weather-image
27°
×

Alarm für die Luftretter

Sie fliegen um Ihr Leben

Alarm für Christoph Niedersachsen. Der Rettungshubschrauber ist im Einsatz und Dewezet-Reporter Ulrich Behmann ist hautnah mit der Kamera dabei. Begleiten Sie die Lebensretter auf ihrem Einsatz über den Wolken.

veröffentlicht am 31.03.2017 um 17:36 Uhr
aktualisiert am 31.03.2017 um 19:06 Uhr

Ulrich Behmann

Autor

Chefreporter zur Autorenseite

Frühstück in der DRF-Luftrettungsstation am Flugplatz Hannover-Langenhagen. Ein Ritual, wenn Zeit dafür ist. Heute haben Pilot Achim Bickel (59), Notarzt Dr. Markus Flentje (40) und Notfallsanitäter Joachim Mell (49) Dienst. Ein schöner Tag, blauer Himmel, Temperaturen um null Grad. Die Besatzung von „Christoph Niedersachsen“ wartet darauf, dass sie gebraucht wird. Die rot-weiße Maschine vom Typ EC 145 ist eine fliegende Intensivstation – die einzige in Niedersachsen. Vollgestopft mit Medizin-Hightech und rund acht Millionen Euro teuer. Der erste Einsatz kommt um 9.30 Uhr per Fax. Ein Schwerstkranker muss vom Universitätsklinikum Göttingen zum Klinikum nach Bremen Mitte geflogen werden.

Einsatz – Pilot Achim Bickel lässt die beiden je 780-PS-starken Turbinen des Eurocopters an. 100 Kilometer Luftlinie bis Göttingen. 220 Kilometer pro Stunde. 35 Minuten später landet der Ambulanzhubschrauber neben der Klinik. Trage, Notfallgeräte und Medikamente werden zur Intensivstation geschoben. Neben dem Krankenbett findet die Übergabe des Patienten statt. Kabel und Schläuche werden umgesteckt. Ab jetzt überwachen die mobilen Rettungsgeräte des Intensivtransporthubschraubers die Vitalfunktionen des 49-Jährigen.

Der Patient (49) hatte vor sechs Wochen eine Blutvergiftung und ein Lungenversagen; er wäre gestorben, wenn er damals nicht – angeschlossen an eine künstliche Lunge – nach Göttingen geflogen worden wäre. Lange Zeit wurde das Blut des Mannes außerhalb seines Körpers mit Sauerstoff angereichert. Die schwer entzündete Lunge des Kranken konnte sich dank der extrakorporalen Membranoxygenierung, kurz ECMO, langsam erholen.

3 Bilder
Foto: ube

Der Mann ist zwar noch nicht über den Berg, es geht ihm aber schon etwas besser. Sein Zustand ist immer noch lebensbedrohlich. Deshalb muss er so schnell und so schonend wie möglich transportiert werden. Heimatnah wird er noch wochenlang weiter auf einer Intensivstation behandelt werden müssen. Aber er kann jetzt öfter als bisher von seinen Angehörigen besucht werden – „auch das hat etwas mit Genesung zu tun“, sagt der Intensivmediziner und Anästhesist der Medizinischen Hochschule Hannover, Dr. Flentje. Außerdem: In der Göttinger Spezialklinik ist jetzt ein weiteres Bett frei für den nächsten ECMO-Patienten.

Nur eine Stunde dauert der Flug von Göttingen nach Bremen. Es geht vorbei an Coppenbrügge, Bad Münder und über das Steinhuder Meer. Notarzt Dr. Flentje und Notfallsanitäter Mell haben nur Augen für ihren Patienten, Bickel (8000 Flugstunden, Pilot seit 1980) zählt zu den besten Rettungsfliegern in Deutschland. Er steuert die Klinik mit Höchstgeschwindigkeit an.

Christoph Niedersachsen fliegt – anders als Christoph 4 – Tag und Nacht, wenn es das Wetter zulässt. 813 Einsätze (245 Akutnotfälle und 568 Verlegungen) wurden im vergangenen Jahr geflogen. 146-mal startete der Eurocopter nachts. Fliegen bei Dunkelheit ist sehr gefährlich. Freileitungen, Windmühlen und Bäume sind schlecht zu erkennen. Die DRF-Luftrettung setzt in Deutschland an 29 Stationen Rettungs- und Intensivtransporthubschrauber ein.

Bundesweit gibt es mehr als 80 Maschinen.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2021
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige