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ESC-Kandidatin Jamie-Lee verrät, wie sie sich auf die große Show in Stockholm vorbereitet

„Schlafen ist das Wichtigste“

STOCKHOLM / WESERBERGLAND. Die Sonne strahlt über Stockholm, als das Flugzeug am frühen Samstagmorgen landet. Die Stadt scheint noch zu schlafen. Ich muss mich erst einmal orientieren: Wie komme ich zu meiner Unterkunft? Und wie von da aus zur Globen Arena – oder besser gesagt: zu den Arenen? Rund um das Zentrum des Geschehens, den Ericsson Globe, liegen noch weitere Veranstaltungsorte: Neben dem Fußballstadion „Tele2-Arena“ auch das „Hovet“, eigentlich eine Eishockeyhalle für mehr als 8000 Zuschauer. Dort hat das Pressezentrum Quartier bezogen, in dem gut 2000 Journalisten Platz finden sollen. Ich hole meine Akkreditierung ab. Jeder Veranstaltungsort beim ESC ist hochgesichert. Wie am Flughafen gibt es Metalldetektoren und Taschenscanner.

veröffentlicht am 09.05.2016 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:56 Uhr

Michael Zimmermann

Autor

Gastautor zur Autorenseite

Im Pressezentrum werde ich mit den wichtigsten Informationen über Stockholm und den ESC 2016 versorgt und bekomme einen Haufen Promoartikel. Ein Fanschal des holländischen Interpreten Douwe Bob ist dabei, viele CDs und lange Texte über Künstler, Lied und das jeweilige Herkunftsland. Auch das Management von Jamie-Lee versucht mit Klebetattoos der 18-Jährigen als Manga-Zeichnung zu überzeugen. Ich bin gespannt, was sich am Ende der Woche alles angesammelt hat.

Die letzten Minuten von Jamie-Lees erster Pressekonferenz laufen. Eine gute Stunde zuvor stand sie das erste Mal auf der 320 Quadratmeter großen Bühne. Die Probe fand sie „einfach mega! Das Gefühl, endlich auf dieser ESC-Bühne zu stehen und zu erleben, wie es ist“, erzählt sie. „Die Bühne ist so riesig, das Bühnenbild ist toll und mein Outfit sah toll aus.“ Noch immer euphorisiert, gut gelaunt und in flüssigem Englisch beantwortet sie charmant die Fragen der neugierigen Journalisten aus aller Welt. Erzählt, wie froh sie sei, dabei sein zu dürfen. Sie sei sich nicht sicher gewesen, ob die Leute sie auch beim Vorentscheid mögen würden, sagt sie – dennoch glaube die Schülerin der Hamelner Eugen-Reintjes-Schule, dass das Publikum eine gute Wahl getroffen hat. Bei dieser Aussage muss sie ein wenig lachen über ihr eigenes Selbstbewusstsein.

Viele Journalisten sind ein Stück weit auch Fans

Die Atmosphäre bei den Pressekonferenzen ist prinzipiell freundlich, selten fallen kritische Fragen. Viele der Journalisten sind auch ein großes Stück weit Fans, schreiben für Klubmedien oder Blogs, die sich ausschließlich mit dem ESC beschäftigen. Am Ende werden sich dann auch einige erwachsene Männer wie Groupies um die 18-jährige Bennigserin drängeln, um ein Foto von ihr – und mit ihr – vor der Logowand zu ergattern.

Mit der Aussage, dass es eigentlich viel fairer wäre, wenn auch sie wie 36 andere Teilnehmer erst einmal durch ein Halbfinale müsste, erntet sie viel Applaus. „Aber ich mache die Regeln nicht“, schränkt sie ein. „Ich persönlich fände es cool, wenn ich im Halbfinale nicht nur Gast, sondern auch Kandidatin wäre.“

Nur wenig später stellt Jamie-Lee unter Beweis, dass sie Herausforderungen und Aufregung liebt: Zusammen mit der dänischen Band Lighthouse X schlendert sie über den Freizeitpark Gröna Lund und fährt fürs Fernsehen Achterbahn. Die Berg- und Talbahn mit dem Namen „Insane“ hat ihr sichtlich gefallen. Im Gespräch mit einem Fernsehteam kommt sie aus dem Schwärmen nicht hinaus: „Das war so cool! Ich bin der Adrenalin-Typ: Fallschirmspringen, Bungee-Jumping – das hier kam schon nah ran!“

Auch am Sonntag ist Jamie-Lees Kalender voll: Mittags feilen sie und ihr Team in der zweiten Einzelprobe an Details der Aufführung: Erstmals dürfen auch Presse und Fans das Konzept sehen, das dem Vorentscheidsauftritt treu bleibt. Der Märchenwald, hinter dem ein großer Mond aufgeht, wird durch Hologramme ergänzt. Stimmsicher singt sie sich einige Male durch ihren Song, geht den langen Steg in der Arena auf und ab, um den herum in wenigen Tagen tausende Zuschauer stehen werden.

Bennigserin hat ein gutes Gefühl, wenn sie „Ghost“ singt

Auch nach dieser Probe steht eine Pressekonferenz an. Sie erzählt, dass sie mit ihrer Leistung zufrieden war, sich sehr freue, da zu sein, und von ihrer Liebe zu erzählen. Wenn sie „Ghost“ singe, habe sie immer ein gutes Gefühl, schließlich sei es der Titel, mit dem sie sowohl „The Voice“ als auch den ESC-Vorentscheid gewonnen hat. Ihr Stimmvolumen habe sie dadurch, dass sie in ihrem Gospelchor die einzige Sopranstimme war und sich gegen die anderen Chormitglieder durchsetzen musste, sagt sie. Ihr Engagement für den Tierschutz kommt ebenso zur Sprache wie ihr Vorbereitungsritual: „Ich hoffe, dass ich genug Schlaf bekomme. Schlaf ist das Wichtigste. In den Euroclub zu gehen und zu feiern wie andere Künstler, macht bestimmt auch Spaß, aber ich schaue mir das nur an und gehe dann früh ins Bett.“

Bis zu 14 Stunden schlafe sie täglich. Um die Eröffnungsfeier am Sonntagabend mit einem Auftritt auf dem Roten Teppich und anschließender Party aller Delegationen kam sie aber doch nicht herum.



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