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Mit eingebautem Rückenwind

Das Geschäft mit den motorisierten Fahrrädern boomt: Bereits 2009 verzeichnete die Branche einen deutlichen Zuwachs, der sich 2010 fortsetzte. Für das laufende Jahr erwarten Experten eine weitere deutliche Steigerung von 200 000 verkauften Einheiten in 2010 auf 300 000 im Jahr 2011. Dabei muss man korrekterweise zwischen zwei grundsätzlich verschiedenen E-Bikes unterscheiden. Solche, die sich nur dann bewegen, wenn der Fahrer in die Pedalen tritt. Diese Fahrräder werden Pedelecs genannt.

veröffentlicht am 04.05.2011 um 00:00 Uhr

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Autor:

Matthias Rohde

Als E-Bikes gelten demgegenüber Räder, die auch dann fahren, wenn der Fahrer eben nicht in die Pedale tritt, für die man deswegen auch Versicherung und Führerschein benötigt. Das ist aber bei den Fahrrädern, die in der zwischen Bad Nenndorf und Uslar neu eingerichteten „Movelo-Region“ bereitstehen, nicht der Fall. Die begriffliche Unterscheidung der mit E-Power ausgestatteten Fahrräder muss sich – auch in der heimischen Region – erst noch durchsetzen.

Die Firma Movelo hat sich auf das Einrichten von Radwander-Regionen spezialisiert. Den beteiligten Verleihern einer Region stellt das Unternehmen gegen eine monatliche Gebühr die Fahrräder inklusive eines umfangreichen Servicepakets zur Verfügung. Vermarktet wird die Movelo-Region im Weserbergland vom Verein Weserbergland Tourismus.

„Urlaubszeit ist E-Bike Zeit im Weserbergland“ heißt es in der eigens für das neue Angebot entworfenen Broschüre, in der neben einer Kontaktliste aller zur Verfügung stehenden Verleih- und Akkuladestationen auch mehr als ein Dutzend ausgewählter Rundtouren zu finden sind.

Dank des Elektromotors sind die Anstiege auf den Routen durchs Weserbergland für die fahrradbegeisterte Corinna Nolte beinahe mühelos zu erklimmen. Fotos: roh

Zeit für einen Praxistest: Bei der Streckenwahl war die kostenlos beim Verein Weserbergland Tourismus erhältliche Informationsbroschüre hilfreich, in der es heißt: „Sie lieben die Berge? Kein Problem: Durch die Kraft der E-Bikes können Sie sich nun auch mit Leichtigkeit in höhere Gefilde wie die Ottensteiner Hochebene trauen.“ Das ist ein Wort. Mit Corinna Nolte, Projektmanagerin Radwandern und Wandern im Verein Weserbergland Tourismus, fahren wir in das bekanntermaßen hügelige Gelände rund um Ottenstein. In Lichtenhagen werden wir von Silke Timmermann, Hausherrin des Urlaub-Bauernhofs „Timmermanns Hof“ erwartet. Hier befindet sich eine der insgesamt 40 Verleihstationen im Weserbergland, eine gibt es zum Beispiel am Doktorsee in Rinteln, beim „Schaumburger Ritter“ an der Schaumburg, bei der „Hofapotheke“ auf dem Bückeburger Marktplatz, am Kloster Möllenbeck oder im Campingpark Kalletal. Um nur einige zu nennen.

Silke Timmermann hat das Fahrrad selbst getestet: „Hier gibt es eine Menge Strecken, die ich nie im Leben freiwillig mit einem Fahrrad befahren würde, aber mit dem E-Bike habe ich es gewagt.“

Dann legt die E-Bike-Verleiherin aus Lichtenhagen den Akku ein, aktiviert das auf der linken Seite des Lenkers befindliche Display und erklärt: „Es gibt vier Unterstützungsstufen: Von ‚no assist‘ über ‚Eco‘ und ‚Standard‘ bis hin zu ‚High“. Alle im Weserbergland auszuleihenden Movelo-Fahrräder seien vom gleichen Hersteller, stellt Nolte fest. „Zur Verfügung stehen die Fahrräder in den Größen S und M“.

Auf den ersten Blick macht das silberne Gefährt einen soliden Eindruck. Die Beleuchtung ist elektrisch und über einen kleinen Knopf am Display jederzeit mit einem Finger bequem an- und auszuschalten. Neben Gepäckträger und seitlicher Abstellstütze verfügt das Fahrrad über eine 8-Gang-Schaltung, die über eine in den rechten Lenkergriff integrierte Steuerung zu bedienen ist. Zudem hat es einen Tiefeinstieg, der das Aufsteigen zum Kinderspiel macht. Die Höhenverstellung von Lenker und Sattel ist dank einfach zu bedienendem Schnellspanner eine Leichtigkeit. Als optimale Starteinstellungen gelten, laut Nolte und Timmermann: Vierter Gang und „Standard“-Unterstützung.

Dann geht’s los. Und da das sogenannte E-Bike tatsächlich ein Pedelec ist, zeigt sich schon gleich zu Beginn der Tour, was das Zweirad nicht kann: Nämlich ohne Muskelkrafteinsatz des Fahrers fahren. Dennoch: Schon auf den ersten Metern macht sich das Gefühl, von hinten angeschoben zu werden, breit. Ein zwar überflüssiger, aber unvermeidbarer Blick nach hinten straft das Gefühl Lügen - niemand da.

Die ersten kleineren Steigungen machen sich dank der Technik des Pedelecs beim Fahrer kaum bemerkbar. Die Übersetzungen der acht Gänge des Rades scheinen gezielt auf die hügelige Landschaft des Weserberglandes abgestimmt. Die Funktionsweise der Schaltung jedoch bedarf ein wenig Übung, denn grobmotorisches Rauf- und Runterschalten „versteht“ die Technik nicht. Silke Timmermann: „Es ist wichtig, nach jedem Schaltvorgang eine kurze Trittpause einzulegen, und erst dann wieder in die Pedalen zu treten.“ Doch selbst ausgewiesene Hobbybiker und Radwander-Neulinge gewöhnen sich rasch an diese Handhabung.

Fällt es dem ungeübten Biker anfangs noch schwer, den Blick vom Display abzuwenden, um sich von der imposanten Frühlingslandschaft berauschen zu lassen, dann hat das vor allem einen Grund: Neben Akkuladestatus und gewähltem Unterstützungsmodus weist das Display nämlich auch die Fahrtgeschwindigkeit aus. Auf gerader Strecke ist bei Windstille eine Geschwindigkeit von rund 30 Stundenkilometern ohne nennenswerte Anstrengung zu erzielen. Wer in einem solchen Moment die elektrische Unterstützung komplett abschaltet, darf sich allerdings nicht wundern, dass die Muskeln nach einer deutlichen Tempodrosselung verlangen.

Neben den zahlreichen flachen Anstiegen und entspannten Abfahrten gibt es aber auf den Touren im Weserbergland natürlich auch eine ganze Reihe knackiger Anstiege mit rasanten Abfahrten, die für Radfahrer – je nach individuellem Leistungsvermögen – entweder eine Herausforderung oder schlicht zu steil sind. Mit dem Pedelec sind aber selbst die steilsten Passagen eines Anstiegs bezwingbar. Dabei sollte man allerdings einige wichtige Hinweise der Profis beachten. Timmermann: „Das Pedelec unterstützt einen Radfahrer und ersetzt nicht das eigene Treten, deswegen ist es ratsam, sich auf geraden Strecken möglichst sparsam vom Elektromotor unterstützen zu lassen, um zum Beispiel bei steilen Anstiegen mehr Power hinzuschalten zu können.“ Mit dieser Bedienungsanleitung im „Gepäck“ geht es in einen dieser steilen Anstiege. Tatsächlich entpuppt sich das Zusammenspiel von Gangschaltung und Elektromotor bei der Bewältigung eines langen Anstieges als Garant für den Erfolg. Doch gerade in einem solchen Anstieg wird deutlich, dass ein Pedelec keine Wunder vollbringen kann: Es ist ein Fahrrad und auf die Muskelkraft des Fahrers angewiesen. Abhängig von dessen körperlicher Konstitution können äußerst lange und steile Anstiege auch eine Frage der Kondition werden, denn wer im ersten Gang bei höchster Unterstützung durch den Elektromotor mit einer sehr geringen Trittfrequenz den Berg hinaufstrampelt, für den wird diese Aufgabe auch zu einer Geduldsprobe, denn mit diesen Vorgaben ist der Raumgewinn pro Pedalumdrehung denkbar gering. Entschädigt werden die fahrradfahrenden „Gipfelstürmer“ mit Abfahrten, bei denen Geschwindigkeiten von bis zu 60 Stundenkilometern erzielt werden können, dank der Bremsen aber auf das individuell gewünschte Tempo zu drosseln sind.

Das Fazit: Mit einem Pedelec wird das Fahrradfahren zu einem Genuss für die Menschen, die das Weserbergland fernab des Weserradweges erkunden und genießen wollen. Das engmaschige Netz aus Verleihern und Ladestationen der neuen „Movelo-Region“, die unterschiedlichen Zusatzangebote einiger Verleiher, wie zum Beispiel Kinderanhänger- , Helmverleih, oder Gepäcktransfer und Abholservice, aber auch die Möglichkeit, das Pedelec nur einen halben Tag für die halbe Gebühr zu mieten, sind ein Zugewinn an touristischer Qualität für die heimische Region. Nicht zuletzt werden die Fahrräder der Marke „Swiss Flyer“ von lokalen Experten als qualitativ herausragend eingestuft und schneiden bei zahlreichen Tests regelmäßig gut bis sehr gut ab. Insbesondere die Reichweite, die mit den Akkus dieser Fahrräder zu erzielen ist, gilt als hervorragend. Zwischen 50 bis 70 Kilometer soll ein voller Akku reichen; wobei, abhängig von der Streckenführung und Einsatz des Motors, laut Insidern auch bis zu 90 Kilometer gefahren werden können.

Für 20 Euro pro Tag kann der Kunde das Pedelec einen ganzen Tag ausleihen, wobei einige Verleiher bereits dazu übergegangen sind, diese Gebühr in bereits bestehende Pauschalangebote zu integrieren.

Frühlingszeit ist Fahrradzeit. Passend dazu hat im Weserbergland das Movelo-Zeitalter begonnen: Flächendeckend besteht die Möglichkeit, von Elektromotoren unterstützte Fahrräder, sogenannte „E-Bikes“, auszuleihen. Der Umfang des Angebots ist mit 100 Fahrrädern, 40 Verleihstationen und 21 Akku-Ladestationen beachtlich. Doch was kann so ein E-Bike und was nicht? Ein Praxistest.

Unter dem Sattel ist der Akku für den unterstützenden Elektromotor des Pedelec angebracht.



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