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800 Tonnen, 25 Kilometer

Multimedia-Reportage: Unterwegs mit dem Müllwagen

HAMELN. Das Team von Tour 6 ist täglich im Hamelner Stadtgebiet unterwegs. Pro Schicht leeren Karsten Beims, Benjamin Bötzer und Fahrer Michael Krüger rund 800 Mülltonnen. Ihr Arbeitstag beginnt früh, ihr Job ist hart. Wir haben sie begleitet.

veröffentlicht am 29.01.2019 um 15:36 Uhr

Karsten Beims (rechts) und Benjamin Bötzer fahren auf dem Müllwagen durch die Nibourstraße in Hameln. Ihr Arbeitstag hat früh begonnen. Foto: mo
Muschik, Moritz

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Moritz Muschik Autor zur Autorenseite
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Ein Eichhörnchen hetzt über die Basbergstraße, als Karsten Beims die Mülltonne am Straßenrand packt und den eisüberzogenen Deckel zur Kontrolle kurz öffnet. Wenn Anwohner bei Minusgraden den Müll unverpackt in die Tonne werfen, frieren Essensreste oder Windeln manchmal fest. „Einfach in Tüten packen“, rät Beims – und hängt die Restmülltonne in den Greifarm des Wagens. Ein paar hundert Mülltonnen hat das leuchtend orange Fahrzeug heute schon verschluckt.

Der Arbeitstag für Michael Krüger beginnt früh. Um 6.15 Uhr morgens überprüft er auf dem Betriebshof der Kreisabfallwirtschaft in Hameln den Müllwagen. Wenn es noch dunkel ist, checkt er im Scheinwerferlicht den Ölstand, die Bremsen und den Reifendruck. Eine Viertelstunde später ist dann Dienstbeginn für die Müllwerker.

An diesem Mittwoch gehören zu Krügers Team Karsten Beims und Benjamin Bötzer. Zur Stammbesetzung zählt eigentlich Dalibor Crnjak, der aber im Urlaub ist. Bötzer ist für ihn eingesprungen. Der Hamelner ist erst seit rund zehn Monaten als Müllwerker im Einsatz. Eigentlich ist er ausgebildeter Koch, hat im Sana-Klinikum in Hameln gelernt und gearbeitet. Durch einen Betreiberwechsel verlor er jedoch seinen Job in der Klinik-Küche, suchte sich einen neuen Arbeitsplatz. „Der Job als Müllwerker gibt mir Planungssicherheit“, sagt der 31-Jährige. An den zuweilen süßlich-vergorenen Geruch, vor allem im Sommer, hat er sich inzwischen gewöhnt.

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Fahrer Michael Krüger steuert den Wagen, der mit Hightech ausgestattet ist. Foto: mo

Wenn du die Tonnen durch den Schnee ziehen musst, bist du abends total fertig und fällst nur noch ins Bett.

Karsten Beims, Müllwerker

„Nach einer gewissen Zeit nimmst du das gar nicht mehr wahr“, sagt Karsten Beims. Er muss es wissen. Seit über 30 Jahren ist er als Müllwerker beschäftigt. Tag für Tag zieht er Tonnen vom Straßenrand, aus engen Gassen oder Hinterhöfen zum Müllwagen. Für manche Grundstücke hat das Team Schlüssel dabei – jeweils sortiert nach Straßen an unterschiedlichen Schlüsselbunden. 20 bis 25 Kilometer legt ein Müllwerker wie Karsten Beims je nach Route zurück. Wenn im Winter Schnee liegt, ist es für ihn besonders anstrengend. „Wenn du die Tonnen durch den Schnee ziehen musst, bist du abends total fertig und fällst nur noch ins Bett“, sagt der 54-Jährige. An diesem Mittwochvormittag ist es zwar frostig kalt, es liegt aber kein Schnee. Das kommt auch Müllwagenfahrer Michael Krüger zugute.

Krüger kennt die Routen nach über 25 Jahren bei der Kreisabfallwirtschaft auswendig. Ein Navigationsgerät braucht er längst nicht mehr. Mit der „Tour 6“ ist er täglich auf wiederkehrenden Routen im Hamelner Stadtgebiet unterwegs. An der Hunoldstraße in Hameln manövriert der Müllwagenfahrer an diesem Morgen das Fahrzeug an parkenden Autos vorbei. Dann setzt er den Blinker, fährt rückwärts in die Sedemünderstraße. Fußgänger wuseln auf dem Bürgersteig um den Müllwagen herum. Autos müssen warten. „Manchmal brettern sie auch über den Bürgersteig“, sagt Krüger.

3,6 Meter hoch, 2,5 Meter breit, zehn Meter lang

Ein Schulkind fährt auf seinem Rad eng an der rechten Vorderseite des Wagens vorbei. „Nicht ungefährlich“, meint Krüger. Als Fahrer muss er trotz der langjährigen Erfahrung während der gesamten Dienstzeit aufmerksam und konzentriert sein. In Hannover ist zuletzt ein elfjähriges Mädchen nach einem Unfall mit einem Müllauto ums Leben gekommen. „Schockierend“, findet auch Krüger. Über mehrere Außenspiegel, durch die große Frontscheibe und eine Rückfahrkamera kann er rund um das Müllfahrzeug viel einsehen. Ein Restrisiko jedoch bleibt. Gefährlich wird es auch, wenn die Straßen im Winter glatt sind. Dann ruft Krüger den Streudienst der Stadt zur Hilfe. So brenzlig ist es heute aber nicht.

Am späten Vormittag biegt Michael Krüger von der Basbergstraße ins Wohngebiet am Einsiedlerbach ab. Von dort geht es weiter bis an den Waldrand. Krüger drosselt das Tempo, um mit dem Müllwagen auf dem Kiesweg nicht zu viel Staub aufzuwirbeln. „Im trockenen Sommer muss ich als Fahrer noch mehr darauf achten“, sagt er und stoppt am nächsten Haus. Benjamin Bötzer und Karsten Beims bringen die Tonnen zur Leerung an den Wagen. Rund 800 Mülltonnen passen in das Fahrzeug, das zehn Meter lang, 3,6 Meter hoch und etwa 2,5 Meter breit ist. Eine Anzeige im Display hinter dem Lenkrad zeigt Michael Krüger, wann der Wagen voll ist. „Heute werden es bis zu 13 Tonnen Gewicht“, sagt er. Auch sonst ist Hightech verbaut. „Die Fahrzeuge sind über die Jahre immer mal wieder modernisiert worden“, erklärt Krüger. Neben der Rückfahrkamera gehören auch ein Brems- und ein Fahrspurassistent zur Ausstattung. Und wenn Müllwerker hinten auf den Trittbrettern stehen, fährt der Müllwagen maximal 30 Kilometer pro Stunde.

Gegen 11.30 Uhr sammelt das Team an der Basbergstraße die letzten Mülltonnen vor der Mittagspause ein. Benjamin Bötzer unterhält sich im Vorbeigehen mit einem Postboten, bevor er ins Auto springt und seine Arbeitshandschuhe zum Wärmen auf die Lüftung legt. Die Müllwerker sind in vielen Hamelner Straßen seit Jahren bekannt. „Ich bin jetzt in meinem 32. Jahr als Müllwerker“, sagt Karsten Beims. „Ich habe Kinder von Anwohnern aufwachsen sehen.“ Von vielen Hamelnern werden die Müllwerker freundlich gegrüßt, manchmal sogar erwartet. „Für Kinder ist so ein Müllwagen natürlich ein echtes Highlight“, sagt Michael Krüger, bevor er auf den Betriebshof einbiegt. Nach der Mittagspause warten noch ein paar hundert Mülltonnen auf das Team …



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