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Vier Wochen lang hat Karin Kellerer Südostasien bereist

Mit dem Fahrrad durch Kambodscha

Holprige Pfade führen durch unbeschreibliche Landschaften. Mit einer Reise durch Kambodscha und Thailand geht für die Autorin ein Traum in Erfüllung. Es ist keine normale Reise – weil sie mit dem Fahrrad Hunderte Kilometer durch den fernen Südosten strampelte. Ein Reisebericht - Teil 1.

veröffentlicht am 17.02.2019 um 11:30 Uhr

Vier Wochen lang war Karin Kellerer mit dem Fahrrad in Kambodscha und Thailand unterwegs. Foto: kke

Autor:

Karin Kellerer
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Die Reisegruppe fährt in 800 Tagen um die Welt: Von Berlin über das Baltikum und Moskau geht es zum Baikalsee. Einmal quer durch China und Südostasien nach Singapur. Dann weiter mit dem Schiff nach Jakarta, mit dem Rad nach Bali. Die Reisenden durchqueren den australischen Kontinent sowie Nord- und Südamerika.

Ab Weihnachten für vier Wochen auf einem Teil der Reise mit dabei zu sein – das ist die große Herausforderung für die Autorin. Von Frankfurt geht es zunächst mit dem Flugzeug über Doha nach Phnom Penh – die Hauptstadt von Kambodscha. Mit dem Leihrad gestaltet sich die erste Etappe dann eher gemütlich: Die Strecke von Kep nach Kampot ist nicht gerade mit Anstrengungen verbunden, Tagesprogramm sind 40 Kilometer.

Kinder säumen den Straßenrand und klatschen mit Freude die Hände der Reisenden ab, wenn die mit dem Fahrrad vorbeifahren. Wenn sie dann noch mit den Touristen aufs Foto dürfen, ist für sie der Tag gerettet.

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Das Markttreiben in Kambodscha ist ein Erlebnis für alle Sinne. Foto: kke

Teils auf Nebenstraßen führt der Weg vorbei an einem ruhiggelegenen See zur Sterling Pepper Farm. Kampot ist bekannt für seinen Pfeffer, den die Franzosen zur Kolonialzeit in großen Mengen anbauen ließen.

Die Einfahrt in Kampot mit dem Fahrrad fühlt sich beeindruckend an. Die Stadt besitzt ein kolonial beeinflusstes Zentrum. Höhepunkt des Tages ist der Sonnenuntergang am Tek Chou – nach einem langen Tag im Sattel ist Genießen angesagt.

Eine nicht ganz leichte Anfahrt zur Bokor Hill Station stellt die nächste Herausforderung dar. Ziel ist eine von den Franzosen auf 1080 Meter Höhe errichtete Ferienanlage, die den Kolonialoffizieren mit ihren Familien Rückzug und gemäßigtes Klima bieten sollte. Für den Bau mussten rund 900 kambodschanische Zwangsarbeiter mit ihrem Leben bezahlen. Das Prunkstück bildet das Hotel&Casino an einem Hang, mit einer Aussicht, die ihresgleichen sucht. Für die Franzosen hat sich die Ferienanlage übrigens nicht wirklich gelohnt: Nach rund 20 Jahren sind die Kolonialherren vertrieben worden. Ab den 70er Jahren übernahmen die Roten Khmer die Gegend und Bokor Hill blieb bis in die 90er Jahre eine ihrer letzten Hochburgen.

An einigen Gebäuden in der Umgebung lässt sich noch gut die jüngere Geschichte dieses Ortes erahnen. Mittlerweile haben Vietnamesen und Chinesen investiert und das Casino ist wieder komplett restauriert.

Der Weg hoch mit dem Rad ist kein leichter. Wegen der neu ausgebauten Straße ist der Weg zumindest nicht so holprig – und letztich siegt der Ehrgeiz.

Immer wieder tauchen unterwegs Überreste der alten Strecke auf, bei deren Anblick wohl die meisten Radler den Erbauern der neuen Straße insgeheim dankbar sind. Die Luft in der Höhe ist angenehm kühl und nach den konstanten 33 Grad der letzten Tage wird verständlich, warum es die Franzosen einst dort hinzog Die tolle, knapp 25 Kilometer lange Abfahrt ist nach der Steigung der Lohn für das harte Strampeln.

Weiter geht es 105 Kilometer von Kampot nach Sre Ambel, die Sonne glüht, die Waden auch. Rechts liegen die Berge vom Bokor Nationalpark und links immer wieder kleine Fischerdörfer. Bis zum Mittagessen läuft alles besser als erwartet. Doch danach folgt die Hauptstraße Nummer 4, die den größten Hafen mit der Hauptstadt des Landes verbindet. Für zwei Lkw nebeneinander ist gerade noch genug Platz – doch für Radfahrer wird es dann eng am Straßenrand.

Am Wegesrand lockt eine neue kulinarische Erfahrung mit allerdings wenig einladendem Namen: Stinkfrucht oder Durian heißt sie, die Königin unter den Früchten. Entweder man mag sie oder man bekommt Brechreiz. Irgendetwas dazwischen gibt es nicht.

Nach 40 Kilometern ist der Lkw-Spuk vorbei. Verschwitzt und von oben bis unten verdreckt, aber mit einem breiten Grinsen im Gesicht rollt die Truppe am Ziel ein. Braucht man definitiv nicht alle Tage so etwas. Aber es war auf jeden Fall aufregend.

Am nächsten Tag sind es nur 60 Kilometer von Sre Ambel nach Chi Phat. 33 Grad im Schatten – 40 Grad auf der Straße. Immer weiter geht es an dem Tag die Hauptstraße 48 entlang in Richtung Nachbarland – in der Ferne ruft schon Thailand. Gut ausgebaut und breit genug mit wenig Verkehr führt sie gefühlt immer weiter weg von der Zivilisation. Für den Weg nach Chi Phat ist eine Flussüberquerung mit einer kleinen Fähre nötig. Auf den 120 Kilometern von Chi Phat nach Koh Kong müssen die Fahrrad-Reisenden 1300 Höhenmeter überwinden. Ziel ist die thailändische Grenze. Die Straße ist noch recht neu. Bis vor zehn Jahren war die Grenzstadt Koh Kong noch abgeschnitten von dem Rest Kambodschas, der Zugang nur von thailändischer Seite aus möglich. Seit 2007 jedoch verbindet die Hauptstraße 48 Koh Kong mit dem Rest Kambodschas. Gebaut wurde sie teils quer durch die Ausläufer der Kardamomberge. Das Ergebnis ist eine ruhige Verbindungsstraße mitten durch den Dschungel. Links und rechts erscheint der Wald wie eine grüne, undurchdringliche Wand.

Die Paarungsrufe von wilden Gibbons vermischt mit dem Zirpen der Zikaden sind Highlights auf dem Weg. Das Mittagessen gibt es an einem „Magic-Food“-Stand. Da kann dann auch einzerstückelter Frosch dabeisein, den sich der Kunde noch lebend aussucht. Wer hier bestellt, sollte hartgesotten sein und lieber nicht die Küche inspizieren. Trotz allem: Die Reise ist ein gigantisches Bike-Erlebnis – einfach unvergesslich.

Im nächsten Bericht über die Reise erwartet die Reisenden unter anderem eine Schlange im Bett.



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