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2017 gab es 988 Gewerbeanmeldungen

Neu am Markt: Wieder mehr Gründer in Hameln-Pyrmont

HAMELN-PYRMONT/HOLZMINDEN. Bundesweit schrumpft die Lust am Unternehmertum: 2017 wurden in Deutschland 80 394 weniger Gewerbeanmeldungen abgegeben als noch 2012. Die jüngste Entwicklung im Kreis Hameln-Pyrmont zeigt, dass die Zahl der Gewerbeanmeldungen bis Ende 2017 mit 988 Anmeldungen um 53 gegenüber 2016 wieder nach oben ging, die Gründer im Kreis Hameln-Pyrmont derzeit also gegen den Trend schwimmen.

veröffentlicht am 29.09.2018 um 11:30 Uhr

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Autor:

Teja Banzhaf und Karen Klages
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Bezogen auf die Gewerbeanmeldungen gab es hier bis Ende 2017 rund 67 Firmengründer je 10 000 Einwohner. Das ist Platz 297 in der Gründerbundesliga unter 403 ausgewerteten Stadtstaaten, Stadt- und Landkreisen. Rechnen wir in Punkten, dann hatte der Spitzenreiter Offenbach am Main 174 Punkte (Vorjahr: 183 Punkte) und das neue Schlusslicht Kreis Altenburger Land rund 38. Im Landkreis Holzminden gab es – allerdings ist dies die Zahl aus 2016 – 39,8 Gründungen pro 10 000 Einwohner.

Der Gründergeist ist in Deutschland gut messbar; denn am Anfang eines etwaigen unternehmerischen Erfolges steht die Gewerbeanmeldung (nur Freiberufler brauchen die nicht). Über sie wird die gewerbliche Entwicklung im Vergleich zu anderen Staaten recht genau erfasst. Aktuell liegen in der von den Statistischen Landesämtern betriebenen Regionaldatenbank die Zahlen aus den Gewerbeämtern bis zum 31. Dezember 2017 vor. In Hameln-Pyrmont lautet die Zeitreihe bei den Gewerbeanmeldungen 2017: 988 Anmeldungen, 2016: 935, 2015: 999 Gründungen, 2014 wagten noch 1092 Personen den Schritt in die Selbstständigkeit. Viel wichtiger als die Statistik, sind aber letztlich die Erfolgschancen der Gründer, die sich am Ende in Arbeitsplätzen, lokaler Wirtschaftskraft und interessanten Unternehmen niederschlagen. Dafür schätzen die Statistiker die Chancen der Gründung ab, soweit das möglich ist: 2017 bekamen von den 988 Gewerbeanmeldungen in Hameln-Pyrmont insgesamt 837 das Prädikat ‚Neuerrichtungen‘, womit Gewerbe beschrieben werden, die es hier vorher noch nicht gab. In denen wiederum wurden 192 als ,Betriebsgründungen‘ eingestuft, denen die Experten eine größere wirtschaftliche Bedeutung beimessen, weil sie meinen, dass diese Firmen auf Sicht wirtschaftlichen Erfolg und Arbeitsplätze bringen. 2016 hatte deren Zahl bei 159 gelegen. Diese besonders wichtigen Gründungen lagen 2017 in Hameln-Pyrmont also um 33 höher als im Vorjahr.

Die Statistik erfasst aber auch die Gewerbeabmeldungen – und davon gab es hier im vergangenen Jahr 856. Nur 722 waren 2017 ‚echte Aufgaben‘, aber von diesen wiederum waren nur 176 sogenannte ‚Betriebsaufgaben‘, bei denen auch von größeren Arbeitsplatzverlusten auszugehen ist. Dagegen steckten in den Abmeldungen auch 60 Betriebe, die an Nachfolger oder Käufer übergeben wurden, also bei den Anmeldungen größtenteils wieder auftauchen und bei denen unterm Strich die Arbeitsplätze nicht unbedingt verloren gegangen sind. Ziehen wir die 856 Gewerbeabmeldungen von den Gewerbeanmeldungen ab, blieb 2017 ein Gründersaldo von plus 132 Gründern, die Hoffnung auf zusätzliche Jobs machen.

Information

Tipps für Gründer

Für Start-ups und Jungunternehmer stellt sich die Frage: Wie und wann wird aus einer Idee eine Innovation? Antworten darauf gibt Fred Keßler, M.BC. und CEO Innovationsleaders Academy & Business Consulting GmbH am Montag, 1. Oktober, in der Hochschule Weserbergland, bei seinem Vortrag. Erste Tipps hat er im Interview.

Herr Keßler, was ist ein Start-up?
Fred Keßler: Ein Start-up ist eine Wortschöpfung irgendwelcher Unternehmensberater, die die peinliche Situation beschreibt, dass es Menschen mit einer Idee gibt, die keine Ahnung davon haben, wie sie sie in ein wirtschaftlich verwertbares Geschäftsmodell verwandeln und daher teures Kapital und noch teurere Hilfe benötigen. Das mag zynisch klingen, ist aber die Realität. Unternehmer müssen mehrere Kompetenzen vereinen, um ein Unternehmen erfolgreich gründen und führen zu können.

Was ist zuerst da: die Idee oder schon ein konkretes Produkt?
Leider zeigt die Praxis, dass überwiegend Ideen da sind, wenn gegründet wird. Die zentrale Frage ist nicht Idee, Produkt oder gar Innovation! Vielmehr geht es darum, die Idee zu Ende zu denken und den Kunden im Blick zu haben.

Welche Risiken bestehen bei der Gründung eines Unternehmens?
Haufenweise! Das erste und wichtigste Risiko ist, die Arbeit und die Zeit zu unterschätzen, die in die Gründung und den Betrieb eines jungen Unternehmens gesteckt werden müssen. Das zweite und meist verkannte Risiko ist es, einen Innovationspreis zu erhalten und dann zu glauben, die Welt würde einen nun „leerkaufen“. Die Welt gibt gar nichts auf derartige Preise. Erst, wenn eine Neuerung gefunden, verkauft und genutzt wurde, ist es eine Innovation. Das weiß man leider immer erst hinterher. Damit ist das dritte und größte Risiko induziert – der Verkauf. Den Verkauf richtig anzugehen und aufrechtzuerhalten ist etwas, was Gründer komplett unterschätzen und grundsätzlich zu wenig beherrschen.

Wie viel Eigenkapital wird benötigt?
Ich persönlich rate jungen Unternehmern ihr Eigenkapital nicht mit einzubringen, sondern sich so gut vorzubereiten, dass sie Fremdkapital bekommen. So lässt sich die eigene Existenz besser absichern.

Raten Sie Gründern dazu, nebenberuflich zu starten oder voll und ganz dabei zu sein?
Ja, ich rate regelmäßig zur Nebenberuflichkeit. Wenn man dabei auf die Nase fällt: Aufstehen, abstauben, Krönchen richten und weitermachen. Die Existenz ist aber erst mal nicht gefährdet.

Was halten Sie von TV-Formaten wie „Die Höhle der Löwen“?
Abstand.

Interview: Karen Klages



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