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Für die Reinigung in eine Wäscherei in Ostwestfalen – eine Welt für sich

Schaumbad für den Seidenteppich

Ab Rinteln oder Hameln geht es von den Annahmestellen aus mit dem Lieferwagen nach Rheda-Wiedenbrück. Neben Teppichen können zum Beispiel auch Polstermöbel mit zur Ladung gehören. Die werden ebenfalls in dem speziellen Waschcenter gereinigt. Nach dem Ausladen wird jeder Teppich vermessen. Es wird geschaut, aus welchem Material er ist, eventuelle Schäden werden festgehalten und fotografiert und all diese Daten im Computer erfasst. Dann folgt der erste Reinigungsgang. Er wird „Klopfen“ genannt, wobei jedoch kein Teppichklopfer zum Einsatz kommt. Stattdessen gibt es eine große vertikale Trommel, in der drei bis vier Teppiche auf einmal Platz haben. Die Trommel ist gitterartig und beim zehnminütigen Drehen fallen Sand, Staub und loser Schmutz aus den Teppichen zu Boden. Der Staub wird durch ein Filtersystem weggeblasen und an dem schmutzigen Filter kann man erkennen, wie effektiv diese Trommel „klopft“.

veröffentlicht am 28.01.2015 um 00:00 Uhr

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Im nächsten Schritt kommen die Teppiche zum Einweichen in große Tröge, die sogenannten Paddelkufe, die mit kalter Seifenlauge gefüllt sind. Während es im Eingangs- und Klopfbereich noch ziemlich müffelt, riecht es hier schon frisch und sanft nach Seife. Beim Einweichen, das etwa eine halbe Stunde dauert, werden die Teppiche maschinell durch große „Paddel“ vorsichtig bewegt. Danach ist Handarbeit angesagt. Die schweren, vollgesogenen Teppiche werden aus den Trögen gehievt, auf dem Boden ausgebreitet und mit einer Bürstmaschine bis in die Tiefe der Fasern einshampooniert. Das anschließende Ausspülen geschieht mit dem Wasserschlauch, und der behutsame Einsatz eines Abziehers beendet den eigentlichen Waschgang. Zum Schleudern stehen je nach Beschaffenheit der Heimtextilie eine lange vertikale Zentrifuge zur Verfügung oder auch Schleudern, wie man sie für den Haushalt kennt, nur etwa zehn Nummern größer. Bevor es zum Trockenraum geht, wird noch ein prüfender Blick auf den Teppich geworfen. Gibt es noch Flecken, die nachbearbeitet werden müssen? Ist es vielleicht sogar nötig, noch einmal komplett einzuweichen? Wird beides verneint, geht es für den Teppich jetzt aufwärts. Er wird an einer Querstange befestigt und in der hohen Trockenkammer nach oben gezogen.

Maschinen sind Sonderanfertigungen

Nachts pustet 35 Grad warme Luft durch diesen Raum, sodass am folgenden Morgen die Teppiche trocken sind. Nach einem letzten Bürsten, das gerade bei den edleren Modellen für den rechten Glanz sorgt, kann der Teppich eingerollt und für den Rücktransport bereitgelegt werden.

Es gibt nicht viele Teppichwäschereien in Deutschland. Man lässt seine Teppiche ja nicht ständig waschen. Alle Maschinen sind deshalb Sonderanfertigungen. Um wirtschaftlich arbeiten zu können, hat die Firma Grebe einen Einzugsbereich von etwa 100 Kilometern rund um Rheda-Wiedenbrück. Und Martin Grebe, der den Betrieb in zweiter Generation führt, hat ihn auf mehrere Standbeine gestellt. Er vermietet Eingangsmatten für Geschäfte, die er dann regelmäßig austauscht und wäscht – wieder in einer speziellen sehr rustikalen Industriewaschmaschine. Zu seinen Kunden gehören auch Altenheime und Krankenhäuser, die ihre Matratzen hier sterilisieren und säubern lassen. Polsterwäsche ist das dritte Standbein des Betriebes. Zusätzlich hat sich im Laufe der Zeit ergeben, dass Bootsbesitzer Segel und Persenning schicken, die gereinigt werden müssen. „Wir haben hier genug Platz, um diese Segel und Planen ausbreiten und waschen zu können“, erzählt Grebe. „So was spricht sich dann schnell herum unter den Bootsbesitzern. Mittlerweile kommen die Aufträge dafür aus ganz Deutschland.“

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„Paddelkufe“ heißen die großen Tröge, in denen die Teppiche mit Seifenlauge gewaschen werden. cm (4)

Achtzehn Mitarbeiter sind in dem Familienbetrieb tätig, viele sind schon jahrelang dabei. Neben der Leitung seines Betriebes als Textilreinigungsmeister ist Grebe im Berufsverband aktiv. Dort hat er Qualifizierungsangebote zur Fachkraft für Teppich- und Polstermöbelreiniger mitentwickelt und ist auch selbst als Lehrkraft an den Ausbildungsgängen beteiligt. Außerdem wird er häufig als Sachverständiger hinzugezogen, wenn es um Klagen im Zusammenhang mit Teppichreinigungen geht. „Da wird den Leuten oft das Geld für nicht erbrachte Leistungen aus der Tasche gezogen“, weiß Grebe aus Erfahrung. „Aber ich kann das einwandfrei feststellen, ob ein Teppich wirklich gewaschen worden ist und nicht nur einmal übergesaugt“, versichert der Fachmann.

In seinem Bereich gebe es viele schwarze Schafe, wird Grebe nicht müde, zu warnen. Er hat zahllose Reklamezettel gesammelt, die mit günstigen Preisen und Gutscheinen um Kunden buhlen. „Wenn die Kunden, oft ältere Menschen, dann die genannte Telefonnummer anrufen, heißt es immer, man müsse sich den Teppich erst anschauen“, fährt Grebe fort. Einmal im Haus, würden die Teppichreiniger sich dann sehr erschrocken zeigen über den vermeintlich katastrophalen Zustand des angeblich unglaublich wertvollen Orientteppichs und empfehlen, schnellstmöglich eine Wäsche nach echter Orientart vornehmen zu lassen. Die würde natürlich doch etwas mehr kosten als den üblichen, auf dem Flyer erwähnten Preis. Und ruckzuck seien die Kunden um die 2000 Euro los. Das sei weit mehr als das Zehnfache von dem, was seriöse Anbieter nehmen. „Schauen Sie, ob die anbietende Firma im Telefonbuch steht. Die Abzockerbanden sind immer nur für kurze Zeit in einer Gegend und landen gar nicht erst im Telefonbuch“, empfiehlt Grebe. „Und forschen Sie, ob es eine Firmenhistorie gibt. Außerdem sollten Sie wissen, dass seriöse Anbieter Ihnen am Telefon sehr wohl ihre Reinigungspreise pro Quadratmeter angeben können. Wenn Sie das beachten, haben Abzocker bei Ihnen keine Chance.“

Als letzten Tipp verrät Grebe, dass eine Wäsche auch für hochwertige Teppiche kein Problem ist. „Es gibt moslemische Haushalte, in denen jedes Jahr nach Ramadan alle Teppiche gewaschen werden. Und das bekommt den Teppichen durchaus gut.“

Wer einen Teppich zum Reinigen gibt, etwa bei der Firma Lambrecht in Rinteln oder bei Benze Bodenbeläge in Hameln, kann sicher sein: Dem Teppich steht erst einmal eine ziemlich weite Reise bevor. Er wird nämlich nicht vor Ort gewaschen, sondern nach Rheda-Wiedenbrück in Ostwestfalen gebracht. Dort hat sich die Teppichwäscherei Grebe auf solche Fälle spezialisiert – eine kleine Welt für sich, wie sich beim Besuch der Wäscherei herausstellte.

Mitarbeiter Erhad Softic beim Ausspülen eines Teppichs.

Teppichwäscherei-Betreiber Martin Grebe, hier mit einem Seidenteppich, versichert, dass auch das Waschen von hochwertigen Teppichen kein Problem darstellt.



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