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Marc-André Rehberg hat die Tierfotografie zu seinem Hobby gemacht

Mein Revier

veröffentlicht am 15.09.2016 um 17:37 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:15 Uhr

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Autor

Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite

Sein Lieblingstier ist der Uhu, aber die Arbeitsweise von Marc-André Rehberg lässt sich deutlich besser an einem anderen Vogel erklären, dem Eisvogel. Dicker Kopf, kurzer Schwanz und schillernde Farben, die je nach Sonneneinwirkung und Gefiedernässe anders wirken, der Rücken leuchtet von blau bis ins türkis und die Unterseite von rot bis rostbraun. Aber wer denkt, so ein schillernder Vogel muss in der Natur auffallen, der irrt. Wenn der Eisvogel auf einen Beobachter zugeflogen kommt, hat man kaum eine Chance, ihn zu sehen, denn er ist sehr gut an sein Umfeld angepasst. Wer Glück hat, sieht ihn kurz von hinten, wenn er vorbeigeflogen ist, denn verdammt schnell ist er auch noch. Soll heißen: Für einen Fotografen ist der Eisvogel ein schwer einzufangendes Motiv.

Rehberg weiß noch genau, wie er sich gefühlt hat, als er sein erstes halbwegs zufriedenstellendes Foto des Vogels geschossen hat: „Ich war einfach nur happy.“ Und dann hat er beschlossen, künftig bessere Fotos des Tieres zu machen. „Genau das ist der Reiz“, erklärt der Borsteler Tier- und Naturfotograf seine grundsätzliche Einstellung: „Du hast ein Bild – und willst es beim nächsten Mal besser machen.“

Rehberg und der Autor dieser Zeilen haben sich zu einem Spaziergang entschlossen, über uns zieht ein Rotmilan seine Kreise, im Gegenlicht, sagt Rehberg, er hat natürlich Hunderte von Rotmilan-Fotos, und auch das hat er in den vielen Jahren, in denen er durch das Auetal streift, gelernt: Wie viele unterschiedliche Tiere es hier überhaupt gibt. Hermelin, Dachse, Kauze, Muffelwild, Wildschweine, aber eben auch Füchse oder Feldmäuse: „Die haben mich richtig Nerven gekostet.“ Das Auetal, das ist sein Revier, auch wenn er sich im westlichen Teil der Gemeinde deutlich besser auskennt, hier ist er, um es salopp zu formulieren, mit allem per Du, was so kreucht und fleucht.

4 Bilder

Auf ein Tarnzelt verzichtet er, nur die Kleidung ist ein bisschen dunkel, sein Vorteil sind Wissen und Erfahrung. Nach der Arbeit, wenn Licht und Jahreszeit stimmen, geht er los, man muss die Ecken kennen, sagt er. „Und selbst wenn ich etwas sehe, heißt das ja noch lange nicht, dass ich auch ein Foto habe.“ Aber wer weiß, wo seine Motive liegen oder äsen, wenn Wind und Wetter und Licht und Stimmung stimmen, der hat eine höhere Trefferquote. Und selbst wenn er kein Foto macht, sagt Rehberg, dann war der Gang ins Revier nicht umsonst: „Man lernt jedes Mal dazu, man sammelt Erfahrungen.“ Er kennt einen Rehbock und eine Ricke, da kann er die Uhr nach stellen, wann und wo sie auftauchen. Und dann darf er entscheiden: Wie soll das Foto aussehen? Gegen die Sonne? Welcher Hintergrund? Und lieber von unten aufnehmen anstatt auf Augenhöhe?

Das Gespräch wendet sich einem anderen Thema zu, der Ausrüstung. Rehberg hört es oft: Ja, wenn ich auch so eine Ausrüstung hätte, darf er sich anhören, ein 500-Millimeter-Objektiv und einen Konverter, dann würde ich ja auch gute Tierbilder machen. „Doch so ist es nicht“, sagt er, er holt die Tiere nicht über viele hundert Meter vor seine Linse, denn es liegt immer ein Grieseln oder Staub in der Luft, es flimmert, und auch wenn die Technik vieles filtert und auf den Fotos nicht mehr viel davon zu sehen ist, so ist Rehberg doch der Fotograf, der nah dran ist an seinen Motiven: „Man muss schon wissen, was man tut.“ Und wer es nicht weiß, dem hilft auch kein 500er-Objektiv.

Natürlich hilft eine gute Ausrüstung auf dem Weg zum perfekten Bild, schließlich entwickelt sich die Technik Monat für Monat weiter, aber Rehberg würde auch mit seiner allerersten Kamera heute noch recht gute Fotos machen.

Apropos Revier: Mit den Jägern stellt er sich gut, es ist ein Nehmen und Geben, sagt er, wenn er vorher erklärt, was und wie er fotografiert, dann darf er in Ruhe im Revier arbeiten, dafür gibt es im Gegenzug Tipps für den Jäger: Dort decken gerade die Wildschweine.

Vor uns setzt sich ein Graureiher in ein leeres Feld, und Rehberg erklärt, wie er arbeite, am liebsten im Einklang mit der Natur: „Das Reh würde genauso äsen und dastehen, wenn ich nicht da wäre – das ist gutes Arbeiten.“

Bilder aus dem Tierpark oder aus dem Zoo interessieren ihn nicht, und er will seinen Bildern auch nicht auf die Sprünge helfen. Beim Eisvogel, um ein Beispiel zu nennen, geht dies auf einfache und effektive Weise: Man nimmt ein Aquarium, füllt es mit Wasser und kleinen Fischen und stellt es dann in die Aue. Es wird nicht lange dauern, dann kommt der Eisvogel vorbei, setzt sich nieder und bindet sich ein Lätzchen um. Das kann man so machen, sagt Rehberg, und man möge ihn nicht falsch verstehen, er verurteile das auch gar nicht, aber für ihn selbst ist das nichts, so will und wird er nicht arbeiten. Beim Eisvogel ist dafür Geduld notwendig: Ein Bild hat er kürzlich gemacht, dass das Tier beim Eintauchen zeigt, das Foto gefällt ihm, ein anderes, bei dem das Tier wieder auftaucht, weist eine klitzekleine Unschärfe auf, da sieht er noch Potenzial. Apropos Vogelbilder: Wie sieht es mit dem Seeadler in Hohenrode aus? Rehberg muss keinen Moment überlegen: „Hohenrode ist für richtig gute Seeadler-Bilder verbrannt.“ Zu viele Menschen.

Will er mal von der Fotografie leben? Nein, sagt er, das geht heute nur noch über große Agenturen, die die Bilder vertreiben, beruflich sieht er seine Zukunft weiterhin im Garten- und Landschaftsbau.

Hat der Beruf des Fotografen noch Zukunft? Ein Anruf bei Ulrich Reiß, dem Landesvorsitzenden des deutschen Verbandes Fotografie: „Es ist wahrscheinlich wie bei den Models: Jedes Mädchen möchte Model werden“, sagt er, und man kann das große Aber schon mithören. „Aber es schaffen nur ganz wenige, damit Geld zu verdienen.“ Die meisten, die dabeiblieben, würden es nebenberuflich oder als Hobby ausüben, da seien sich Fotografie und das Modeln gleich. Er selbst sei seit 30 Jahren als Fotograf in einem Forschungsinstitut angestellt und müsse feststellen, dass immer mehr Kollegen mit kleinen Kameras oder Handys ihre Aufnahmen selber machen. Auch die Hochzeitsfotografie habe er an den berühmten Nagel gehängt, da immer mehr Gäste ihre eigenen Aufnahmen machen würden. Der Beruf des Fotografen, sagt der Landesvorsitzende, werde immer mehr zum Medientechniker, der neben der klassischen Fotografie auch den Bereich der Bildbearbeitung, Videotechnik und Internetgestaltung übernehmen dürfe. Wer Glück habe, lande als Porträt- fotograf in einem Studio, wo er selbst den Look bestimmen könne, oder er mache Produktfotografie, wo der Kunde oder eine Werbeagentur genau vorgäben, was und wie etwas zu fotografieren sei. Und ganz großes Glück habe man, wenn man von Reisefotografie oder der Naturdokumentation leben könne. „Aber wie gesagt, das Schaffen nur ganz wenige.“

Zurück ins Auetal, zurück ins Revier, zu Marc-André Rehberg. Jetzt war er doch mal in einem Park, im Wisentgehege Springe, weil sich dort bei der Flugschau wunderbar üben lässt und er dort auch seine Lieblingstiere beobachten kann, die Uhus. Und wie es so ist, er kam mit den Falknern ins Gespräch, zwei Wochen hat er für sie fotografiert und dabei neue Erfahrungen gesammelt, er will das Verhalten der Tiere besser verstehen, und ganz nebenbei hat er viel über die Hintergründe der Falknerei gelernt. Jetzt will er den Falknerschein ablegen, aber dafür muss er zunächst ein anderes Hindernis überwinden: Er muss zuvor den Jagdschein machen. Denn der Falkner darf sich einen Falken oder Steinadler halten, mit dem er dann auf Kaninchen und andere Tier Jagd machen darf.



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