine Witwe musste sich fortan nicht nur um die Erziehung und das Wohlbefinden ihrer Kinder kümmern und sogar mithilfe des Kaisers einen ihrer Söhne aus den Fängen der römischen Inquisition befreien, sondern auch die Bauarbeiten am Schloss fertigstellen und den großen Betrieb verwalten.

Als 1623, während des 30-jährigen Krieges, die Armeen des Feldherrn Tilly zu Plünderungen anrückten, setzte Anna von Klencke sich kurz entschlossen aufs Pferd und ritt Tilly entgegen. Auf keinen Fall würde sie sich das unter vielen Entbehrungen Aufgebaute zerstören und plündern lassen. Wie es ihr tatsächlich gelang, weiß man nicht, doch Anna von Klencke schaffte das Unmögliche: ein Schutzvertrag, den sie mit Tilly aushandelte, verbot es seinen Soldaten unter Androhung der Todesstrafe, das Schloss und die Ländereien zu betreten.

Königin Emma der Niederlande, geb. Prinzessin zu Waldeck-Pyrmont (1858-1934) – Wegbereiterin einer modernen Monarchie: Zur ersten Begegnung der Ururgroßeltern des heutigen niederländischen Königs Willem-Alexander auf Schloss Pyrmont ist überliefert, dass eine der beiden Schwestern Emmas gesagt haben soll: „Der ist mir zu alt, den will ich nicht.“ Doch Emma selbst soll gesagt haben: „Man kann den armen Mann doch nicht ganz alleine nach Hause gehen lassen!“ Und so kam es, dass die erst 20-jährige Emma zu Waldeck und Pyrmont 1879 den 61-jährigen, verwitweten niederländischen König Willem III. heiratete.

Der niederländische Graf Dumonceau bezeichnete die Familie Emmas als „die sympathischste fürstliche Familie, die man je gesehen hat.“ Die junge Frau folgte ihrem Mann in das Königreich der Niederlande. 1880 gebar sie eine Tochter, Wilhelmina, die ihrem Vater auf dem Thron folgen sollte, nachdem ihre drei Halbbrüder noch zu Lebzeiten ihres Vaters starben. Als Willem III. 1890 im Alter von 73 Jahren schwer erkrankte, übernahm Königin Emma während seiner letzten Lebenstage die Regentschaft. Zehn Jahre lang, bis zur Volljährigkeit der Kronprinzessin Wilhelmina, führte Königin Emma die Regierungsgeschäfte der Niederlande. Eine Verfassungsreform hatte die Macht des Königshauses bereits zu Willems Lebzeiten eingeschränkt. Anders als ihr verstorbener Gatte stand Königin Emma jedoch der konstitutionellen Monarchie aufgeschlossen gegenüber. So förderte sie die Bestrebungen, dem Parlament mehr Macht einzuräumen und die Monarchie zu erneuern.

Herzogin Philippine Charlotte von Braunschweig-Wolfenbüttel, geb. Prinzessin von

Preußen (1716-1801) – Königstochter und Universitätsgründerin: Prinzessin Philippine Charlotte, Tochter des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. und Lieblingsschwester des Alten Fritz wurde in Potsdam einer harten preußischen Erziehung unterzogen. Einen Ausgleich fand das lebenslustige Mädchen in ihrem Glauben und in der Kunst. Mit vierzehn Jahren verlobte sie sich und heiratete 1733 den Prinzen Carl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern. Nur zwei Jahre später wurde ihr Mann mit gerade einmal 22 Jahren regierender Herzog. Lottine, wie die Prinzessin genannt wurde, bekam dreizehn Kinder, doch vier von ihnen starben schon früh – ein Verlust, den Lottine nur schwer verwand. Sie widmete sich zeitlebens den Künsten.

Als sie den protestantischen Theologen Johann Friedrich Wilhelm Jerusalem im Jahr 1744 kennenlernte, inspirierte sie diese Begegnung zu der Gründung eines neuen, selbstständigen Bildungsinstitutes. Nur ein Jahr später wurde mit ihrer Hilfe das Collegium Carolinum eröffnet, das schließlich zur heutigen Technischen Universität Braunschweig wurde. Das Collegium und die dahin berufenen Lehrenden trugen dazu bei, dass das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel eine Zeit lang zu einem intellektuellen Zentrum der Aufklärung in Deutschland wurde. Der Weserdistrict, der heutige Landkreis Holzminden, war zu Lottines Zeit ein sehr strukturschwacher Raum. Ihr Gemahl gründete deshalb 1747 die Porzellanmanufaktur Fürstenberg. Das blaue Blumendekor, das die Herzogin allen anderen vorgezogen haben soll, trägt bis heute ihren Namen (Lottine).

Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern, geb. von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern (1715-1797) – Königin von Preußen: Er wird bis heute gefeiert und verehrt, der „Alte Fritz“ – seine Frau hingegen, die Königin von Preußen, übersieht die Öffentlichkeit genauso, wie es damals schon ihr Gatte häufig tat. Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern war kein leichtes Los beschieden. Aufgewachsen in sehr harmonischen Familienverhältnissen unter anderem auf Schloss Bevern, kannte sie es gar nicht anders, als dass sie genauso behandelt wurde wie ihre beiden Brüder Carl und Anton Ulrich. Doch dann wurde sie mit 17 Jahren auf Wunsch des preußischen Königs Friedrich Wilhelms I. mit seinem Sohn Friedrich vermählt. Friedrich, der so klug, so musisch hochbegabt und interessiert war, war zugleich durch die militärisch-preußische Erziehung seines tyrannischen Vaters stark geprägt. Mit der auferzwungenen, ungeliebten Ehefrau konnte er wenig anfangen. Am preußischen Hof hatte sie einen schweren Stand, sogar der persönliche Kontakt zu ihrer eigenen Familie wurde ihr durch Friedrich untersagt. Einzig Briefe durfte sie ihnen schreiben. Die Ehe der beiden blieb kinderlos.

Die Königin wandte sich den Künsten zu. In der ihr zugewiesenen Sommerresidenz Schloss Schönhausen trug sie eine beachtliche Bibliothek zusammen. Sie verfasste einige Schriften in französischer Sprache, übersetzte, malte und widmete sich der Musik. Doch was ihr ein Gedenken über ihren Tod hinaus sicherte, war ihre Arbeit für Bedürftige und für wohltätige Zwecke. Ihr Gatte schien dies immerhin zu würdigen, als er seinen Leibarzt einmal zu ihr beorderte mit den Worten, dass es sich bei Elisabeth Christine um „die teuerste und notwendigste Person für den Staat, für die Armen und für mich“ handele. Dennoch ließ er sie einzig zeremonielle Pflichten in der Öffentlichkeit wahrnehmen und schloss sie ansonsten vom preußischen Hofe aus. König Friedrich Wilhelm II pflegte später ein enges Verhältnis zu ihr.

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Auch wenn viele Geschichtsbücher sie bis heute verschweigen – ohne sie stünde heute kein Stein mehr auf dem anderen, die Kunst hätte nicht den Stellenwert, den sie hat, und die Familien hätten die Zeiten ohne sie nicht überdauert: sieben starke Frauen des Leine- und Weserberglandes.

Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern lebte unter anderem auf Schloss Bevern.

Unten: Prinzessin zu Waldeck-Pyrmont trauf im Schloss Pyrmont den niederländischen König.

Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg/Museum Bad Pyrmont

Erbaute und rettete Schloss Hämelschenburg: Anna von Klencke.

Schloss Hämelschenburg

Ist in einem Fürstenberger Porzellan verewigt: Herzogin Philippine Charlotte von Braunchweig-Wolfenbüttel. Rechts: Schloss Fürstenberg.

Braunschw. Landes- museum



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