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Junge Künstler auf dem Weg zur professionellen Ausbildung

Sie können ohne Musik nicht leben

Sie zählen zu den Hochbegabten und spielen auf Wettbewerben; sie üben täglich, spielen nicht selten mehrere Instrumente und haben meist keine anderen Hobbys. Und fast alle haben ein klares Ziel – sie wollen die Musik später einmal professionell betreiben, zumindest als Musikpädagogen, in einzelnen Fällen wird auch eine Karriere nur mit der Musik angestrebt.

veröffentlicht am 28.06.2016 um 12:53 Uhr
aktualisiert am 28.06.2016 um 15:46 Uhr

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Autor:

Wolfhard F. Truchseß

Sina Günther aus Bad Münder zum Beispiel bereitet sich in diesem Jahr darauf vor, eine Ausbildung als Sopranistin an einer Musikhochschule zu beginnen. „Ich habe schon gesungen, bevor ich sprechen konnte“, habe ihre Mutter ihr erzählt. Schon in der Grundschule sei ihre Stimme aufgefallen und sie sehr gefördert worden. „Ich habe früh im Chor gesungen und mir zu Hause selbst Stücke herausgesucht und mit zehn oder elf Jahren bereits Gesangsunterricht an der Jugendmusikschule in Bad Münder gehabt.“ Von ihrer Lehrerin sei sie gleich auf Klassik „getrimmt“ worden, erzählt sie. „Ich fand das total cool.“ Mit 13 Jahren schaffte sie den Sprung in den renommierten Mädchenchor Hannover, erhielt Stimmbildung und Einzelunterricht. Daneben habe sie noch Klavierunterricht genommen und eine Zeit lang auch Querflöte gespielt. „Aber drei Instrumente sind zu viel.“ Drei Instrumente? „Ja, meine Stimme ist auch ein Instrument.“ Musik habe für sie „oberste Priorität – sie ist mein Hobby“, erklärt die 18-Jährige, deren Vorbild Anna Netrebko ist. Die habe es geschafft, Klassik unter die Leute zu bringen. „So wie Anna Netrebko auf den großen Bühnen singt, will ich das auch einmal.“

Etwas später als Sina Günther hat Jan-Lukas Willms mit der Klarinette begonnen. Als Elfjähriger habe er an der Jugendmusikschule in Hameln einen sehr motivierenden Lehrer gehabt und bereits mit etwa 13 Jahren mit der Studienvorbereitenden Ausbildung (SVA) begonnen, für die man eine spezielle Aufnahmeprüfung bestehen muss und zu der unter anderem auch Harmonielehre, Gehörbildung, Musiklehre und das Spielen eines zweiten Instruments gehören. Willms hat bereits den Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ gewonnen, spielte im Schulorchester des Viktoria-Luise-Gymnasiums in Hameln und fährt inzwischen oft nach Detmold zu einer Lehrerin. Sein Ziel: Die Ausbildung zum Musiklehrer; die erste Aufnahmeprüfung in Hamburg hat er bereits bestanden. Hobbys neben der Musik? Fehlanzeige.

Einen anderen Weg will Linda Nissel aus Coppenbrügge gehen. Die ebenfalls 18-Jährige spielt zwar auch schon seit Jahren Klavier und tritt seit zwei Jahren gemeinsam mit Jan-Lukas Willms und Sina Günther mit Kammermusik auf, aber der Sport habe bei ihr immer gleichwertig neben der Musik gestanden. „Ich habe ganz viel ausprobiert und hatte beim Klavierunterricht auch ganz viele Tiefen, bei denen ich immer mal wieder aufhören wollte.“ Linda Nissel will denn auch nicht ins Musikfach einsteigen und stattdessen Forstwissenschaft studieren.

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  • Selbst mit Gips am linken Arm setzt sich Bastian Maas ans Klavier – die rechte Hand tut‘s auch. Foto: wft
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  • Jan-Lukas Willms, Linda Nissel (Klavier) und Sina Günther treten seit zwei Jahren gemeinsam mit Kammermusik auf. Foto: wft

Einen ganz anderen Weg ist der 15-jährige Bastian Maas gegangen. Am Anfang seiner noch jungen Karriere stand ein Schlagzeug im Keller eines Kunden seines Vaters. Der Eigentümer erkannte die Begabung des damals Neunjährigen und der Vater besorgte umgehend die entsprechende Ausstattung. Als ein paar Jahre später ein Klavier im Haus stand, ging Bastian nicht etwa zu einem Klavierlehrer, sondern brachte sich alles selbst mithilfe von Internet-Kursen bei. Das sensationelle Ergebnis: Nach nur wenige Monaten bestand er die Prüfung zur SVA bei der Jugendmusikschule, ohne jemals einen Klavierlehrer gesehen zu haben. Auch im Vikilu fiel seine Begabung auf: Als eine Flügelsoirée vorbereitet wurde, war im Aufbauteam und klimperte auf den Tasten, was die anwesende Musiklehrerin veranlasste, ihn sofort mit ins Programm aufzunehmen. Seitdem ist Bastian Maas fester Bestandteil der Bigband der Schule und spielt auch in der Rockband mit. „Die brauchten gerade einen Pianisten“, meint er ganz bescheiden.

Mittlerweile nimmt Bastian Maas richtigen Klavierunterricht, schult sich aber mithilfe des Internets selbst weiter. „Am Anfang habe ich vier Stunden täglich geübt“, berichtet er. „Der spielt immer Klavier, wenn er im Haus ist“, erzählt seine Mutter Petra Maas. „Das ist wirklich sein Leben.“ Dabei geht er noch zum Sport und besitzt den rot-schwarzen Gürtel im Taekwondo – es ist die höchste Stufe, die ein Schüler erreichen kann, bevor er sich Meister nennen darf. Wie Sina Günther und Jan-Lukas Willms findet er seine Freunde vor allem in der Musik-Szene, ist in einer Theater AG aktiv und von morgens bis abends voll ausgelastet. Im nächsten Jahr will er bei „Jugend musiziert“ mitspielen. Und für Bastian ist ganz klar: „Ich will Musiklehrer werden.“

Valentin (9) und Clara Fey (12) spielen bereits bei „Jugend musiziert“ und räumen dort als Duo mit Horn und Klavier Preise ab, wobei Clara seit ihrem sechsten Lebensjahr auch Geige spielt. Eigentlich hatte Valentin Trompete spielen wollen, als er aber in einer Orchesterprobe neben den Hornisten saß und ihre Töne hörte, sei sein Entschluss klar gewesen. „Es muss das Horn sein“, berichtet seine Mutter Andrea. Geübt wird von den beiden fast jeden Tag, Klavierunterricht von Clara auch in Hannover genommen. „Da werden dann die Hausaufgaben im Auto gemacht und beim Fahren Vokabeln gelernt“, schildert die Mutter die Tagesabläufe. Immerhin: Einmal in der Woche geht Clara Reiten, während Valentin viel liest. „Das ist mein zweites Hobby“, erklärt er.

Und wie sind die Chancen, die Musik zum Beruf zu machen? „Die Konkurrenz insbesondere aus den asiatischen Ländern ist enorm groß“, erklären Jutta Lorenz, die Regionalausschussvorsitzende von „Jugend musiziert“, und die Klavierlehrerin Cecily Reimann. Selbst nach bestandener Aufnahmeprüfung und hervorragendem Abitur sei ein Studienplatz nicht sicher, weil die Klassen an den Musikhochschulen sehr klein seien. Und mit den zunehmenden Ganztagsschulen werde das Überleben für selbstständige Instrumentalpädagogen in Zukunft wohl immer schwieriger. Da müsse man schon eine feste Stelle an einer Schule haben. Allerdings sei gerade der Bedarf an Musiklehrern an Grundschulen sehr hoch.

Allein von der Musik leben zu wollen, sei mit einem hohen Risiko verbunden. Selbst mit einem abgeschlossenen Studium sei für einen Musiker kein Platz in einem Orchester sicher, warnen die beiden. Cecily Reimann kennt einen Fall, wo ein Paukist nach einem hervorragenden Konzertexamen dreieinhalb Jahre immer wieder bei Orchestern vorspielte, bis er endlich eine Stelle erhielt. Und auf manche Cello-Stelle bewerben sich bis zu 150 Musiker.

Klar sei auch: „Die Kindheit ist für ein musikalisch hochbegabtes Kind eine andere.“ Was weder Sina Günther, Jan-Lukas Willms oder Bastian Maas gestört hätte. „Ohne Musik“, sagt zumindest Sina Günther, „hätte mir etwas gefehlt“. Das habe sie gemerkt, wenn sie mal ein oder zwei Monate nicht geübt habe. „Danach musste das wieder richtig losgehen.“

Sina Günther aus Bad Münder zum Beispiel bereitet sich in diesem Jahr darauf vor, eine Ausbildung als Sopranistin an einer Musikhochschule zu beginnen. „Ich habe schon gesungen, bevor ich sprechen konnte“, habe ihre Mutter ihr erzählt. Schon in der Grundschule sei ihre Stimme aufgefallen und sie sehr gefördert worden. „Ich habe früh im Chor gesungen und mir zu Hause selbst Stücke herausgesucht und mit zehn oder elf Jahren bereits Gesangsunterricht an der Jugendmusikschule in Bad Münder gehabt.“ Von ihrer Lehrerin sei sie gleich auf Klassik „getrimmt“ worden, erzählt sie. „Ich fand das total cool.“ Mit 13 Jahren schaffte sie den Sprung in den renommierten Mädchenchor Hannover, erhielt Stimmbildung und Einzelunterricht. Daneben habe sie noch Klavierunterricht genommen und eine Zeit lang auch Querflöte gespielt. „Aber drei Instrumente sind zu viel.“ Drei Instrumente? „Ja, meine Stimme ist auch ein Instrument.“ Musik habe für sie „oberste Priorität – sie ist mein Hobby“, erklärt die 18-Jährige, deren Vorbild Anna Net-rebko ist. Die habe es geschafft, Klassik unter die Leute zu bringen. „So wie Anna Netrebko auf den großen Bühnen singt, will ich das auch einmal.“

Etwas später als Sina Günther hat Jan-Lukas Willms mit der Klarinette begonnen. Als Elfjähriger habe er an der Jugendmusikschule in Hameln einen sehr motivierenden Lehrer gehabt und bereits mit etwa 13 Jahren mit der Studienvorbereitenden Ausbildung (SVA) begonnen, für die man eine spezielle Aufnahmeprüfung bestehen muss und zu der unter anderem auch Harmonielehre, Gehörbildung, Musiklehre und das Spielen eines zweiten Instruments gehören. Willms hat bereits den Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ gewonnen, spielte im Schulorchester des Viktoria-Luise-Gymnasiums in Hameln und fährt inzwischen oft nach Detmold zu einer Lehrerin. Sein Ziel: Die Ausbildung zum Musiklehrer; die erste Aufnahmeprüfung in Hamburg hat er bereits bestanden. Hobbys neben der Musik? Fehlanzeige.

Einen anderen Weg will Linda Nissel aus Coppenbrügge gehen. Die ebenfalls 18-Jährige spielt zwar auch schon seit Jahren Klavier und tritt seit zwei Jahren gemeinsam mit Jan-Lukas Willms und Sina Günther mit Kammermusik auf, aber der Sport habe bei ihr immer gleichwertig neben der Musik gestanden. „Ich habe ganz viel ausprobiert und hatte beim Klavierunterricht auch ganz viele Tiefen, bei denen ich immer mal wieder aufhören wollte.“ Linda Nissel will denn auch nicht ins Musikfach einsteigen und stattdessen Forstwissenschaft studieren.

Einen ganz anderen Weg ist der 15-jährige Bastian Maas gegangen. Am Anfang seiner noch jungen Karriere stand ein Schlagzeug im Keller eines Kunden seines Vaters. Der Eigentümer erkannte die Begabung des damals Neunjährigen und der Vater besorgte umgehend die entsprechende Ausstattung. Als ein paar Jahre später ein Klavier im Haus stand, ging Bastian nicht etwa zu einem Klavierlehrer, sondern brachte sich alles selbst mithilfe von Internet-Kursen bei. Das sensationelle Ergebnis: Nach nur wenige Monaten bestand er die Prüfung zur SVA bei der Jugendmusikschule, ohne jemals einen Klavierlehrer gesehen zu haben. Auch im Vikilu fiel seine Begabung auf: Als eine Flügelsoiree vorbereitet wurde, war er im Aufbauteam und klimperte auf den Tasten, was die anwesende Musiklehrerin veranlasste, ihn sofort mit ins Programm aufzunehmen. Seitdem ist Bastian Maas fester Bestandteil der Big Band der Schule und spielt auch in der Rockband mit. „Die brauchten gerade einen Pianisten“, meint er ganz bescheiden.

Mittlerweile nimmt Bastian Maas richtigen Klavierunterricht, schult sich aber mithilfe des Internets selbst weiter. „Am Anfang habe ich vier Stunden täglich geübt“, berichtet er. „Der spielt immer Klavier, wenn er im Haus ist“, erzählt seine Mutter Petra Maas. „Das ist wirklich sein Leben.“ Dabei geht er noch zum Sport und besitzt den rot-schwarzen Gürtel im Taekwondo – es ist die höchste Stufe, die ein Schüler erreichen kann, bevor er sich Meister nennen darf. Wie Sina Günther und Jan-Lukas Willms findet er seine Freunde vor allem in der Musik-Szene, ist in einer Theater AG aktiv und von morgens bis abends voll ausgelastet. Im nächsten Jahr will er bei „Jugend musiziert“ mitspielen. Und für Bastian ist ganz klar: „Ich will Musiklehrer werden.“

Valentin (9) und Clara Fey (12) spielen bereits bei „Jugend musiziert“ und räumen dort als Duo mit Horn und Klavier Preise ab, wobei Clara seit ihrem sechsten Lebensjahr auch Geige spielt. Eigentlich hatte Valentin Trompete spielen wollen, als er aber in einer Orchesterprobe neben den Hornisten saß und ihre Töne hörte, sei sein Entschluss klar gewesen. „Es muss das Horn sein“, berichtet seine Mutter Andrea. Geübt wird von den beiden fast jeden Tag, Klavierunterricht von Clara auch in Hannover genommen. „Da werden dann die Hausaufgaben im Auto gemacht und beim Fahren Vokabeln gelernt“, schildert die Mutter die Tagesabläufe. Immerhin: Einmal in der Woche geht Clara Reiten, während Valentin viel liest. „Das ist mein zweites Hobby“, erklärt er.

Und wie sind die Chancen, die Musik zum Beruf zu machen? „Die Konkurrenz insbesondere aus den asiatischen Ländern ist enorm groß“, erklären Jutta Lorenz, die Regionalausschussvorsitzende von „Jugend musiziert“, und die Klavierlehrerin Cecily Reimann. Selbst nach bestandener Aufnahmeprüfung und hervorragendem Abitur sei ein Studienplatz nicht sicher, weil die Klassen an den Musikhochschulen sehr klein seien. Und mit den zunehmenden Ganztagsschulen werde das Überleben für selbstständige Instrumentalpädagogen in Zukunft wohl immer schwieriger. Da müsse man schon eine feste Stelle an einer Schule haben. Allerdings sei gerade der Bedarf an Musiklehrern an Grundschulen sehr hoch.

Allein von der Musik leben zu wollen, sei mit einem hohen Risiko verbunden. Selbst mit einem abgeschlossenen Studium sei für einen Musiker kein Platz in einem Orchester sicher, warnen die beiden. Cecily Reimann kennt einen Fall, wo ein Paukist nach einem hervorragenden Konzertexamen dreieinhalb Jahre immer wieder bei Orchestern vorspielte, bis er endlich eine Stelle erhielt. Und auf manche Cello-Stelle bewerben sich bis zu 150 Musiker.

Klar sei auch: „Die Kindheit ist für ein musikalisch hochbegabtes Kind eine andere.“ Was weder Sina Günther, Jan-Lukas Willms oder Bastian Maas gestört hätte. „Ohne Musik“, sagt zumindest Sina Günther, „hätte mir etwas gefehlt“. Das habe sie gemerkt, wenn sie mal ein oder zwei Monate nicht geübt habe. „Danach musste das wieder richtig losgehen.“



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