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Ein Spaziergang zeigt: Der Hamelner Hausberg hat bei der Stadt offensichtlich keine Priorität - Teil 2

Nebensache Klüt?

Marode Schutzhütten, vergammelnde Sitzbänke, desolate Brunnen, Treppengeländer ohne Treppe und verwitternde Denkmäler legen den Schluss nahe, dass der Hamelner Hausberg nicht weit oben auf der Prioritätenliste der Stadt steht. Ein Spaziergang über den Klüt.

veröffentlicht am 31.03.2016 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.12.2016 um 11:46 Uhr

Philipp Killmann

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Viele Wege führen auf den Klüt. Einer führt von dessen Südspitze aus entlang der zur Stadt gewandten Seite. Allerdings gestaltet sich der Anstieg zunächst schwierig. Es gibt zwar ein Treppengeländer. Aber keine Treppe mehr. Auf dem Klütkamm selbst befinden sich die spärlichen Überreste des Fort Wilhelms. Spannend sind die nicht. Ein paar Steinhaufen. Davor ein wortkarges Hinweisschild. Das war’s.

Mehr ist auf einer Info-Tafel am Klütturm über die einstige Festungsanlage Fort George zu erfahren, zu der auch das Fort Wilhelm gehörte: etwa dass die Festung als uneinnehmbar galt und deshalb auch als „Gibraltar des Nordens“ bezeichnet wurde. Aufgestellt hat die Tafel der Verein für Grenzbeziehung.

Gleich unterhalb des Klütturms, am Ende des Schlangenweges, erinnert in einer Grotte eine Gedenktafel aus Sandstein an Lillian Sanderson (1867-1947). Aber mehr, als dass es sich bei Sanderson offenbar um eine „Meisterin des Gesanges“ handelte, erfährt der Betrachter nicht. Und so hatte offenbar auch ein Schmierfink nicht viel für die Verehrung Sandersons übrig, als er die Gedenktafel mit Sprühfarbe verunzierte. Umgekehrt hatte Lillian Sanderson jedoch viel für die Stadt Hameln übrig, in der die amerikanische Sängerin ihre Wurzeln hatte. Ihr Großvater Schlichting war aus Hameln nach Amerika ausgewandert, blieb seiner Heimatstadt aber stets verbunden. So spendete er der Stadt zahlreiche Ruhebänke, als Georg Gottfried Kleinschmidt (1785-1860) und Oberpostmeister Friedrich Wilhelm Heise (1802-1883) den Klütwald neu gestalteten – und gab seine Erinnerungen an seine Enkelin weiter. Besonders tragisch: Mit dem Kleinschmidt- und dem Heise-Denkmal werden gleich zwei ursprünglich imposante Anlagen vernachlässigt, die ausgerechnet den beiden Männern zu Ehren errichtet wurden, die einst tatkräftig dafür eintraten, den Klüt zu dem ureigenen Erholungsgebiet der Hamelner Bürger zu machen, das er bis heute ist.

3 Bilder
An der Katz-Grotte modern die Sitzbänke vor sich hin. Foto: pk

Die junge Sanderson mit der „vollen Altstimme“, wie es in einem alten Artikel der Dewezet heißt, war in Amerika früh erfolgreich und bildete ihren Gesang in Deutschland weiter aus. 1890 gab sie in der Reichshauptstadt, begleitet vom Berliner Philharmonischen Orchester, ihr erstes Konzert in Deutschland. Bei ihren fünf Europa-Tourneen trat sie jedes Mal auch in Hameln als der einzigen deutschen Kleinstadt auf – und das sogar unentgeltlich. Eintrittsgelder und Spesen spendete sie dem Verschönerungsverein. Aus Dankbarkeit widmete der Verein ihr 1893 die Gedenktafel.

Beim Abstieg über den Finkenborn zurück in Richtung Stadt kommt man am Finkenbrunnen vorbei. Eigentlich hieß der Brunnen mal Neptun-Brunnen. Aber im Frühjahr 2000 wurde der römische Wassergott Neptun, der bis dato den „Spuckebrunnen“ bildete, von Vandalen enthauptet und die Anlage verwüstet. Ersetzt wurde der bis heute vermisste Kopf aus Stein im Dezember desselben Jahres durch einen kleinen Finken aus Metall.

Allerdings: Der winzige Fink geht etwas unter vor der Kulisse des stattlichen und abermals mit Moos bewachsenen Gemäuers. Unbekannt ist, wann und von wem und weshalb der einstige Neptunbrunnen angelegt wurde. Zumindest war bis Redaktionsschluss weder im Stadtarchiv noch im Archiv der Dewezet noch im Museum Hameln etwas darüber in Erfahrung zu bringen.

Ein paar Meter weiter folgt die Katz-Grotte, die eindrucksvollste der Grotten im Klüt. Und das, obwohl auch diese Grotte schon länger sich selbst überlassen zu sein scheint. Das mächtige Gemäuer verwittert, ein Stein fehlt. Die Inschriften sind teilweise unleserlich und die beiden Holzbänke verrotten zusehends, eine ist schon in sich zusammengefallen.

Dabei hatte Louis Katz – dafür stehen die eingemeißelten Initiale L. K. – es so gut gemeint. Als er über längere Zeit erkrankte, machte er ausgiebige Spaziergänge durch den Klütwald, um sich zu erholen. Seine Genesung führte er eben darauf zurück. Aus Dankbarkeit stiftete er 1910 die nach ihm benannte Katz-Grotte. Über Geburt und Tod von Louis Katz, der zwischen 1898 und 1904 Hamelner Ratsmitglied war, ist bislang nichts weiter bekannt.

Wie es um den Zustand der Denkmäler bestellt ist, darüber ist sich die Stadt Hameln, die für die Bauten zuständig ist, im Klaren. „Uns ist klar, dass die Denkmäler im Klüt sanierungsbedürftig sind“, sagt Thomas Wahmes, Pressesprecher der Stadt, auf Anfrage. „Das haben wir auch auf dem Schirm – allerdings ist es aus finanziellen Gründen nicht möglich, die Arbeiten kurzfristig in Auftrag zu geben. Sollten sich Sponsoren finden, wäre das natürlich etwas anderes.“ Aktuell plane die Stadt eine Sanierung der Anlagen ab dem Jahr 2017.



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