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„Landatlas“ des Thünen-Instituts gibt umfassend Auskunft

Leben in Niedersachsen

BRAUNSCHWEIG. Abgehängt oder mittendrin? Wer wissen will, wie es um Infrastruktur und Lebensverhältnisse in der eigenen Umgebung steht und wie „ländlich“ er oder sie eigentlich wohnt, wird im „Landatlas“ des Thünen-Instituts fündig. Die Bundesforschungseinrichtung für Ländliche Räume hat erstmals ein umfangreiches Kartenwerk vorgestellt, das im Internet zugänglich ist und Auskunft gibt zu ganz unterschiedlichen Fragen; Wie weit sind in der Gemeinde oder im Kreis Arzt und Apotheke durchschnittlich entfernt, in welcher Region wird das meiste Geld verdient, wo sind die Mieten besonders hoch?

veröffentlicht am 13.01.2017 um 17:54 Uhr

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Autor:

Gabriele Schulte
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„Ländlich“ haben die Forscher als Begriff weit gefasst. Auch Mittel- und Kleinstädte gelten demnach als ländlich, wenn sie sich fern der Ballungsräume befinden – wobei die Region Hannover als Einheit aufgeführt ist. „Ein Ort liegt weniger ländlich, wenn innerhalb eines 50-Kilometer-Radius eine Großstadt mit Uni und Oper gut zu erreichen ist“, sagt Projektmitarbeiter Torsten Osigus. In die Darstellung zur ländlichen Prägung einer Region (siehe Grafik unten) fließen weitere Daten ein: die Siedlungsdichte, der Anteil der land- und forstwirtschaftlichen Fläche an der Gesamtfläche, der Anteil der Ein- und Zweifamilienhäuser an den Wohngebäuden und die regionale Bevölkerungsentwicklung.

Ländlich wird neu definiert


„Wir haben neu definiert, was Stadt und Land heißen soll“, sagt Volkswirt Osigus. Eine sehr ländliche Gegend sehe im Prinzip so aus, erläutert der 38-Jährige: Die Landschaft sei dünn besiedelt und geprägt von Wald, Wiesen oder Ackerflächen. Die Wohnbebauung zeichne sich durch besonders viele Ein- und Zweifamilienhäuser aus. Große Zentren seien zudem weit entfernt und schlecht zu erreichen.

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Das alles sei beim Institut nicht nur auf Kreisebene, sondern auch für die einzelnen Gemeinden ermittelt worden. Entscheidend sei dabei die Raumstruktur. Die offiziellen Stadtgrenzen hätten, anders als üblich, hier keine Rolle gespielt.

Eine Erkenntnis hat die Wissenschaftler, die für den Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums ganz Deutschland im Blick hatten, besonders überrascht: „Bei Niedersachsen fällt sehr stark auf, wie unterschiedlich dieses Land ist“, sagt Osigus. Und er meint sogar festgestellt zu haben: „Niedersachsen spiegelt Deutschland im Kleinen wider.“ Das betreffe nicht nur die verschiedenen Landschaften zwischen offener Küste im Norden und waldreichem Bergland im Süden, sondern beispielsweise auch die Wirtschaftskraft, die im Westen deutlich höher sei als im Osten des Bundeslandes. Ob bei Bevölkerungsentwicklung, Arbeitsmarkt oder Landwirtschaft – schon wegen Niedersachsens Flächenausdehnung gebe es hierzulande viel größere Unterschiede als anderswo.

Frauen leben in Gifhorn lange


Im „Landatlas“ hat eine Vielzahl von Daten ihren Niederschlag gefunden. Eine Antwort auf das „Warum“ wird im Einzelnen nicht gegeben. Manchmal reicht bei der Analyse der gesunde Menschenverstand. Die Frage, warum etwa in Wolfsburg der Anteil der in Kindertagesstätten betreuten Drei- bis Sechsjährigen über 100 Prozent liegt, erklärt Volkswirt Osigus so: Viele VW-Mitarbeiter von außerhalb bringen ihre Kinder mit in den Betriebskindergarten. Mancher Landkreisvergleich dagegen stellt die Betrachter vor größere Rätsel. So muss sich jeder selbst einen Reim darauf machen, warum die Lebenserwartung für Männer im Landkreis Oldenburg besonders hoch ist, für Frauen dagegen nicht (Grafiken rechts). Und warum andererseits Frauen im Kreis Gifhorn mit am längsten leben – statistisch gesehen, versteht sich.

Information

Als nächstes kommen Karten zur digitalen Versorgung

Mit dem „Landatlas“ will das Thünen-Institut Raumplanern Material an die Hand geben, aber auch ganz normalen Menschen Hilfestellung etwa bei der Wohnortwahl leisten. „Wer sich für das Leben jenseits der Ballungsräume interessiert, trifft oft auf pauschale Zuschreibungen, die das Klischee einer Landlust bedienen oder aber einem Landfrust das Wort reden“, sagt Projektleiterin Annett Steinführer. Anhand der Karten im Internet (www.landatlas.de) könnten sich Interessierte darüber informieren, wie es in einzelnen Gemeinden etwa mit den Baulandpreisen aussieht. Zwar stammten die Daten zum Teil noch aus dem Jahr 2013. Doch die Grundtendenzen hätten sich seitdem vermutlich nicht wesentlich verändert, sagt Steinführer. Außerdem werde der „Landatlas“ ständig aktualisiert. Rund 60 Indikatoren werden in dem Atlas kleinräumig aufbereitet, vor allem zur sozialen, demografischen und wirtschaftlichen Situation, zum Wohnen, zur Versorgungslage und zur Erreichbarkeit verschiedener Einrichtungen wie Tankstellen und Lebensmittelläden. Was jetzt noch fehlt, sind Karten zur digitalen Versorgung, die für die Kommunen immer wichtiger wird. Diese Karten sollen in Kürze folgen.



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