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Stefan Wildhagen hat ein ausgefallenes Hobby: Er ist mit einem Metalldetektor unterwegs

Schatzsucher hilft Polizei

Dass Stefan Wildhagen mit seinem Hobby einmal zur Auflösung von Ermittlungsarbeiten beiträgt, damit hat er wohl selbst nicht gerechnet. Denn eigentlich macht er nichts anderes, als mit einem Metalldetektor bis zu sechs Stunden lang über ein Feld zu laufen. Doch in einem Kriminalfall rund um Schüsse nördlich von Stadthagen war genau das jüngst besonders hilfreich – denn Wildhagen fand das Projektil, dass zum Täter führte.

veröffentlicht am 09.11.2018 um 11:12 Uhr

Stefan Wildhagen mit seiner Ausrüstung auf dem Feld. Stolz präsentiert er seine Funde (siehe unten). FOTO: isa

Autor:

Isabell Remmers
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„Ich las von dem Fall in der Zeitung und dachte, da kann ich meine Hilfe anbieten. Die Polizei hat sicherlich nicht so einen guten Metalldetektor wie ich“, sagt der sogenannte Sondler. Zusammen mit einem Freund und der Polizei machte sich der 37-Jährige auf die Suche. Nach etwa zwei Stunden waren sie dann tatsächlich erfolgreich. „Ehrlich gesagt hat keiner mehr damit gerechnet, dass wir das Projektil noch finden. Es waren alle wie versteinert.“ Dass der Sondler nun wirklich zur Klärung des Falls beitragen konnte, freut ihn besonders.

Dass er mit dieser Hilfe nun auch noch den Ruf seines Hobbys retten kann, ist für den Stadthäger ein erfreulicher Zusatz. Denn häufig werden die Hobby-Sucher auch mit dem Begriff „Grabräuber“ in Verbindung gebracht. Und das, zumindest meistens, zu Unrecht. Denn die gewissenhaften Sondler, wie Wildhagen einer ist, haben eine Genehmigung für ihr Hobby. „Von den zuständigen Archäologen erhält man nach der Teilnahme an einem Kurs eine sogenannte Nachforschungsgenehmigung. Damit kann man sich in seinem zugeteilten Gebiet legal auf die Suche machen“, erklärt Wildhagen. Um auf Feldern oder Spielplätzen auf die Suche gehen zu können, holt er sich zusätzlich die Genehmigung der Eigentümer wie Landwirten oder der Stadt.

So gewissenhaft gehen jedoch nicht alle vor. „Es gibt mittlerweile viele, die illegal auf die Suche gehen und so versuchen, Geld zu machen. Ich versuche, da verstärkt Aufklärung zu betreiben“, sagt Wildhagen. Der Stadthäger ist bekannt in der Sondler-Szene – unter anderem auch, weil er einen YouTube-Kanal betreibt. Einerseits freut es ihn, dass es immer mehr Anhänger seines Hobbys gibt. Dass das Schatzsuchen so aber in Verruf gerät, ärgert ihn: „Eine Hand wäscht die andere. Wenn man als Sondler auf die Archäologen und Eigentümer zugeht, kommen die auch auf dich zu.“

Was Stefan Wildhagen nicht alles schon gefunden hat: Alte Trachtenknöpfe, Münzen jeglicher Art, Ringfragmente oder ehemalige Wasserhähne – eine kuriose Sammlung hat Wildhagen bereits zusammengetragen. Foto: Isa
  • Was Stefan Wildhagen nicht alles schon gefunden hat: Alte Trachtenknöpfe, Münzen jeglicher Art, Ringfragmente oder ehemalige Wasserhähne – eine kuriose Sammlung hat Wildhagen bereits zusammengetragen. Foto: Isa

Grundsätzlich gibt es feste Regeln für Funde beim Sondeln: Historisch wertvolle kann das Land als Eigentum verlangen, dann steht dem Finder ein Finderlohn in Höhe von fünf bis zehn Prozent des Werts zu. Schmuckstücke wie beispielsweise Eheringe müssen in einem Fundbüro abgegeben werden. Holt sie dort niemand ab, stehen sie dem Finder zu. Aber auch an Funde mit weniger großer Auswirkung, mit denen der Sondler dennoch Gutes tun konnte, erinnert sich Wildhagen gerne. Zum Beispiel in Minden: „Dort hatte eine Frau ihren Schlüssel auf einem Feld verloren, während sie ihrem Hund hinterherlief.“ Wildhagen fand den Schlüssel und brachte ihn zurück. So auch auf dem Lindhorster Sportplatz: „Bevor der umgebaut wurde, durften wir noch einmal sondeln. Wir haben tatsächlich einen Ehering mit einer Gravur gefunden.“ Anhand des Datums konnte man feststellen, dass die Eheleute gerade Silberhochzeit gehabt haben müssten. Der Platzwart kannte das Ehepaar und tatsächlich hatte der Mann seinen Ring vor 18 Jahren auf dem Platz in Lindhorst verloren.

„Man erlebt echt so einiges als Sondler.“ Dabei ist Wildhagen erst seit fünf Jahren dabei. „Ehrlich gesagt, weiß ich schon gar nicht mehr, wie ich zu dem Hobby gekommen bin. Ich glaube, es war durch eine Fernsehsendung.“ Der Schatzsucher legte sich einen Metalldetektor zu. „Bei meiner ersten Runde fand ich dann nur Abziehlaschen oder Kronkorken. Da wollte ich fast schon aufgeben.“ Doch Wildhagen blieb hartnäckig, zog noch ein zweites Mal los. In der zweiten Runde war dann direkt ein Goldring dabei. „Seitdem hat mich das Sondeln nicht mehr losgelassen. Es ist das perfekte Hobby, um den Kopf freizukriegen. Ich nenne es auch gerne meditatives Wandern.“ Mittlerweile ist die Begeisterung auf die gesamte Familie übergeschwappt.


Bis zu sechs Stunden am Tag machen sich die Wildhagens dann schon mal auf die Suche. Dabei springen Funde wie ein alter Trachtenknopf, Münzen vielerlei Art, Ringfragmente oder ehemalige Wasserhähne raus. „Das ist wie eine Zeitreise. Nach dem Fund muss man natürlich erst mal rausfinden, was man da gefunden hat. Das ist immer spannend.“

Grundsätzlich verfolgt der Sondler bei seiner Suche kein konkretes Ziel. „Aber eigentlich bin ich ja noch auf der Suche nach dem ehemaligen Kloster hier“, lacht Wildhagen. Dabei kommt er ordentlich rum in Schaumburg: „Es ist unglaublich, was für schöne Flächen wir haben.“ Das Sondeln sei für ihn zum perfekten Hobby geworden: „Ich tue etwas für mich, die Natur, da ich sie vom Müll befreie und für die Leute, da ich verloren geglaubte Dinge wiederfinde.“



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