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Maler und Grafiker wurde vor 150 Jahre geboren

Otto Heichert ließ sich auch vom Schaumburger Land inspirieren

Der große Maler und Grafiker Otto Heichert wurde am 27. Februar 1868 in Kloster Gröningen nahe Halberstadt geboren. Fast 45 Jahre seines Lebens verbrachte er seine Urlaube in Nammen und hinterließ Spuren. Seine Inspiration fand er bei seinen Exkusionen in den Bergdörfern bis ins Schaumburger Land.

veröffentlicht am 26.02.2018 um 17:56 Uhr
aktualisiert am 26.02.2018 um 18:50 Uhr

Das Ölbild „Hof-Idylle auf dem Meierhof“, von Otto Heichert Ende der Dreißigerjahre des vergangenen Jahrhunderts gemalt (im Vordergrund), vor dem noch heute gut erhaltenen Original, dem früheren Backhaus, das heute als Holzlager dient. Foto: Kurt Röm

Autor:

Kurt Römming
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Ein großer Maler seiner Zeit wäre in diesem Monat 150 Jahre alt geworden: Otto Heichert. Er, der am 27. Februar 1868 in Kloster Gröningen nahe Halberstadt geboren wurde und an den Kunstakademien in Düsseldorf und Paris Malerei studierte, war über vier Jahrzehnte ein gern gesehener Sommergast in Nammen. Zwischen 1897 und 1940 war er immer wieder hier, hat viele Freundschaften geschlossen, alle Jahre zog es ihn zur Porta hin. Er holte sich im Bergdorf und in der Region, häufig auch im Schaumburger Land, manche Inspiration für sein künstlerisches Schaffen und hat Nammer Familien Ölbilder und Bleistift- oder Kreidezeichnungen hinterlassen.

Erstmals verschlug es den damals in Düsseldorf ansässigen Maler 1895 zum Kuren nach Bad Nammen. Er verliebte sich in den Ort und seine Bewohner und nahm danach regelmäßig Quartier im Hause Haase (heute Reineking/Schulze) hoch oben am Nammer Berg. Die Gefache des damaligen Fachwerkhauses waren mit Porträts und Landschaftsbildern bald bunt ausgemalt. Aus dem Jahr 1898 stammt auch das hier bekannte Gemälde „Alte Nammer im Lohkrug“, das in Original in einem Berliner Museun hängt. Er hinterließ weitere Ölbilder und Zeichnungen mit heimischen Motiven, die er meist an Freunde im Dorf verschenkte. Als eines seiner letzten Werke hat er hier Ende der Dreißigerjahre das 110 mal 130 Zentimeter große Ölbild „Hof-Idylle auf dem Meierhof“ geschaffen, das im Hofbesitz ist. „Prange’n Oma beim Kartoffelschälen“ und verschiedene Charakterbilder mit Handwerkern aus dem Ort vermachte er anderen Familien. Manches brachte er auf Papier und nahm es als Grundlage mit für die Arbeit mit seinen Studenten an der Königlichen Königsberger Kunstakademie, an der mit 34 Jahren eine Professur erhalten hatte.

Wenn der rauschebärtige Otto Heichert nach seiner regelmäßigen Urlaubsankündigung bei Haase’n Meume, seiner Wirtin, die in Nammen Hebamme war, auftauchte, wiederholte sich immer ein festes Ritual: Er stellte sich oben auf den Foßbrink und rief mit fester Stimme ins Dorf hinunter: „Der verrückte Maler ist wieder da.“ Meist barfuß laufend, sah man ihn dann auf seinen Exkursionen im Ort und in der näheren Umgebung, häufig führten sie ins Schaumburg-Lippische hinein. Allen gegenüber war er aufgeschlossen. So entstanden hier viele Freundschaften, die sich manchmal in einem späteren handgemalten postalischen Silvestergruß ausdrückten. Ältere Nammer, so Willi Vogt vom Meierhof, erinnern sich noch an ihn.

„Deerberg’s Wilhelm bist Du Upe? (bist Du auf?) hat Otto Heichert unter die Bleistiftzeichnung geschrieben, die Freund und Landwirt Wilhelm Deerberg – den Urgroßvater des Berichtsverfassers – bei einer nebenberuflichen Tätigkeit, dem „Fallenmachen“,
  • „Deerberg’s Wilhelm bist Du Upe? (bist Du auf?) hat Otto Heichert unter die Bleistiftzeichnung geschrieben, die Freund und Landwirt Wilhelm Deerberg – den Urgroßvater des Berichtsverfassers – bei einer nebenberuflichen Tätigkeit, dem „Fallenmachen“, zeigt. Foto: Kurt Römming
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Im Jahr 1912 erhielt der Königsberger Kunstprofessor den kaiserlichen Auftrag, an der Giebelwand der Friedrichschul-Aula im ostpreußischen Gumbinnen (heute Gusew, Russland) das Fresko „Empfang eines Salzburger Emigantenzuges (Evangelische) durch König Friedrich Wilhelm I.“ zu erstellen. Zu dem Zeitpunkt hatte er in Insiderkreisen bereits einen festen Namen. Das damals in der Größe von 16 Metern Länge und 8 Metern Höhe geschaffene und 2008 von russischen Restauratoren wiederentstandene monumentalste Werk des Malers und Grafikers in seinen mehr als sechzig Künstlerjahren, in dem er sich in einem Selbstporträt verewigte, machte ihn auf einen Schlag einer breiten Öffentlichkeit bekannt und berühmt. Otto Heichert bekam für seine Werke bei den Kunstausstellungen 1895 in Berlin und 1904 in Dresden und bei der der Weltausstellung 1900 in Paris Goldmedaillen.

Sein Vater war Hausmeister im Kloster Gröningen. Um 1872 verzog die Familie Heichert mit vier Kindern nach Magdeburg. Dort fiel Sohn Otto in seiner Schulzeit bereits früh durch sein zeichnerisches Talent auf und kam, vermutlich gefördert, schon 1882 mit 14 Jahren an die Düsseldorfer Malerakademie. Als Meisterschüler von Wilhelm Sohn reifte sein Malstil zu der Darstellung von Alltagssituationen und zur Bildnismalerei. So erhielt er bereits 1894 die Studienzulassung zur „Académie Julian“ in Paris.

1902 folgte er dem ehrenvollen Ruf als Professor der Ostsee-Akademie in Königsberg. Vor allem Szenen aus dem ländlichen Milieu beschäftigten Heichert. Inspirieren ließ er sich unter anderem bei den sich immer wiederholenden Sommeraufenthalten in Nammen. Auch ein Auftragsporträt des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg fällt in seine Königsberger Zeit.

Der Kunstsammlung der Stadt Königsberg vermachte Heichert sein bekanntes „Ora et labora“. Werke von ihm sind auch im Besitz der Berliner Nationalgalerie und von Museen in Düsseldorf und Antwerpen. Seit 1923 lebte der bekannte Künstler mit seiner Familie in Berlin. Seine letzten Jahre verbrachte er in Oberbayern. Gestorben ist er 78-jährig am 22. März 1946 in Oberschönau nahe Berchtesgaden.

Sein künstlerisches Talent hatte Otto Heichert auch seiner Tochter vererbt. Eine Ausstellung ihrer Gesamtwerke um die Jahrtausendwende in einer Münchener Galerie ist leider komplett von einem vermögenden Investor erworben worden und nach China gegangen.



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