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Die E-Zigarette ist auf dem Vormarsch – und kann für Ex-Raucher eine weniger schädliche Alternative sein

Mal Dampf ablassen

Für Andreas Wieneke war es eine Erleichterung. Seit über 16 Jahren hing der 40-Jährige an der Zigarette, „zwei Schachteln pro Tag“. Doch das Rauchen bereitete ihm zunehmend gesundheitliche Probleme. Hinzu kamen die Kosten. Seit drei Jahren „dampft“ Wieneke nur noch – so nennen viele E-Zigaretten-Nutzer den Konsum. „Ich konnte schnell wieder besser riechen und schmecken“, sagt der Mann aus Tündern. Die Umstellung sei anfangs schwierig gewesen – neben E-Zigaretten habe er auch noch Tabakzigaretten gebraucht. Mittlerweile „dampft“ er nur noch. Auch die Nikotin-Dosierung, die bei einer E-Zigarette variabel einstellbar ist, hat er langsam runterreguliert. Dennoch: Ganz ohne etwas in der Hand, das kann er sich nicht vorstellen. Seine Frau hingegen schon: Sie habe ihre Nikotin-Abhängigkeit mit dem Schritt über die E-Zigarette komplett zu den Akten gelegt.

veröffentlicht am 02.09.2014 um 00:00 Uhr

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Fälle wie Wieneke kennt Händler Robert Stangenberg zuhauf. Der Hauptkundenkreis des Hamelner Unternehmers sei zwischen 30 und 70 Jahren alt – Jugendliche kämen bei ihm nicht vorbei, sagt Stangenberg. Wer von der Zigarette auf die E-Zigarette umsteige, starte meist mit einem Geschmack, der den gewohnten Tabak simuliere. „Später wechseln viele dann zu einem anderen Aroma“, so der 49-Jährige. Ob Kaffee, Pina Colada oder Beerengeschmack – das Angebot ist riesig. Auch im Internet – das ist allerdings auch das Problem. Von „Billigliquids“ rät Stangenberg ab – denn bei unseriösen Anbietern könne man nicht sicher sein, was drin ist.

Derzeit, sagt der Händler, werde man mit dem Geschäft „noch nicht reich“ – das könnte sich allerdings bald ändern. Der Verband des E-Zigarettenhandels gibt an, dass sich der Umsatz in den vergangenen vier Jahren mehr als verzwanzigfacht habe – von fünf auf 100 Millionen Euro Umsatz bis Ende 2013. Noch in diesem Jahr soll der Umsatz auf bis zu 200 Millionen Euro steigen, prophezeit der Verband. Die WHO spricht von einem Weltumsatz von rund 2,3 Milliarden Euro mit mehr als 460 verschiedenen Marken. Alle großen Tabakkonzerne sind mittlerweile selber ins E-Zigarettengeschäft eingestiegen. Die Produkte werden in China seit etwa 2004 vermarktet, wenige Jahre später kamen sie auf den europäischen Markt. Seit Ende 2011 werden E-Zigaretten insbesondere im Internet und im Handel angeboten. Nach Schätzungen der Branche nutzen sie derzeit rund ein bis zwei Millionen Deutsche.

Rechtslage in

Deutschland noch unübersichtlich

Die Rechtslage in Deutschland ist noch größtenteils unklar – da E-Zigaretten keinen Tabak enthalten, findet das Tabakgesetz keine Anwendung. Laut Bundesregierung können die Liquids der E-Zigaretten als Arzneimittel, die dazugehörige „Hardware“ als Medizinprodukt eingestuft werden, so die Meinung im Jahr 2012 – theoretisch bräuchte also jeder Händler eine arzneimittelrechtliche Zulassung. Dem widersprachen allerdings mehrere Gerichte: Zuletzt das Oberverwaltungsgericht Münster, das der E-Zigarette keine therapeutische Wirkung bescheinigte und sie als reines Genussmittel einstufte. Ein höchstrichterliches Urteil vom Bundesverwaltungsgericht steht allerdings noch aus. Gestritten wird auch noch um die Frage, ob auch E-Zigaretten von den Nichtraucherschutz-Gesetzen erfasst sind – die Regierung sieht es zumindest so. Auf europäischer Ebene ist eine Regulierung der E-Zigarette im Rahmen der EU-Tabakrichtlinie geplant: Sie soll bis 2016 in Kraft treten. Danach sollen E-Zigaretten frei verkäuflich bleiben, allerdings dann in Apotheken verbannt werden, wenn die Liquids mehr als 20 Milligramm Nikotin pro Milliliter enthalten. Bei der Werbung sollen dann ähnliche Einschränkungen gelten wie bei Tabakprodukten.

Andreas Wieneke, Bernd Walter und Andrea Striemann (von links) dampfen – statt zu rauchen. Die E-Zigaretten sind ihre ständigen Begleiter. ant

Die Weltgesundheitsorganisation wird nicht müde, vor ihr zu warnen. Doch für viele Raucher ist sie eine große Chance – die E-Zigarette. Klar ist bisher: Sie ist weniger schädlich als eine Zigarette mit Tabak. Klar ist auch: Die E-Zigarette bringt dem Bund keine Tabaksteuer ein.

Es gibt sie in verschiedenen Größen, mit Einmalkartusche oder nachfüllbarer Kartusche, mit Nikotin oder ohne. Manche Geräte simulieren ein Glimmen; auch die Akkudauer ist unterschiedlich. Der Dampf ist vielen aus der Nebelmaschine in der Disko bekannt. Doch je nachdem, welche Inhaltsstoffe im Liquid sind, ändert sich auch die Zusammensetzung des Nebels.dpa



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