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Wie Hanna Lücke aus Kirschen die beste Marmelade zaubert

Selbst gekocht!

GRUPENHAGEN. Kirschmarmelade kochen. Gibt es das noch? Wir haben im Rahmen unserer Kirsch-Woche jemanden gesucht, der die Marmelade noch selbst macht. Und wir haben sie gefunden: Hanna Lücke aus Grupenhagen. Sie macht die Kirschmarmelade noch so, wie sie schon früher gemacht wurde. Lesen Sie Teil 4 unserer Kirsch-Serie.

veröffentlicht am 20.07.2016 um 16:49 Uhr
aktualisiert am 05.08.2016 um 09:04 Uhr

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Süß und fruchtig und meist mit einem Schuss Alkohol – so schmeckt der in unzähligen Schraubgläsern konservierte Sommer bei Hanna Lücke. Die Grupenhägerin ist eine leidenschaftliche Konfitüren- und Marmeladenköchin und kommt leicht auf rund 200 Glas pro Saison. Und die 77-Jährige kocht nicht nur traditionell im großen Edelstahltopf unter ständigem Rühren den leckeren Fruchtaufstrich, so wie sie es als ausgebildete Hauswirtschafterin ursprünglich einmal gelernt hat, sie nimmt auch gern den Thermomix zur Hilfe. „Da braucht man nicht dabeistehen, aufpassen und ständig rühren. Der meldet sich nach 13 Minuten, wenn die Marmelade fertig ist“, schätzt die Seniorin auch die Vorzüge der modernen Multifunktions-Küchenmaschine.

Aber gelernt ist nun einmal gelernt und so wird die Konfitüre, bei der am Ende des Kochvorgangs noch Fruchtstückchen zu erkennen sein sollten, bei Lückes ganz traditionell auf dem Küchenherd zubereitet. Nachdem Rhabarber, Erdbeeren, Johannisbeeren und Stachelbeeren bereits verarbeitet sind, stehen jetzt die Kirschen auf dem Einkochplan, bevor im Anschluss Brombeeren, Mirabellen, Zwetschgen, Äpfel, Birnen und Weintrauben geerntet und verarbeitet werden wollen. „Die Vorbereitung der Kirschen ist eine echte Sauerei, die man am besten draußen erledigt“, lautet der gut gemeinte Rat der Einkochexpertin. Na dann mal los: Als Erstes müssen die grünen Stiele von den roten Früchten entfernt werden, bevor die Kirschen gewaschen werden. Nach dem kurzen kalten Bad gibt Hanna Lücke das Obst in einen Durchschlag, um anschließend den Entsteiner damit zu befüllen. Schnell wird deutlich, was die Seniorin meinte, als sie dazu riet, das Küchengerät auf einem Tisch auf der Terrasse zu platzieren. Nicht nur der Kirschkern wird beim Entsteinen aus der Frucht gedrückt, auch jede Menge Kirschsaft, der sowohl die Hände als auch die Tischplatte mit unzähligen dunkelroten Sprenkeln überzieht. Aber alles kein Problem: „Gegen Kirschflecken hilft meist kräftiges Einreiben mit Zitronensaft“, weiß Hanna Lücke. Und dann geht es endlich los mit dem eigentlichen Marmelade- und Konfitürekochen. Während die Hightech-Küchenmaschine nur mit Obst und Gelierzucker befüllt und programmiert werden möchte, ist Konfitürekochen noch echte Handarbeit im Hause Lücke. Auf ein Kilogramm Früchte schüttet die Grupenhägerin ein Kilogramm Gelierzucker. Anschließend wird alles gut durchgerührt und zum Kochen gebracht. „Um ein Überkochen zu vermeiden, darf der Topf nicht zu klein sein, denn Konfitüre muss sprudelnd kochen, damit sie gelingt“, erklärt die „Küchenfee“, wie auf ihrer lilafarbenen Schürze zu lesen steht. Laut Packungsangabe sollten vier Minuten sprudelndes Kochen ausreichen, damit sich bei der anschließenden Gelierprobe der Erfolg einstellt, doch in Grupenhagen scheinen die Uhren anders zu gehen. In aller Seelenruhe befüllt Hanna Lücke erst einmal die ersten Marmeladengläser, denn der Thermomix hat mit einem akustischen Signal angezeigt, dass der Kochvorgang abgeschlossen ist. „Marmelade hat im Gegensatz zu Konfitüre keine sichtbaren Fruchtstückchen und Gelee wird aus Fruchtsaft gekocht“, erklärt die erfahrene Fruchtaufstrich-Köchin die kleinen, aber feinen Unterschiede, während sie die vor sich hin köchelnde Konfitüremasse im Topf ab und an umrührt. „Das wäre ja noch was, wenn das anbrennen würde…“ – Hanna Lücke mag sich das Malheur gar nicht erst vorstellen. Und als ob sie etwas ablöschen möchte, greift sie zur Rumflasche und gibt einen ordentlichen Schluck Hochprozentiges zu den sprudelnd kochenden Früchten. „Für den guten Geschmack“, verrät sie mit einem Augenzwinkern ihr Geheimrezept. Nach gefühlten acht bis zehn Minuten besteht dann auch die Kirschkonfitüre die Gelierprobe, wird in Gläser abgefüllt und mit einem Deckel fest verschlossen. Zuvor hat Hanna Lücke noch ein paar durchgeflutschte Kirschkerne von der Oberfläche der Fruchtmasse gefischt. Fleischige Opfer hat der Kochvorgang nicht gefordert. „Bei mir wird nichts auf den Kopf gestellt“, sagt die Seniorin bestimmt. „Wenn die ausreichend lange gekochte, ganz heiße Marmelade direkt in saubere Gläser abgefüllt und mit ebenfalls sauberen Deckeln verschlossen wird, sind damit in der Regel alle Keime abgetötet“, so ihre Ansicht.

Die altbekannte Empfehlung, das frisch abgefüllte und anschließend verschlossene Marmeladenglas auf den Kopf zu stellen, stammt aus einer Zeit, in der die Küchenhygiene nicht immer so gut gelungen ist, sagt Hanna Lücke. Wenn die Marmeladengläser dann mit einen „Plopp“ verkünden, dass sie luftdicht verschlossen und abgekühlt sind, kommen sie in den Keller und werden im Regal eingelagert. Neben der eigenen Familie wird von Hanna Lücke auch die Außenstelle der Hamelner Tafel in Aerzen mit eingekochten Kompott-Köstlichkeiten, Konfitüren und Marmeladen versorgt. „Wir haben Obst in Hülle und Fülle, darum gebe ich gern einen Teil davon ab“, erklärt sie, während sie die Schürze abbindet und zur Seite legt.

6 Bilder
Hanna Lücke putzt … Foto: sbr


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