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Bei einem Scharmützel vor der Reheburgk – so wird es in Rehburg erzählt – habe der Graf zu Schaumburg um 1320 seinen Dolch verloren. Das gute Stück verschwand, wurde in den Fünfzigern wieder gefunden, dem Fürsten zu Schaumburg-Lippe ausgehändi

Rätsel um den Dolch des Fürsten

Dem Dolch wird einige Ehre zuteil in dem Heimatmuseum am Steinhuder Meer. Einen besonderen Platz auf blauem Samt bekommt er in den neuen Vitrinen, die der Bürger- und Heimatverein angeschafft hat. Er ist aber auch ein wirkliches Prunkstück in der Sammlung – das sehen der Vorsitzende des Vereins, Fritz Mackeben und sein Stellvertreter Friedrich Kloth beide so. „Und eigentlich gehört er hier richtig hin“, sagt Jens Berthold. Der Kommunalarchäologe der Schaumburger Landschaft hat sich bei Alexander zu Schaumburg-Lippe in Bückeburg dafür eingesetzt, dass der Dolch als Leihgabe nach Rehburg geht, und das Verdienst der Möglichmachung seiner Rückkehr schreiben Mackeben und Kloth alleine Berthold zu.

veröffentlicht am 03.07.2014 um 00:00 Uhr

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Die Umstände der Rückkehr sind also eindeutig. Nicht so eindeutig hingegen ist die Vorgeschichte zu diesem Dolch. Als in den Jahren 1955 bis 1958 der Steinhuder Meerbach im Zentrum Rehburgs kanalisiert wurde, soll ein Teenager – der Sohn des Försters, der direkt nebenan lebte – den Dolch im Abraum gefunden haben. Rehburgs Heimatforscher August Lustfeld wurde darauf aufmerksam, irgendwo wurde wohl in der Presse darüber berichtet und der Fürst zu Schaumburg-Lippe muss auf diesen Artikel aufmerksam geworden sein. Denn dort war die Rede von den Wappen, die auf der Dolchscheide zu sehen sind: zweimal das Schaumburger Nesselblatt. Daraus wurde gefolgert, dass Dolch und Scheide wohl Eigentum der Schaumburger sein müssten und so landeten sie in Bückeburg, wo sie neben vielen anderen Ausstellungsgegenständen zu sehen waren.

Die davor liegende Geschichte geht jedoch noch mehr in den Bereich der Spekulation. Gesichert ist, dass die Reheburgk – die kleine Burg neben dem Meerbach, aus der die Stadt Rehburg hervorgegangen ist – den Welfen und den Schaumburgern im 14. Jahrhundert ein Dorn im Auge war. Im Jahr 1320 vereinbarten Graf Adolf VII. von Schaumburg und Herzog Otto von Braunschweig-Lüneburg innerhalb ihres Krieges gegen das Stift Minden, dass der Herzog die Reheburgk, der Graf die etwas weiter entfernte Kranenburg brechen sollten. Das Vorhaben an der Kranenburg gelang wohl – die Reheburgk hingegen blieb bestehen.

Die Verbindung zwischen dem Dolch, der über Jahrhunderte im Meerbach lag, und diesem kriegerischen Begehren der Welfen und der Schaumburger liegt in den weiteren Siegeln, die auf der Dolchscheide zu sehen sind. Nicht nur das Schaumburger Nesselblatt prangt dort nämlich, sondern auch der steigende Löwe – das Wappen der Braunschweiger. So könnte also dieser Dolch auf die gemeinsame Aktion der beiden Adelsgeschlechter hinweisen.

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Ob es sich allerdings, wie in Rehburg gerne erzählt wird, um den Dolch des Grafen selbst handelt, zieht Jens Berthold zumindest in Zweifel. Ein Messer, sagt er, habe zu jener Zeit eigentlich jeder mit sich getragen. Dass dieses Messer wegen der reichen Verzierung der Scheide, wegen der Wappen und des Maßwerks an der Spitze schon einer höher gestellten Persönlichkeit gehörte, davon geht der Archäologe aus. Die schöne Geschichte von dem Grafen, der vor der Reheburgk kämpft und dem der Dolch aus der Hand geschlagen wird, um im Meerbach zu versinken – die dürfte sich allerdings so nicht zugetragen haben. Das, sagt Fritz Mackeben, zeige doch allein die Tatsache, dass der Dolch in der Scheide gefunden wurde. Zum Kämpfen habe der Träger den Dolch doch heraus ziehen müssen.

Diese Rätsel werden wohl allesamt nicht gelöst werden. Wer den Dolch jedoch selbst sehen möchte, kann jeweils sonntags, in der Zeit zwischen 15 und 18 Uhr, das Rehburger Heimatmuseum aufsuchen. Der Steinhuder Meerbach, in dem der Dolch vor rund 60 Jahren wiedergefunden wurde, ist nur wenige Meter von dem Museum entfernt.

Und aus der Reheburgk ist mittlerweile das Rathaus der Stadt Rehburg-Loccum geworden.

Auf blauem Samt im Heimatmuseum: Der Dolch samt Scheide, der vor rund 60 Jahren im Rehburger Meerbach gefunden wurde, kann in Rehburg besichtigt werden. Der steigende Löwe auf der Dolchscheide könnte auf die gemeinsame Unternehmung der Welfen und der Schaumburger, die Reheburgk zu Fall zu bringen, hinweisen. Heute ist in der Reheburgk das Rathaus der Stadt Rehburg-Loccum untergebracht.

ade (4)



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