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Patricia Szabo flog nach Kathmandu – um dort Erdbeben-Opfern zu helfen

Nepal hat sie verändert

Wenn Patricia Szabo über Nepal spricht, dann strahlen ihre Augen. Im November ist sie in das südasiatische Land gereist, um den Erdbebenopfern zu helfen und hat dort viel mehr gefunden als nur Armut und von der Naturkatastrophe zerstörte Tempel und Dörfer.

veröffentlicht am 14.01.2016 um 18:21 Uhr
aktualisiert am 27.01.2016 um 12:00 Uhr

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Als die 37-Jährige im März 2015 eine Rundreise durch Indien plant, rechnet sie noch nicht damit, dass sie ihr gesamtes Konzept nur einen knappen Monat später komplett über den Haufen werfen würde. Doch die verheerenden Erdbeben in Nepal im April und Mai ändern alles. „Ich wollte schon immer Entwicklungshilfe leisten“, sagt Szabo. Nach den Medienberichten informiert sie sich im Internet darüber, was sie genau tun kann – und stößt bei ihren Recherchen auf die Organisation „All Hands Volunteers“. Sie meldet sich bei dem Helfer-Netzwerk an. Ein halbes Jahr später landet sie in Kathmandu. „Der Landeanflug war schon atemberaubend“, erinnert sich die Völksenerin – und das nicht nur, weil die Landebahn sehr holprig war. „Ich konnte die Gipfel vom Himalaja sehen.“ Bei dem Anblick habe die Definition von Größe eine vollkommen neue Dimension erhalten. Szabo ist von der Stadt überwältigt. Alles ist fremd, spannend und trotz der Erdbebenschäden „einfach wunderschön“.

Nach zwei Tagen Streifzug durch die nepalesische Hauptstadt trifft sie die anderen Helfer, mit denen sie sich bereits zuvor im Internet ausgetauscht hat. „Es war so, als würde wir uns schon ewig kennen. In diesem Fall war Facebook im wahrsten Sinne des Wortes ein soziales Medium“, lacht Szabo.

Tags darauf geht es für die Gruppe zu ihrem Einsatzort nach Nuwakot, wo die Völksenerin insgesamt drei Wochen lang acht Stunden täglich bei Abriss-, Aufbau- und Reinigungsarbeiten hilft. Auf dem Land ist die Zerstörung viel deutlicher zu spüren als in Kathmandu, wird der Deutschen bewusst.

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Gastfreundschaft: Szabo und die Helfer wurden bei den Einsätzen immer von Einheimischen bekocht. „Selbst wenn sie nur sehr wenig besaßen, das war für die Menschen selbstverständlich“, sagt Szabo.

Gleich nachdem sie ihre Bleibe – ein vierstöckiges Haus, in dem insgesamt 70 Helfer leben – bezogen hat, geht es los. Einsatzort: Krankenhaus. Doch von dem Gebäude steht nur noch ein Verwaltungstrakt. Alles andere hat das Beben dem Erdboden gleichgemacht. Unicef hat notdürftig einige Zelte aufgebaut, in denen Patienten versorgt werden, doch die hygienischen und medizinischen Bedingungen sind katastrophal – und werden durch die Handelsblockade verschärft, die Indien über Nepal verhängt hat. Deshalb kommen viele wichtige Produkte wie Medikamente nicht ins Land. „Ich konnte nicht glauben, dass nach einem halben Jahr noch überall die Trümmer herumlagen“, sagt die 37-Jährige. Von dem Zustand der Betten, in denen die Kranken schliefen, ganz zu schweigen.

Die Aufgabe der Helfer ist es an diesem Tag, die Betten zu reinigen und zu reparieren. Doch das ist leichter gesagt als getan. „Die Gestelle waren vollkommen verrostet und die Matratzen verdreckt“, erinnert sich Szabo. In dieser Nacht habe sie lange wach gelegen und nachgedacht. „An dem, was ich gesehen habe, hatte ich schon eine Weile zu knapsen.“

Beim Verarbeiten dieser Eindrücke helfen auch die Gespräche mit den anderen Helfern, denn die sind für Szabo fast so etwas wie eine Familie. Zusammen mit ihnen und den Nepalesen sitzt sie abends regelmäßig bei einem Bier zusammen. Man tauscht sich aus, lacht, tanzt, singt – dass man nicht jedes Wort versteht, spielt keine Rolle. Die Nepalesen, das lernt die Völksenerin schnell, sind sehr herzliche Menschen. Bei jedem ihrer Einsätze werden sie bekocht und eingeladen – und das, obwohl die meisten Menschen „bettelarm“ sind. Doch mit dieser Geste zeigen sie ihre Dankbarkeit für die Hilfe der „All Hand Volunteers“, die mit einfachsten Mitteln dabei helfen, ihre Häuser abzutragen und wieder aufzubauen.

Die Arbeit ist hart und kräftezehrend, doch sie macht Szabo glücklich. Was geschafft werden kann – dass man über sich hinauswächst – wenn Menschen zusammenarbeiten, hat sie beeindruckt. „Ich habe das Wort ,unmöglich‘ aus meinem Sprachgebrauch gestrichen“, sagt sie und lächelt. Und dabei werden ihre Augen ganz glasig. Die Erinnerungen gehen ihr nahe, das spürt man. Die Reise habe sie verändert, sagt Szabo. Ihr sei in Nepal bewusst geworden, wie gut es den Menschen in Deutschland gehe. Und eins steht für sie fest: Sie will noch einmal zurück – das zu Ende bringen, was sie angefangen hat.



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