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Der Zaunkönig ist ständig in Bewegung / Schnee und Eis bereiten dem lebhaften Vogel Probleme

Putziger Krachmacher

Im Unterholz huscht ein mausbraunes Tierchen den Reisighaufen hinauf. Das ist aber keine Maus – es ist ein winzig kleiner Vogel. Mit aufgestelztem Schwanz und hochgestelltem Schnabel schmettert der Winzling sogleich eine heftig laute Gesangsstrophe von seinem Sockel. Allein die Lautstärke ist unglaublich. Es ist der Zaunkönig.

veröffentlicht am 04.12.2018 um 12:15 Uhr

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Autor:

Andreas Barkow
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Es ist kalt im Wald. Aber nicht ungemütlich. Neben dem Knirschen der eigenen Schritte ist das Klopfen des Buntspechts zu hören. Mit kräftigen Schnabelhieben prüft er, ob in dem dicken abgestorbenen Ast Beute versteckt sein könnte.

Schon Tiervater Brehm schrieb darüber in seinem berühmten „Tierleben“: „Die Töne sind so stark und voll, dass man erstaunt ist, wie ein so kleiner Vogel sie hervorbringen kann. In den Wintermonaten macht dieser Gesang einen außerordentlichen Eindruck auf das Gemüt des Menschen.“ Vielleicht ist es das Zusammenspiel von zwei unerwarteten Dingen: dem winterlichem Gesang und der Lautstärke, die so ein kleiner Vogel erzeugen kann.

Mit etwa drei Millionen Brutpaaren in Deutschland und davon allein durchschnittlich 600 000 in Niedersachsen ist die kleine rötlich-braune Vogelart über ganz Deutschland verbreitet und kaum irgendwo selten – und doch längst nicht so bekannt wie der Star, die Blaumeise oder der Haussperling. Keine dieser Arten ist signifikant häufiger in Niedersachsen als der Zaunkönig.

Und doch hat auch der Zaunkönig seinen Bekanntheitsgrad. Das liegt zum einen sicherlich an seinem putzigen Aussehen und lebhaften Verhalten. Der Zaunkönig ist ständig in Bewegung und hüpft rastlos durch das dichte Geäst im Unterholz. Selten fliegt er einmal eine etwas längere Strecke, außer vielleicht im Reich der Fabeln und Märchen, wo ihn die Brüder Grimm zudem als etwas listigen und geltungssüchtigen Vogel darstellen: Er erhielt demnach seinen Namen, indem er durch List höher zu fliegen vermochte als der Adler, und zwar mehr aus Spott und Hohn als durch wahre Anerkennung durch die anderen Vögel.

An den winterlichen Vogelfutterhäuschen ist der Zaunkönig nur selten zu Gast. Außer an einigen saftigen Beerenfrüchten im Sommer ist der Zaunkönig ganzjährig an tierischer Kost interessiert. Spinnen, Mücken, Ohrwürmer, Weberknechte, Raupen, Wanzen und so weiter. Auch im Winter. Das führt dazu, dass die Population in manchen Eis- und Kältewintern regelrecht zusammenbrechen kann. Bis zu 80 Prozent der Zaunkönige können in solchen Extremwintern sterben. Wenn der Boden unter einer dicken Schneeschicht liegt und – noch schlimmer – Eisregen den Zugang zu Insekten auch an Borke und Pflanzenstängeln verwehrt, müssen viele Zaunkönige verhungern.

600 000 Brutpaare gibt es allein in Niedersachsen

Mit den kurzen, gerundeten Flügelchen ist der Zaunkönig nicht gerade ein Meisterflieger. Zwar ist er wendig im Wald und manövriert sehr geschickt in dichtem Geäst, aber große Zugstrecken legen Zaunkönige nicht freiwillig und ohne Not zurück. Dennoch müssen die nordeuropäischen Brutvögel, zum Beispiel aus Skandinavien den harschen Winterverhältnissen in ihren Brutgebieten ausweichen. Sie finden dann in Mitteleuropa Winterquartier. Das führt dazu, dass bei uns im Winter oft sehr viele Zaunkönige zu beobachten sind. Dann sind neben „unseren“ Standvögeln auch die Gäste aus Skandinavien in den Wäldern, Gärten und Parks zu beobachten. Vielleicht kennen Sie auch selbst Orte, an denen Sie häufig vorbeikommen und wo im Winter auf einmal ein Zaunkönig singt, der dort im Frühling gar kein Revier hat? Das ist ein guter Hinweis auf einen Überwinterungsgast.

So putzig die kleinen, rotbraunen Federkugeln auch aussehen mögen – die Männchen sind gegenüber Artgenossen überhaupt nicht gastfreundlich. Im Gegenteil, auch im Winter halten die Standvögel an ihren Revieren fest und verteidigen diese. Schließlich bauen sie dort im Frühjahr ihre kunstvollen Nester und wollen sich mit möglichst vielen Weibchen paaren. Aber auch die nordischen Gäste beanspruchen im Winter ein regelrechtes Revier – zumindest die Männchen. Und das wird lautstark verkündet und zwar mit schmetterndem Gesang.

Und da wären wir wieder am Anfang der Geschichte. Mich würde jetzt nur interessieren, ob der Sänger im Schaumburger Wald nun ein nordischer Gast, vielleicht aus Schweden oder Finnland, oder ein Schaumburger Brutvogel ist, der hier auch im Frühling sein Revier noch halten wird. Da der Vogel keinen Ring trägt, der seine Herkunft klären könnte, bleibt mir nur abzuwarten, ob der Sänger auch im März noch an Ort und Stelle zu hören ist.

Seine speziellen Ansprüche an Nahrung und Lebensraum machen den Zaunkönig übrigens zu einem guten Indikator für naturnahe Gärten. Nur dort, wo dichtes Unterholz, Hecken und Büsche, Holzstapel oder aufgeschichtete Laubhaufen auf Reisig zu finden sind, fühlt sich der Zaunkönig heimisch. Er muss über das ganze Jahr Insekten und andere animalische Kost finden können. Heimische Gehölze, Efeu an Hauswänden, Gestrüpp und Wildwuchs wirken auf den Zaunkönig einladend. Ist der Zaunkönig im Garten als Brutvogel oder Überwinterer zu Gast, so zeigt er damit auch an, wo es ökologisch zugeht. Denn auf Marmor, Stein und Rollrasen findet der Zaunkönig keine Nahrung.

Information

Steckbrief

Der Zaunkönig ist klein und lebhaft, misst von der Schnabel- bis zur Schwanzspitze etwa zehn Zentimeter und ist nur zehn Gramm leicht. Das entspricht zwei Blatt Papier. Auffällig sind die fast immer gestelzten, kurzen Schwanzfedern. Die Oberseite ist rötlich-braun, die Unterseite heller braun mit Querbänderung. Über dem braunen Auge ist ein heller Überaugenstreif auffällig. Der Zaunkönig wurde früher lokal auch „Schneekönig„ genannt, da er auch im Winter lebhaft singt. Davon leitet sich auch die Redensart „sich freuen wie ein Schneekönig“ ab. In den Niederlanden wird er „Winterkoninkje genannt Nach den Wintergoldhähnchen und den Sommergoldhähnchen ist der Zaunkönig der drittkleinste Vogel Europas. Er bewohnt Wälder mit dichtem Unterwuchs, liebt Schlupfwinkel und hat gerne Gewässer in der Nähe. Ein Garten, in dem der Zaunkönig vorkommt, ist ein guter Hinweis auf naturnahes Gärtnern.



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