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Buchautorin Sabine Mehne

Nahtoderfahrung: „Und ich war nicht verrückt!“

MÖLLENBECK. Es war zweifelsohne ein besonderer Vortrag im Kloster Möllenbeck. Zu Gast: Sabine Mehne, Buchautorin, Physio- und Familientherapeutin - und nicht zuletzt Nahtoderfahrene und Mitbegründerin des Netzwerk-Vereins Nahtoderfahrung. Hier erzählt sie von ihren Erlebnissen.

veröffentlicht am 29.04.2018 um 14:45 Uhr

Erzählte im Kloster Möllenbeck von ihrer Nahtoderfahrung: Sabine Mehne. Foto: cm
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Autor

Claudia Masthoff Reporterin

MÖLLENBECK. Wie schafft es der Hospizverein nur immer wieder, solch interessante Menschen für seine Vorträge zu gewinnen?! Glückssache? Oder liegt es vielleicht daran, dass Menschen, die sich mit den grundlegendsten aller Fragen, denen nach der Natur von Leben und Tod, beschäftigen, per se so eindrucksvolle Persönlichkeiten werden?

Sei es, wie es will. Im Kloster Möllenbeck gab es wieder einmal die Gelegenheit eine dieser besonderen Vortragenden persönlich kennenzulernen. Zu Gast: Sabine Mehne, Buchautorin, Physio- und Familientherapeutin und nicht zuletzt Nahtoderfahrene und Mitbegründerin des Netzwerk-Vereins Nahtoderfahrung, Darmstadt.

Die hatte ihr neues Buch mit dem umwerfenden Titel „Der große Abflug“ im Gepäck, aus dem dann auch ein wenig vorgelesen wurde. Den größten Teil ihres Vortrags jedoch gestaltete Mehne, und das war gut so, als frei gesprochenen Lebens- und Erfahrungsbericht.

Wie viele Menschen, die von ihrem Nahtoderlebnis berichteten, hat auch Sabine Mehne ein Licht, hier symbolisiert durch die Sonne, gesehen, das sie bis heute nicht vergessen hat. foto: la
  • Wie viele Menschen, die von ihrem Nahtoderlebnis berichteten, hat auch Sabine Mehne ein Licht, hier symbolisiert durch die Sonne, gesehen, das sie bis heute nicht vergessen hat. foto: la

Schon 22 Jahre ist es her, dass die Mutter dreier Kinder von einer akuten schweren Krebserkrankung betroffen, dem Tod nur knapp entging. „Ich war damals schon sehr geschwächt, wog nur noch 42 Kilogramm und hatte starke Schmerzen“, beginnt die zierliche Frau nach einer kurzen Phase der Sammlung zu berichten.

Die Nahtoderfahrung habe sich während einer Ultraschalluntersuchung ereignet. „Plötzlich glitt ich, so leicht, als wäre es das Selbstverständlichste von der Welt, durch die Fontanelle aus meinem Körper heraus, und sah mich selbst von oben dort auf dem Untersuchungstisch liegen“, fährt sie fort. Und dann sei ihr der Blick in eine Dimension gewährt worden, der sie selbst und ihr Leben von Grund auf verändert habe. Eindrücklich und berührend schildert sie ihre Erfahrung von der Begegnung mit einem Licht, dessen Qualität sich in Worte eigentlich nicht fassen ließe. „Es ist rein, voller Liebe, voll von wunderbarer Freiheit“ versucht sie es dann aber doch. Auf der irdischen Ebene fände sie, dass man es durch Gold am besten symbolisieren könne.

Als Nächstes habe sie ihren Lebensfilm ablaufen sehen. „Dieser Rückblick hat eine besondere Tiefe. Alle Ereignisse und Begegnungen, die auftauchen, werden mit den dazugehörenden Emotionen und der sie umgebenden Atmosphären aufgezeigt. Man erhält sogar Einblicke in die Biografien von anderen Beteiligten, die zum besseren Verständnis des Erlebten führen.“ Doch vor allem würden die Situationen in einen großen Zusammenhang gestellt, der auch nicht so schöne Erfahrungen als sinnvoll erscheinen ließe, sodass man auch diese annehmen, mit ihnen Frieden schließen könne, so die Autorin. Das habe ein tiefes Gefühl von „Jetzt verstehe ich alles. Jetzt hat alles einen Sinn“ in ihr ausgelöst.

Die „Rückreise“ in ihren Körper hat Mehne wohl als nicht sehr angenehm und freiwillig erlebt. „So plötzlich wie ich herausgeglitten war, wurde ich auch wieder hineingestopft“, beschreibt sie diesen Moment. Doch ihre persönliche Reise soll für die durchaus praktisch und bodenständig wirkende Frau mit diesem einschneidenden Erlebnis erst beginnen.

„Damals gab es, anders als heute, kaum Informationen über Nahtoderlebnisse“, fährt sie fort. Vier Jahre lang habe sie mit niemandem über ihre Eindrücke gesprochen. Sie habe an ihrem Verstand und ihrer geistigen Gesundheit gezweifelt, denn statt froh und glücklich zu sein, dass sie geheilt und am Leben war, habe sie ständig so eine tiefe Traurigkeit und Sehnsucht nach etwas, was sie nicht benennen konnte, gefühlt.

„Immer wieder ertappte ich mich dabei, wie ich mich aus dem Alltag quasi ‚wegbeamte‘, in die eigene ‚Blase‘ zurückzog.“ Die Erlösung habe ein Bericht im ZDF dargestellt. „Da sprach ein Mann über seine Nahtoderfahrung. Jedes seiner Worte hätte mein eigenes sein können! Meine Erleichterung war grenzenlos. Ich war nicht die einzige, die so etwas erlebt hatte. Und ich war nicht verrückt!“

Heute ist Mehne, und das erscheint geradezu folgerichtig, vor allem in Sachen Erforschung von und Aufklärung über diese Art von Erlebnissen tätig. Als zweite wichtige Lebensaufgabe hat sich das Einsetzen ihrer Fähigkeit im Bereich der Feinfühligkeit und der Intuition herauskristallisiert.

„Es ist, als wäre die Tür einen kleinen Spalt offen geblieben. Und durch diesen Spalt habe ich bis heute Zugang zu einem überpersönlichen Wissen“, erklärt Mehne.

Tröstlich: Sollte, und das wäre nach diesem eindrucksvollen Vortrag gar nicht verwunderlich, der ein oder andere unter den Anwesenden geradezu zu wünschen beginnen, er hätte doch auch ein Nahtodereignis erlebt, kann Mehner ihn beruhigen. Mehr Mut zum Leben und weniger Angst vor dem Tod könne man auch ohne Nahtoderlebnis entwickeln.

Sie ist sich sicher, schon die geistige Beschäftigung mit diesem Thema regt zu innerer Verwandlung an.



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