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Nach Drohgebärden: Sana-Klinikum Hameln steht Rede und Antwort

Das Sana-Klinikum in Hameln hat in den letzten Monaten mehrfach für Schlagzeilen gesorgt. Drohgebärden rund um einen Warnstreik, Verkaufsabsichten rund um die Seniorenheim-Tochter, Schließung der Küche, ständig rotierende Dienstpläne. Deshalb haben wir vor Monaten ein Interview mit Hamelns Sana-Chef Marco Kempka angefragt. Nach einem Gespräch sowie schriftlichen Interview-Fragen und gegebenen Antworten teilte uns Sana mit, dass es kein Interview mit Marco Kempka gebe. Unsere Fragen hat Sana nun über Pressesprecherin Natalie Arnold beantworten lassen.

veröffentlicht am 18.08.2018 um 07:00 Uhr

Das Sana-Klinikum in Hameln aus einer nicht alltäglichen Perspektive: Hier sind rund 1300 Mitarbeiter beschäftigt. Foto: wfx
Thomas Thimm

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Thomas Thimm Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
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Fangen wir mit einer Hängepartie an: Der von Ihnen beabsichtigte Verkauf des Seniorenheims „Leben am Park“ verzögert sich seit Monaten. Warum?
Es gab mehrere Interessenten, von denen aber bisher alle im Laufe des Verkaufsprozesses abgesprungen sind. Die Gründe dafür sind vielfältig. Lage, Anzahl der Häuser, Struktur des Hauses, Tarifvertrag und Gesellschaftsformen spielen unter anderem bei der Kaufentscheidung eine Rolle.

Gibt es denn aktuell Interessenten und einen Verkaufstermin?
Ja, es gibt aktuell Interessenten, aber keinen Käufer. Einen Verkaufstermin gibt es daher nicht.


Wie viele Mitarbeiter sind von einem Verkauf betroffen – und werden sie vom Investor übernommen?
Rund 60 Mitarbeiter werden von dem Kauf betroffen sein. Auch ein neuer Träger ist auf qualifiziertes Personal angewiesen und hat die erforderlichen Personalschlüssel und Fachkraftquoten zu erfüllen. Wir gehen daher davon aus, dass ein neuer Träger versuchen wird, das erfahrene und mit den Gegebenheiten des Hauses vertraute Personal zu halten.

Wie beurteilen Sie das Standing von Sana als regionalem Arbeitgeber?
Das Sana-Klinikum Hameln-Pyrmont zählt mit seinen rund 1200 Mitarbeitern sowie 100 Ausbildungsplätzen zu den größten Arbeitgebern in der Region. Damit ist das Klinikum für die Stadt ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und zentraler Arbeitgeber. Im Land Niedersachsen gehört das Sana-Klinikum Hameln-Pyrmont zu den TOP 40 größten Arbeitgebern.

Wo steht Sana Hameln im konzerninternen Sana-Ranking?
Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist die Ergebnisentwicklung in Hameln stabil und wir stehen im internen Ranking gut da.

Natalie Arnold, Sprecherin des Sana-Klinikums Hameln. Foto: Ulf Salzmann / PR
  • Natalie Arnold, Sprecherin des Sana-Klinikums Hameln. Foto: Ulf Salzmann / PR


Wie hoch ist der Umsatz und der Gewinnbeitrag von Sana Hameln für den Sana-Konzern?
Das Sana-Klinikum Hameln-Pyrmont hat laut Geschäftsbericht 2017 einen Jahresumsatz von 91 Millionen Euro erwirtschaften können und einen Gewinnbeitrag in Höhe von 327 000 Euro. Von dem erwirtschafteten Ergebnis wird ein Teil an den Landkreis Hameln-Pyrmont ausgeschüttet. Der Sana-Anteil steht uns in vollem Umfang zur Verfügung und wird vollständig reinvestiert. Im vergangenen Jahr wurden zudem zahlreiche Investitionsmaßnahmen in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro realisiert. In diesem Jahr erhalten wir unter anderem ein neues MRT.


Wie viele Mitarbeiter – Köpfe und Vollzeitstellen – hat Sana Hameln?
Im Durchschnitt des Jahres 2017 waren 158 Ärzte und 360 Gesundheits- und Krankenpfleger sowie 243 weitere medizinische Fachkräfte in unserem Haus angestellt. Hinzu kommen Mitarbeiter von Sana Dienstleistern oder Personalvermittlungsagenturen.

Thema Personalmangel: Wie viele Stellen sind in welchen Bereichen vakant? Spürt Sana Hameln das Problem, gar nicht oder nur sehr schwer Ärzte und Krankenschwestern rekrutieren zu können?
Das Thema Personalmangel im Krankenhaus, was sich auf medizinische Fachkräfte, aber zunehmend auch auf kaufmännische Bereiche bezieht, ist ein deutschlandweites Problem. Wir sind zwar in der glücklichen Lage, eine große Krankenpflege- und Hebammenschule zu besitzen und versuchen, immer möglichst viele junge Auszubildende zu übernehmen, aber dennoch sehen wir uns im pflegerischen und ärztlichen Bereich mit dem Thema konfrontiert. Insbesondere Fachpflege für die Bereiche Intensivmedizin, Zentrale Notaufnahme oder den OP sowie fachweitergebildete Pflegekräfte sind schwer zu finden und auch Leitungskräfte würden wir gerne einstellen. Im ärztlichen Bereich sind ebenfalls Stellen vakant. Das führt mitunter zu temporären Engpässen. Wir arbeiten dann teilweise mit Mitarbeitern, die Zeitverträge haben oder über Personalagenturen zu uns kommen. Aktuell haben wir über alle Bereiche rund 20 Stellen vakant.

Wie beurteilen Sie das gleichzeitig hohe Maß an Unzufriedenheit unter den Mitarbeitern? Uns erreichen immer wieder Beschwerden über Unzuverlässigkeiten in Dienstplänen, kurzfristige Dienständerungen von einem auf den anderen Tag, einerseits geschlossene Abteilungen, andererseits überfüllte Abteilungen…
Wir bitten Sie um Verständnis dafür, dass wir die Dienstplangestaltung unserer Mitarbeiter nicht als Gegenstand der öffentlichen Diskussion sehen. Als Arbeitgeber sind wir jedoch immer bestrebt, für unsere Kollegen bestmögliche Arbeitsvoraussetzungen und ein gutes Betriebsklima zu schaffen. Es gibt zahlreiche Einzelmaßnahmen, die die Mitarbeiterzufriedenheit fördern und auch sehr geschätzt werden, wie die Kinderbetreuung, flexible Arbeitszeitmodelle, verlässliche Urlaubsplanung, Zusatzleistungen, betriebliches Gesundheitsmanagement, Familienservice und verschiedene Bezuschussungen oder auch gemeinsame Feiern. Im vergangenen Jahr konnten insbesondere in der Pflege Überstunden abgebaut und 50 neue Mitarbeiter eingestellt werden. Die Zufriedenheit unserer Mitarbeiter messen wir regelmäßig. Erst kürzlich wurde erneut die zweijährige Befragung Great Place to Work ausgewertet, in der wir uns zum Vergleichsjahr 2015 weiter verbessern konnten.

Werden auch in Zukunft Abteilungen geschlossen werden und die betroffenen Mitarbeiter in den Springer-Pool versetzt?
Es wurde in der Vergangenheit keine Abteilung geschlossen. Es werden vorübergehend auf einer Station elf Zimmer nicht belegt, da Renovierungsarbeiten vorgenommen werden. Eine temporäre Umverteilung von Betten ist grundsätzlich nicht ungewöhnlich und gängige Praxis in Kliniken. Diese Situation gibt es und wird es auch zukünftig mehrere Male im Jahr geben, vor allem in Zeiten geringer Belegung, wie in den Sommermonaten oder zu Weihnachten und auch wenn, wie jetzt, Renovierungsmaßnahmen anstehen. Es werden nicht grundsätzlich Mitarbeiter im Springer-Pool eingesetzt, sobald es zu temporären Belegungsverschiebungen kommt. In dem von Ihnen angesprochen Fall handelte es sich um eine Einzelmaßnahme, die im Vorfeld mit den Kollegen besprochen wurde. Es gibt Mitarbeiter, die fest im Springer-Pool arbeiten und sich auch auf die dort ausgeschriebenen Stellen bewerben. Die Arbeit im Springer-Pool bedeutet, dass man als Pflegekraft flexibel auf verschiedenen Stationen eingesetzt werden kann.

Wie hoch ist der Krankenstand unter den Sana-Mitarbeitern?
Der Krankenstand in unserem Klinikum entspricht dem Branchendurchschnitt.

Und wie hoch ist der Krankenstand im Branchendurchschnitt?
Der Branchendurchschnitt des Krankenstandes im Krankenhaus liegt bei um die fünf Prozent.

Beurteilt die Klinik-Leitung die gemachten arbeitsrechtlichen und strafrechtlichen Drohungen gegenüber den Warn-Streikenden im Nachhinein als falsch?
Da das Thema bereits mehrere Monate zurückliegt, sehen wir die Frage nicht mehr als Gegenstand der aktuellen Berichterstattung. Darüber hinaus ist der Tarifvertrag mittlerweile neu verhandelt.

Mit Verlaub, nicht Sie haben darüber zu entscheiden, ob ein Thema Gegenstand von Berichterstattung ist. Deshalb nochmals die Frage: Beurteilt die Klinik-Leitung die gemachten arbeitsrechtlichen und strafrechtlichen Drohungen gegenüber den Warn-Streikenden im Nachhinein als falsch?
Wie wir Ihnen bereits im März mitgeteilt haben, war die Situation im Frühjahr aufgrund der Grippewelle durch einen hohen Krankenstand gekennzeichnet, bei einem gleichzeitig sehr hohen Patientenaufkommen, das trotz zeitweiser Abmeldung des Klinikums bei der Leitstelle nicht abebbte. Deshalb waren wir gezwungen, vereinzelte Mitarbeiter zum Dienst zu berufen, um die Patientensicherheit nicht zu gefährden. Hiervon betroffen waren neun Mitarbeiter. Für uns standen unsere Patienten an erster Stelle, die wir trotz der im Vorfeld geplanten Maßnahmen nicht hätten adäquat versorgen können, wären diese Mitarbeiter dem Streikaufruf gefolgt.



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