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Anders als aus der Tüte: Heinrich zur Heide stellt seinen Frucht-Glühwein aus heimischem Obst her

Selbstgemachtes vom Deister

Glühwein gehört zum Weihnachtsmarkt dazu wie der Duft nach süßen Mandeln. Viele Anbieter kaufen ihn fertig aus Tüten oder Kanistern und fügen als persönliche Note schlicht einige Gewürze hinzu. Nicht so Heinrich zur Heide – er macht sogar die Zutaten dafür selbst.

veröffentlicht am 25.11.2015 um 10:24 Uhr
aktualisiert am 19.12.2015 um 14:36 Uhr

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Bloß die Tüte aufzureißen und den fertigen Glühwein in einen Topf zu gießen, das kommt für Heinrich zur Heide nicht in Frage. Der Bad Münderaner steht in diesem Jahr das zweite Mal mit seinem Frucht-Glühwein auf dem Hamelner Weihnachtsmarkt. In Eigenarbeit über das ganze Jahr verteilt stellt zur Heide seine Getränke selbst her. Das unterscheidet ihn von den meisten seiner Mitbewerber.

Bereits im Mai fängt zur Heide mit den Vorbereitungen an. Denn dann ist Erdbeerzeit in Deutschland. Die reifen Früchte bekommt er vom 25 Kilometer entfernten Erdbeerhof Sander aus Gestorf kurz hinter Springe. Gleich kiloweise nimmt zur Heide die roten Beeren mit nach Hause und vergärt sie zu Erdbeerwein. Dieser kommt dann kurz vor Beginn des Weihnachtsmarktes zusammen mit selbst gemachten Kirsch-, Schlehen-, Apfel- und Johannisbeerweinen sowie Fruchtsäften in eine große Edelstahlwanne, in der alles zusammen zum Frucht-Glühwein für den Hamelner Weihnachtsmarkt vermischt wird. Die Fruchtsäfte, das sind selbst gemosteter Apfel- sowie Multivitaminsaft. Nur Letzteren kauft zur Heide für seinen Frucht-Glühwein dazu.

Nach der Erdbeerernte im Mai geht es Anfang Juli weiter mit den Johannisbeeren. Diese hat zur Heide selbst in seinem Garten. Anfang August ist dann Kirschenzeit. Für seinen Kirschwein bezieht zur Heide das Steinobst aus dem hessischen Wietzenhausen südlich von Göttingen. „Diese Gegend ist bekannt für ihre guten Süß- und Sauerkirschen“, lobt zur Heide. Auf einer benachbarten Streuobstwiese bei Bad Münder findet der Rentner die Äpfel für seinen Apfelwein und -saft. Bis vor drei Wochen war er in seiner angemieteten Scheune noch mit dem Waschen, Pressen und Abfüllen beschäftigt. Die Früchte für seinen Schlehenwein hat zur Heide bereits 2006 am Deister gesammelt. Mit dem richtigen Alkoholgehalt – bei zur Heides Schlehenwein sind es 16 Prozent – hält sich der Wein auch ohne Konservierungsstoffe entsprechend lange. Ohne die Zugabe von Konservierungsstoffen, Schwefel und nachträglich zugesetztem Zucker auszukommen, ist zur Heide bei all seinen Produkten wichtig. Schlehen kann man nicht in jedem Jahr sammeln. „Bei solchen Witterungsverhältnissen wie im aktuellen Jahr hat man kaum eine Chance, an Schlehen zu kommen. Wenn der Frost nur über Nacht anhält und die Schlehen dann am Tage wieder antauen, kommen die Vögel einem zuvor und picken sie weg.“

Heinrich zur Heide in seinem Bad Münderaner Weinlager. ms

Doch allein mit dem Sammeln, Konservieren und Vergären der Früchte und dem Mischen der Weine ist es nicht getan. Bis vor einigen Tagen arbeitete der 65-Jährige noch daran, seine Hütte zu verschönern. Es gibt in diesem Jahr neu gestaltete Preisschilder auf runden Baumscheiben und auch einen Namen hat die Hütte bekommen: „Heinrich’s Glüh-Eck“ ist fortan auf der Hütte gegenüber auf der Osterstraße zu lesen. Außerdem hat sein Weihnachtsmarktstand noch ein paar Stehtische bekommen, eine Sitzgelegenheit und Dachschindeln aus kanadischem Rotzedernholz. Auch das alles, wie die gesamte Hütte an sich, hat zur Heide – natürlich – selbst gemacht. „Mein Vater hat immer gesagt, kann ich nicht, gibt es nicht“, erinnert sich der Allrounder.

Hätte es im September doch nicht den ersehnten Zuschlag für den Hamelner Weihnachtsmarkt gegeben, „dann hätte ich wohl zusammen mit meinem Freund Frank Fischer in dem ganzen Fruchtwein baden können“, lacht zur Heide.

Schon früher standen zur Heide und Fischer in Hameln, und zwar auf dem Altstadtfest. Von 1977 bis Mitte der 1990er Jahre betrieben die beiden als „Lustige Wikinger“ einen Stand mit Met-Ausschank. Den Honigwein stellten sie bereits damals selbst her. „Es gab immer so einen kleinen Wettkampf zwischen uns, wer den besten Met macht“, sagt zur Heide. Um den Honigwein herzustellen, wird Honig mit Wasser und Hefe vergoren. „Unser Met war schon immer weniger süß, als der gekaufte aus dem Supermarkt“, hebt zur Heide die Vorteile des von ihm besonders geliebten Glühmets hervor.

Neben dem Met und Frucht-Glühwein wird es in diesem Jahr zum ersten Mal auch eine Feuerzangenbowle geben – aus Rotwein gemischt mit selbst gemachtem Kirschwein und Apfelsaft sowie zugesetztem Multivitaminsaft. Für Autofahrer, Kinder und alle, die einfach keinen Alkohol mögen, gibt es alkoholfreien Fruchtpunsch.

Und wie ist zur Heide dazu gekommen, Fruchtwein selbst herzustellen? Als er noch bei der Landwirtschaftskammer arbeitete, „habe ich einen Landwirt beraten, der mir im Anschluss zum Dank eine selbst gemachte Flasche Kirschwein schenkte“, erinnert sich der gelernte Agraringenieur. Damals wurde sein Ehrgeiz geweckt, das Herstellen von Fruchtweinen auch mal selbst auszuprobieren. „Schon meine Oma hatte früher öfter mal eine Flasche mit Selbstgebranntem auf dem Herd.“

Wenn der Hamelner Weihnachtsmarkt vorbei ist, dann wird sich zur Heide bald wieder in seine Scheune zurückziehen und an seiner Kreation für das nächste Jahr arbeiten: selbstgemachter Quittenlikör. Vielleicht sogar mit einem Hauch Ingwer.



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