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Am Kaiser-Wilhelm-Denkmal öffnet sich das Tor zu Westfalen – und in die Geschichte

Monument mit Mehrwert

Die Eröffnungsschlacht ist geschlagen: Mehr als 4000 Besucher bestaunten das nach 22 Monaten Bauzeit sanierte Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta Westfalica. Nach dem Eröffnungs-Hype ist inzwischen der Alltag eingekehrt, die Zufahrt zum Denkmal wieder frei und der Andrang in der Woche ist überschaubar. Zeit, hinter die Kulissen zu schauen und auch in die Geschichte zu blicken.

veröffentlicht am 16.07.2018 um 14:15 Uhr

Das Foto zeigt die freigelegte Ringmauer, deren Wiederherstellung alleine fünf Millionen Euro gekostet hat. Foto: Holger Bosch/ WLV
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Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal markiert das „Tor zu Westfalen“, dem Durchbruch der Weser durch das Weser- und Wiehengebirge. Hoch oben vom Wiehengebirge weist die Hand des Kaisers auf „sein“ Reich. Diesen einmaligen Rundblick auf die norddeutsche Tiefebene und das südliche Hügelland schätzen auch die Besucher.

„Es ging nicht darum, dem Kaiser zu alter Herrlichkeit zu verhelfen. Das wollte sein Enkel Wilhelm II. Wir wollen zwei Dinge: erstens das Denkmal historisch einordnen und zweitens Touristen in die Region ziehen“, so der Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), Matthias Löb.

„Man sollte die Besucher nicht mit dem Pathos dieses Denkmals alleinlassen“, unterstreicht Löb. „Im neuen Besucherzentrum erzählen wir deshalb die ganze Geschichte: von den Römern in Germanien über Preußens Pomp bis zum Elend der Zwangsarbeiter während des Zweiten Weltkrieges in den Stollen direkt unter dem Monument. Hier öffnet sich also nicht nur geologisch das Tor zu Westfalen, sondern auch geschichtlich. Und das Ganze gekrönt durch einen überwältigenden Blick – ein Portal mit Panoramablick.“

Imposant: Das sanierte Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Foto: LWL/Hübbe
  • Imposant: Das sanierte Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Foto: LWL/Hübbe

Der LWL als Eigentümer hatte 2015 beschlossen, mit der notwendigen Sanierung das Denkmal durch ein Restaurant und ein Besucherzentrum aufzuwerten. Der jetzt realisierte Wettbewerbsentwurf stammt vom Architekten Peter Bastian aus Münster. Eine Jury hatte seinen Entwurf 2014 einstimmig als besten ausgewählt. „Der preisgekrönte Entwurf macht deutlich, wie moderne Architektur und Denkmalschutz unter Würdigung der Geschichte vereint werden können“, hieß es damals zur Begründung.

Man sollte die Besucher nicht mit dem Pathos dieses Denkmals alleinlassen.

Matthias Löb, Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL)

Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal ist Bestandteil der „Straße der Monumente“ (sieben Denkmäler in Deutschland, darunter das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig). Seit dem 9. Juli warten an der Porta Westfalica das neue Restaurant in der Ringterrasse („Wilhelm 1896“) und das „LWL-Besucherzentrum“ auf geschätzt über 150 000 Besucher pro Jahr. Das LWL-Besucherzentrum liefert Informationen zum Denkmal und Einblicke in die wechselvolle Vergangenheit des Wittekindsberges. „Hier am Berg können Sie 2000 Jahre Geschichte auf 2000 Metern erwandern“, so Löb. Wer sich immer schon gefragt hat, warum auf dem Berg ein solches begehbares Denkmal gebaut wurde, findet ebenso eine Antwort auf seine Frage wie derjenige, der wissen möchte, warum dort zahlreiche archäologische Fundstätten zu entdecken sind. Historiker, Archäologen, Naturschützer und Heimatpfleger haben für die Stationen im Besucherzentrum die Geschichte zusammengetragen.

Die sechs Stationen informieren mit Illustrationen, Animationen, Fotografien, kurzen Texten und interaktiven Sequenzen über die Natur- und Kulturgeschichte der Porta. Im Eingangsbereich befinden sich die „Kaiserlichen Aussichten“, eine Bilderwand mit rund 40 Erinnerungsfotos von Besuchern aus verschiedenen Jahrzehnten. Das „Rondell“ widmet sich dem Denkmal aus den Perspektiven „Kaiser“ (Wilhelm I. und II.), „Denkmal“ und „Publikum“.

Die Stationen „Panoramawand“, „Geomodell“ und „Denkmal heute“ fassen rund 70 Einzelthemen zur Kultur- und Naturgeschichte der Porta Westfalica zusammen. Großanimationen greifen die Themen Geologie, Natur, Wirtschaft, Verkehr und Siedlung auf. Darüber hinaus führt ein Kurzfilm an der Kinostation in die Geschichte des 88 Meter hohen Monuments ein. Das Besucherzentrum bietet außerdem eine weite Aussicht durch die verglasten Fensterbögen der Ringmauer. Treten die Besucher aus dem Gebäude heraus, können sie auf der wieder errichteten Ringterrasse den Blick über das Wiehengebirge und die Weser genießen.

Information

Das ursprüngliche Bauwerk

Das Denkmal wurde 1892 bis 1896 nach einem Entwurf des Berliner Architekten Bruno Schmitz (1858-1916) erbaut. Erste Planungen zur Würdigung des Reichsgründers und ersten deutschen Kaisers durch ein monumentales Denkmal begannen gleich nach dem Tod Wilhelms I. im Jahr 1888. Schon 1889 hatte die Provinzial-Regierung für Westfalen in Münster den Beschluss zur Errichtung eines zentralen Kaiser-Wilhelm-Denkmals an der Porta Westfalica gefasst. Im Februar 1890 wurde ein Wettbewerb ausgelobt. Für den Bau stellte der Westfälische Provinziallandtag 500 000 Goldmark zur Verfügung. Regierungsbezirke und private Geldgeber spendeten über 300 000 Goldmark. Aus den 58 eingereichten Entwürfen wurde der von Schmitz 1890 mit dem ersten Preis prämiert. Aus Kostengründen musste der Entwurf aber noch verändert werden. Den Entwurf für das Kaiserstandbild lieferte der Bildhauer Caspar von Zumbusch (1830-1915). Auf Zweidrittel der Höhe des zur Weser steil abfallenden Wittekindberges wurde eine von hohen Stützmauern getragene Ringterrasse errichtet. Von dort führt eine doppelläufige Treppe auf eine Plattform, auf der sich der Baldachin mit dem Standbild befindet. Die Kuppel des zweithöchsten deutschen Denkmals wird von sechs Strebepfeilern getragen. Kuppel und Pfeiler schließen jeweils mit einer Kaiserkrone ab. Der mit grob behauenen Porta-Sandsteinen verblendete Baukörper ist im sogenannten Zyklopenstil des Spätwilhelminismus errichtet. Zeitweilig waren über 100 Arbeiter auf der Baustelle beschäftigt. Das auf Fernsicht angelegte, 88 Meter hohe Bauwerk hebt sich deutlich von der umgebenden Landschaftskulisse

Die Einweihung 1896

Die Einweihung war am 18. Oktober 1896, dem Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig (18. Oktober 1813) und auch der Geburtstag von Kaiser Friedrich III. (18. Oktober 1831). Kaiser Wilhelm II. und seine Frau, Kaiserin Auguste Viktoria, nebst Generalstab, Flügeladjutanten, Hofdamen und Kammerherren reisten mit der Bahn an. Ein Sonderzug brachte sie nach Minden, mit der Kutsche ging es weiter zur Porta Westfalica.

Auf der Ringterrasse des Denkmals schritt der Regent die angetretene Militär-Formation ab, begrüßte die Repräsentanten der Provinz Westfalen und hielt seine Einweihungsrede. Versammelt waren dort auch „Bürgerkompagnien“, Vereine, Schulen und Beschäftigte von Unternehmen. Nachdem der Kaiser seine Einweihungsrede gehalten hatte, folgte ein Festmahl mit Musik-Programm. An dem „Festessen zur Feier der Einweihung des Kaiser-Wilhelm-Provinzial-Denkmals“ mit 370 geladenen Gästen im neu erbauten großen Saal des Hotels Kaiserhof am Fuße des Denkmals nahm das Kaiserpaar mit seinem Gefolge jedoch nicht mehr teil.

Seit dem Start der Wiederherstellung vor 22 Monaten sei die rund 27 000 Kubikmeter große Baugrube mit 270 Kleinbohrpfählen für die Standsicherheit des Gebäudes bestückt worden, erläuterte Matthias Gundler, Prokurist und Bauleiter der LWL-Tochtergesellschaft WLV (Westfälisch-Lippische Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH). „Dabei war das ganze Fachwissen der Firmen, sondern auch Schwindelfreiheit der Mitarbeiter gefragt. Nicht die Stollen, sondern kleine Klüfte und Spalten machten uns anfangs die Arbeit zur Wiederherstellung der Ringmauer schwer“, so Gundler. „Zeitweise hatten wir über 100 Arbeiter auf der Baustelle.“

Als die Ringterrassen beim Bau des Denkmals Ende des 19. Jahrhunderts aufgeschüttet wurden, traten bereits kurz nach der Eröffnung 1896 Probleme an der Ringmauer auf. Das führte auch bei der Sprengung des Einganges zum sogenannten Denkmalstollen 1946 durch die Briten zu einem Bruch der Böschung. Gundler: „Noch 120 Jahre nach der Eröffnung kam es durch damalige Kosteneinsparungen dazu, dass wir jetzt große Mengen von Zementmaterial mit den Bohrungen in den Berg stecken mussten. Nun ist dort der wiederhergestellte 1700 Quadratmeter große Ringsockel aus Obernkirchner Sandstein zu sehen. Insgesamt haben wir für diese Pfahlgründung über 3800 Tonnen Zement verarbeitet.“

Oberhalb des Sockels erstrecken sich die wiederhergestellten Ringbögen als Aussichtsfenster der zukünftigen Gastronomie in die Höhe. Insgesamt wurden über 1500 Tonnen Naturstein handwerklich verarbeitet. Wegen der Schwierigkeiten bei der Sanierung liegen die Baukosten laut LWL-Direktor Löb allein für die Wiederherstellung der Ringmauer bei fünf Millionen Euro. Zusätzlich betragen die Baukosten für das Besucherzentrum, die Gastronomie und den Pavillon noch einmal 11,4 Millionen Euro. Die Stadt Porta Westfalica beteiligt sich mit einem Zuschuss von über 600000 Euro, der Bund steuert insgesamt 5,8 Millionen Euro Fördermittel bei.


Internet:http://www.kaiser-wilhelm-denkmal.lwl.org



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