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Welche Andenken Touristen aus dem Weserbergland mit nach Hause nehmen

Ratte, Rotwein, Regenschirm

Jede Stadt im Weserbergland, die Touristen anzieht, bietet auch Andenken an. Mitbringsel – wie man sie früher nannte. Manche Städte organisieren ihren Souvenirhandel professionell – um sich von anderen abzuheben, ist Kreativität und Witz gefragt.

veröffentlicht am 28.07.2015 um 12:02 Uhr
aktualisiert am 30.07.2015 um 19:11 Uhr

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Der Bad Pyrmonter Sommerhut nennt sich etwa „Kurschattengarantie“. Ein Überblick.

Souvenirs sollen an die schönsten Momente im Urlaub erinnern, an die Städte, die man besucht, die Landschaften, die man bereist hat. Kitsch, der in der Vitrine verstaubt, ist out. Heute, sagen alle Tourismusmanager, verkaufen sich die Souvenirs am besten, die praktisch nutzbar sind oder die man essen und trinken kann. Also Kaffeetassen, Bier- wie Weingläser oder Wurst vom Schaumburger Wild, wie es der Schlossshop in Bückeburg anbietet.

Stadtmarketingmanager aller Städte sagen, solche Artikel müssen im Idealfall drei Bedingungen erfüllen: Hochwertig sollten sie sein, alltagstauglich und von hohem Wiedererkennungswert. Doch keine Regel ohne Ausnahme: In Hameln sind Ratten der Renner. Die Plüschtiere sind eben einfach so süß.

Die Buchhaltung beim Marketingverein Pro Rinteln merkt, wenn es geregnet hat, schildert Christiane Hoffmann im Touristbüro im Bürgerhaus am Marktplatz. Dann steige nämlich der Absatz der „Pro-Rinteln-Regenschirme“ deutlich an. Und die Regenschirme werden auch gerne von der Stadt an offizielle Gäste verschenkt. So gibt es beispielsweise inzwischen viele „Rinteln-Regenschirmträger“ in England, denn so ein Schirm ist das ultimative Geschenk für die Delegationen aus der Partnerschaft Kendal. Was ja auch sinnvoll ist, wenn man überlegt, wie oft es bei den Briten regnet.

Von Bad Pyrmont, Bad Nenndorf über Hameln, Rinteln und Bückeburg: Jede Stadt, die Touristen anzieht, bietet auch Andenken an. Hameln und Rinteln lassen das sogar von eigenen Touristinfos managen. Doch auch gewerbliche Anbieter beweisen auf diesem Gebiet Witz und Kreativität. Wie Thomas Gieselmann in Rinteln, der im „Unikum“ in der Fußgängerzone gleich verschiedene Souvenir-Serien im Angebot hat, von retro („angesagt“ wie er betont) über klassisch bis modern designt. Für eine Collage mit Ansichten vom Marktplatz hat er sogar einen bekannten Zeichner engagiert: „Dieses Motiv gibt es nur exklusiv bei uns.“

Wenn es um Tradition geht, ist ganz klar das Fürstenhaus vorn. Bereits 1925, erzählt Alexander Perl vom Museumsshop des Fürsten in Bückeburg, gab es Postkarten und Führer für das Schloss. Professionell wurde die Sache ab der Jahrtausendwende. Im Jahr 2008 ist dann der neue große Shop im Schloss eröffnet worden. Das Angebot hier ist riesig – von Blumenmalerei über Bücher, tolle Düfte, Kaffee, Keramik, altpreußische Militärmusik, Rotwein (Fürst Schaumburg für 9 Euro, ein Rheinhesse), Seifen aus Florenz bis zu Wildspezialitäten aus dem Schaumburger Wald. Wer einmal die Brücke quert, wird in der „Fürstlichen Hofreitschule“ erneut fündig. Hier gibt es Broschüren (auch auf Englisch und Französisch) und Video-CDs, auf denen man die barocken Reitvorführungen noch einmal in aller Ruhe am heimischen TV-Bildschirm erleben kann. So üppig das Angebot für Andenkenjäger in der Fürstenstadt, so mickrig in Stadthagen. Hier punktet in Sachen Getränke die Schaumburger Brauerei. Dafür kann man zumindest dieses „Souvenir“ gleich kistenweise einpacken und auch Freunde und Bekannte haben beim sommerlichen Grillabend etwas davon.

Souvenirs aus Hameln? Ganz klar, das weiß jedes Kind: Ratten. Wobei die Ratte den Rattenfänger um Längen schlägt, verrät Nicole Titz, unter anderem zuständig für die Souvenirs. Ratten gibt es essbar (aus Brotteig), trinkbar (als Likör), als USB-Stick, Seife, in Plüsch und auf T-Shirts gedruckt. Der Rattenfänger ist selbstverständlich auch erhältlich: als Puppe. Gefragt seien die „magischen Tassen“: Sie sind normalerweise schwarz;füllt man sie mit Tee oder Kaffee, wird die Tasse weiß und es erscheint ein fieses Rattengesicht. Die Leute mögen die „fiese Ratte“, deshalb gibt es dieses Motiv ganz neu in dieser Saison auch auf einer „Ding-dong“-Fahrradklingel.

In Bad Pyrmont denkt man themenbezogen zum Badebetrieb und bietet Gästen ein Saunahandtuch in trendigen Farben an. Und die Tourismusleute haben Witz: Ein eigentlich simpler Sommerhut heißt dort „Kurschattengarantie“. Es gibt ihn für 4,90 Euro. Man beachte die doppelte Bedeutung: Wer den Hut aufhat, kriegt keinen Sonnenstich und wird nicht so schnell übersehen von der flanierenden Damenwelt.

Wer Souvenirs verkauft, ob über ein Touristbüro oder gewerblich, ist meist auf der Höhe der Technik, also mit einer Homepage im Internet vertreten. Dort kann man die Tassen und Taschen und vieles andere gleich bezahlen und sich per Post nach Hause schicken lassen. Auch das Tourismuszentrum Westliches Weserbergland hat dafür einen neuen Internetshop mit vielen Angeboten.

Für Reisende mit dem Rad sicher praktisch. Ein Liegestuhl aus Rinteln („hier liegen Sie richtig“) oder aus Bad Pyrmont ist wohl etwas zu sperrig für den Fahrradgepäckträger. Doch bleibt die Frage: Geht da nicht der gewisse Charme verloren, direkt am Urlaubsort fündig geworden zu sein und das edle Stück gleich mitzunehmen?

Souvenirs gibt es für jeden Geldbeutel und Geschmack, vieles findet man abgewandelt und mit dem entsprechenden Logo verziert in jeder Stadt wieder. Universell sind nicht nur Tassen und Gläser, auch Schlüsselanhänger, Stadtwappen zum Aufkleben fürs Auto, Schirmmützen, Schürzen, Flaschenöffner, Taschen und Kugelschreiber, Feuerzeuge, T-Shirts („I love ... hier wahlweise die Stadt einsetzen). Brotdosen wie Trinkflaschen entdeckt man so gut wie überall in vielen Formen und Farben.

Manches Souvenir ist auch für spezielle Zielgruppen gedacht. Einen Stocknagel kaufen sicher nur Wanderer – wer sonst?

Und es gibt tatsächlich noch Dinge, die aus dem Rahmen fallen und überraschen: So hat der Juwelier Cornelis Klöpper für die Dinostadt Obernkirchen einen kleinen Dino aus Silber kreiert, zu tragen an einer Kette am Hals oder als Brosche. Im Erlebnispark „Steinzeichen“ in Steinbergen kann man sich sein Souvenir sogar selbst ausbuddeln: Haifischzähne oder kleine Edelsteine.

Der Museumsladen in Wiedensahl bietet, man errät es, Wilhelm Busch in allen Varianten an: Poster, Postkarten, Spiele, Figuren, Porzellan. Dazu Bioweine. Sicher wird auch damit das Thema nicht verfehlt. Der Max-und-Moritz-Zeichner war einem guten Tropfen nicht abgeneigt, wie man einem Zitat entnehmen kann: „Wer als Wein- und Weiberhasser jedermann im Wege steht, der esse Brot und trinke Wasser, bis er daran zugrunde geht.“

Souvenirs übernehmen Bilder, die in den Köpfen schon da sind. Sie verstärken die Ansichten und Symbole, die man meist auch auf der Kamera oder dem Smartphone vom Urlaubsort mit nach Hause nimmt. Und jede Stadt nutzt Souvenirs auch dazu, um ihr Image aufzupolieren – auch als Identitäts-Kitt für die eigenen Bürger, zur Stärkung des „Wir-Gefühls“.

Der Klassiker für Bildungsbeflissene, der Bildband, ist ein bisschen aus der Mode gekommen. Nur im Dezember, beim Weihnachtszauber im Bückeburger Schloss, steige der Bücherumsatz immer rapide an, erzählt Alexander Perl.

Ein Sonderfall sind Postkarten. Bei vielen Motiven kann man nur auf einen kreativen Fotografen hoffen, der die Besonderheiten einer Stadt neu wertet. Denn manche der angebotenen Postkarten sind, freundlich ausgedrückt, etwas altbacken und eher uninspiriert abgelichtet. Oft auch nicht aktuell. Beispiel Rinteln: Die „Brissago“ fährt schon nicht mehr auf der Weser und auch das „Alte Museum“ hat inzwischen ein neues Gesicht.

Die wahren Scheußlichkeiten, der Nippes, der Totalkitsch, ist wohl ausgestorben. Oder hat tatsächlich noch jemand so einen unsäglichen Wackeldackel im Angebot, eine dämlich grinsende Winkekatze, den Gartenzwerg mit Stadtlogo auf der Mütze und heruntergelassener Hose? Wir haben nichts davon gefunden.



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