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Hauswirtschafts-Crashkurs bei den Landfrauen - die Dewezet kocht mit

Ohne Mama klappt es auch

„Klar habe ich schon mal einen Kuchen gebacken“, sagt unser Mitarbeiter Michael Zimmermann: „Backmischung auf, einmal durchmixen, in den Ofen, fertig.“ Dass ein Biskuitteig für eine leckere Torte aber keine Hexerei ist und Rotkohl selbst gemacht viel besser schmeckt – für diese Erkenntnisse mussten den Stadtjungen erst die Landfrauen unter ihre Fittiche nehmen.

veröffentlicht am 17.11.2015 um 19:28 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:58 Uhr

Michael Zimmermann

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Ich stehe mit einer rot-weiß-karierten Kochschürze im Keller der Elisabeth-Selbert-Schule in der Hamelner Thibautstraße. Hier in der Schulküche sollen mir drei Fachfrauen der Landfrauen aus den Kreisverbänden Hameln und Springe in den kommenden Stunden Koch- und Haushaltstipps geben. Das Angebot richtet sich an junge Leute, die gerade aus dem Hotel Mama aus- und in ihre erste eigene Wohnung eingezogen sind – aber auch an alle anderen, die sich für neue Küchentricks interessieren.

Seit mehr als zehn Jahren lebe ich schon nicht mehr in meinem Elternhaus. Darum bin ich gespannt, was ich heute Abend noch dazulerne. Ein paar Sachen in der Pfanne zusammenwerfen – das kann ich ganz gut. Mit Hausmannskost tu ich mich da etwas schwerer.

Um zehn Uhr wird die Schule abgeschlossen, darum muss es schnell gehen. Außer mir sind noch acht Frauen in verschiedenen Altersgruppen und ein anderer Mann in meinem Alter mit von der Partie. Zusammen kochen wir heute Abend ein Menü. Wir werden in die verschiedenen Kochnischen eingeteilt. Ich lande in der Rotkohlgruppe bei Karen Marahrens-Lücke, die uns mit der Ansage „Wer mit dem Kochen anfängt, wäscht sich die Hände!“ zunächst einmal an die Waschbecken schickt. Ein bisschen mulmig ist mir schon. Der einzige Rotkohl, den ich bisher zubereitet habe, ist der aus dem Glas. Und damit bin ich eigentlich ganz gut gefahren.

Zwiebeln schneiden für den Rotkohl: Im Hauswirtschafts-Crashkurs lernt Autor Michael Zimmermann selbst bei elementaren Küchenarbeiten noch Tricks dazu. Dana

Respekt vor dem Dampfdrucktopf

Mit mir in der Gruppe sind Kerstin, Philine und Arndt. Jeder darf mit ran. Äpfel, Zwiebeln und der Kohlkopf müssen klein geschnitten werden. Auch wenn Karen mir versichert, dass die roten Finger „in zwei, drei Tagen wieder weggehen“, entscheide ich mich gegen den Rotkohl und für die Zwiebeln. Entweder kann ich das schon richtig gut, oder ich habe einfach nur Glück – ich muss jedenfalls nicht weinen. Durch die Arbeitsteilung in der Gruppe sind wir mit dem Schneiden nach wenigen Minuten fertig. Eine ganze Zwiebel haben wir zur Seite gelegt, die wir jetzt noch mit Lorbeerblättern und Nelken spicken. Nach dem Garen kann die dann in einem Stück wieder rausgeholt werden.

Wir probieren zwei Varianten aus: Eine Hälfte der Zutaten wird in den Schnellkochtopf geworfen, die andere in den normalen. Zeitersparnis mit der Schnellvariante: eine halbe Stunde. Vor dem Dampfdrucktopf haben wir alle eine Menge Respekt, doch Karen beruhigt uns. Eigentlich könne da nichts passieren, wenn wir nicht versuchen, den Deckel unter vollem Druck zu öffnen.

Nebenan quillt der Suppentopf fast mit verschiedenen Gemüsesorten über. Der Duft der Brühe zieht schon verführerisch in unsere Richtung. Auch die Schmorbratengruppe ist schon erstaunlich weit. Allerdings ist der Braten auf dem Herd inzwischen enttäuschend geschrumpft.

Meine Gruppe kümmert sich unterdessen um die Mokkatorte. Karen erklärt uns, dass ein Biskuitteig immer einen warmen Backofen mag, wir also erst einmal vorheizen müssen. Zu Hause habe ich nicht einmal einen Backofen in der Küche, umso mehr interessieren mich die Geheimnisse der Tortenproduktion. Ich erfahre, dass man den besten Vanillezucker einfach selbst machen kann, indem man die Schoten ein paar Monate in Zucker einlegt, und dass Eier ein gutes Treibmittel für den Teig sind: Je mehr Eier ich benutze, umso weniger Backpulver brauche ich.

In der Nachbargruppe wird bereits die Gemüsebrühe abgezogen, wir messen Mehl und Zucker ab. Auch hier gibt es wieder wertvolle Tipps: Messbecher sind viel zu ungenau, mit der Waage macht man am wenigsten falsch.

Auf den nächsten Teil habe ich mich schon den ganzen Abend gefreut: Nachdem das Gelbe und Weiße der Eier voneinander getrennt worden sind, darf ich den Eischnee mit dem Mixer bearbeiten. Der Schnee wird schnell fest und tropft, wie es sich gehört, nicht aus der Schüssel, wenn ich sie umdrehe. Dann mache ich doch noch einen Fehler, den Karen auch sofort bemerkt: Der Rührstab wird nicht an der Schüssel abgeklopft, sonst fällt die schaumige Masse wieder in sich zusammen. Nachdem Mehl, Zucker, Eigelb und Stärke behutsam mit dem Schnee vermengt wurden, ist der Teig auch schon fertig und kann in die Springform, deren Rand auf keinen Fall eingefettet darf. Sonst steigt er nicht so gut hoch. Gut 25 bis 30 Minuten muss der Teig jetzt in den Ofen. Auch hier weiß Karen einen guten Rat: „Wenn man die Hand drauflegt und er sich wie Watte anfühlt, ist er gar.“

Am besten lagert der Teig noch ein wenig ab, damit er sich sauberer schneiden lässt. Wir haben aber keine Zeit, darum holen wir einen vorbereiteten Teig aus dem Schrank. Wir versuchen, ihn mit einem Bindfaden zu schneiden – der leider viel zu dünn ist. Wahrscheinlich eignet sich neutrale Zahnseide viel besser. Uns bleibt nur das Messer. Unsere Tortenböden sind ein wenig bröselig – was mir aber überhaupt nicht aufgefallen wäre. Zwischendurch erklärt mir Annegret Fürstenau vom Kreisverband Springe noch rasch Feinheiten der Waschmaschinenpflege. Dass ich ab und an mal mit 90 Grad waschen sollte, wusste ich vorher nicht. Davon, helle und dunkle Wäsche zu trennen, habe ich zumindest schon einmal gehört.

Wände verputzen kann ich besser

Zurück zur Torte: Meine Teamkollegen haben inzwischen schon die mit Kaffee und Kakao vermischte Sahnecreme geschlagen, jetzt darf ich sie um unseren Biskuitteig schmieren. Sahnemasse auftragen fühlt sich ein wenig an wie Wand verputzen. Wahrscheinlich käme ich mit einem Spachtel auch besser klar als mit einem spitzen Messer. Ein Konditor wird so schnell wohl nicht aus mir. Karen spachtelt sicherheitshalber noch einmal nach.

Nur gut zwei Stunden nach Beginn des Kurses sind alle Kochgruppen fertig. Wir decken gemeinsam die Tafel im Nebenraum. In geselliger Runde wird darüber gefachsimpelt, wie man Rotkohlreste am besten einfriert oder einkocht. Ich versuche, mir alles zu merken, denn einen ganzen Kohlkopf könnte ich allein auch gar nicht verbrauchen – und der selbst gemachte schmeckt definitiv deutlich besser als der aus dem Glas. Ulli Bruns aus Klein Süntel, die sich um den Braten gekümmert hat, stimmt mir zu. Vor allem der Rotkohl mit den Preiselbeeren ist für sie „das Geilste überhaupt“.

Der Abend neigt sich dem Ende zu. Mit vollen Mägen müssen wir jetzt nur noch aufräumen und abwaschen. Was übrig bleibt, wird verteilt. Ich staube noch zwei Stück Torte ab, für die natürlich schon eine leere Margarinedose bereitsteht. Das Frühstück für den nächsten Morgen ist gesichert.

Die nächsten Kurse der Landfrauen: Dienstag, 26. Januar., 17 bis 22 Uhr und Samstag, 5. März, 9 bis 14 Uhr. Die Teilnahme kostet 20 Euro. Kontakt und Anmeldung bei Ilsemarie Heine, 05042/51611, ilsemarie.heine@gmx.de oder Susanne Conrad-Meyer, 05156/98008, meyer_herkensen@t-online.de.



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