weather-image
16°

Unterwegs mit dem Tesla S / Nur zwei Modelle in Schaumburg und Hameln-Pyrmont

Lautloses Kraftpaket

Lautlos, wie von Zauberhand bewegt, startet der Wagen. Nur das leise Abrollgeräusch der Reifen ist zu hören, vom Motor aber auch nicht der leiseste Ton wahrzunehmen. Sanft gleitet das Fahrzeug aus der Stadt. Auf einer Nebenstrecke drückt Lutz Reimann, Chef des Hamelner Unternehmens elektroma, aufs Gaspedal, und schon werden die Passagiere leicht in die Sitze gedrückt. Innerhalb von nur vier Sekunden hat der Fahrer das mehr als zwei Tonnen schwere Gefährt auf 100 Stundenkilometer beschleunigt. „Da kommt auch kein Maserati mit“, freut sich Reimann und bremst den „Tesla S“ wieder auf 50 km/h herab – es geht durch die nächste Ortschaft.

veröffentlicht am 13.04.2015 um 00:00 Uhr

270_008_7697620_DSC_0370.jpg

Autor:

Wolfhard F. Truchseß

Reimann besitzt bislang als Einziger im Landkreis Hameln-Pyrmont einen Tesla, ein zweiter läuft im Landkreis Schaumburg. Es sind echte E-Mobile, die sich bewegen lassen, ohne auch nur ein Gramm CO2 auszustoßen, wobei die CO2-Bilanz für die Herstellung der Akkus jedoch nicht gerade positiv sein soll. Einen Auspuff hat der Tesla S nicht – Abgase sind für ihn ein unbekannter Begriff. Und während andere Fahrzeuge aus vielen Hundert einzelnen Bauteilen zusammengesetzt sind, die alle samt und sonders mechanischem Verschleiß unterliegen, kennt der rund 400 PS starke Wagen kein Getriebe, keine Kupplung, keinen Zahnriemen, keine Kolben, Pleuel, Benzinpumpe und was sonst noch so zu einem veritablen Gefährt gehört. Die Antriebskraft des Tesla S wird allein durch einen Elektromotor erzeugt, der direkt auf der Hinterachse sitzt und mit zwei Differenzialen das hinterradangetriebene Auto bewegt.

Anders als viele Elektromobile hat der Tesla eine Reichweite, die Lutz Reimann nicht nur Fahrten durch oder in die nächste Stadt erlaubt, sondern Reisen durch ganz Deutschland ermöglicht, ohne dass ihm der Saft ausgeht. „500 Kilometer schafft der Tesla bei Geschwindigkeiten von 100 bis 120 km/h“, berichtet Reimann. Mit 30 „Tankstellen“ zwischen den großen deutschen Städten an Autobahnausfahrten findet er immer rechtzeitig einen „Supercharger“, wie die Ladestationen genannt werden, um innerhalb von zehn Minuten Kraft für die nächsten 100 Kilometer zu „tanken“ – kostenlos, denn mit dem Preis von rund 95 000 Euro für den mit allen Schikanen ausgestatteten Tesla hat Reimann zumindest auch die Kilowattstunden erworben, mit denen er die Batterien an den Tesla-Ladestationen unterwegs wieder auflädt, egal, wie viele Kilometer er zurückgelegt. Verständlich also, dass Reimann sein Schmuckstück nicht nur zu Sonntagsfahrten benutzt, sondern als Dienstwagen ebenso wie für alle privaten Fahrten.

Lädt Reimann seinen Tesla an einer kommerziellen Tankstelle voll auf, zahlt er rund 20 Euro. An der eigenen Solartankstelle kommt er bei einem Mix aus PV- und Ökostrom der Stadtwerke Hameln auf etwa 16 Euro, reiner Solarstrom kostet den elektroma-Chef nach seinen Angaben nur 9 Euro. Sprit für 500 Kilometer kostet bei einem angenommenen Verbrauch von 10 Litern pro 100 Kilometer dagegen derzeit um die 65 Euro, ganz zu schweigen von der Menge an Kohlendioxid, die ein vergleichbar großes Fahrzeug ausstößt. Und noch einen interessanten Effekt haben E-Mobile: Sie heizen die Städte weniger stark auf als Autos mit herkömmlichem Antrieb.

Auf der Autobahn angelangt lässt Reimann dem Tesla die Zügel locker und beschleunigt kurz und ohne jedes Rucken auf 185 km/h. In dem schnittigen Wagen, der locker die Ausmaße eines großen BMW oder Mercedes S-Klasse hat, aber viel mehr Kofferraum sowohl unter der „Motorhaube“ als auch im Heck, sind nur die Windgeräusche wahrzunehmen. Wie ein Brett liegt der Wagen mit seinen unter dem Fahrgastraum installierten Akkus auf der Straße und folgt willig den Anweisungen seines Fahrers. Gesteuert wird die Technik des Tesla S komplett per Software, die von dem US-Unternehmen permanent weiterentwickelt und im Bedarfsfall dem Kunden online aufgespielt wird.

Tasse Kaffee während „Tank“-Vorgangs

Sieben „Zapfsäulen“ hat das US-Unternehmen Tesla an der Autobahnausfahrt bei Lauenau installiert. Nur gluckert hier nichts, wenn Reimann die Verbindung herstellt. Kurze Zeit leuchten drei grüne Dioden auf, um ihm zu signalisieren, dass der „Tank“-Kontakt erfolgreich hergestellt ist. „Für 400 Kilometer brauche ich 40 Minuten Ladezeit“, erklärt der elektroma-Chef, der sich selbst als absoluten Fan von E-Mobilen bezeichnet. „Zeit, um etwas essen zu gehen und einen Kaffee zu trinken. Diese Pause tut bei langen Fahrten gut.“

Was in Deutschland noch exotisch wirkt, setzt sich weltweit ganz allmählich durch. Zumindest vermeldet das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW) in Baden-Württemberg „enorme Zuwächse“ bei der Elektromobilität. Nach den Berechnungen der Wissenschaftler waren Anfang des Jahres 2015 weltweit mehr als 740 000 Elektroautos unterwegs. Allein im vorigen Jahr seien etwa 320 000 E-Mobile neu zugelassen worden. Nach Angaben von Tesla Deutschland waren es hier rund 1000 Teslas, die verkauft wurden.

Gemessen am Gesamtbestand sind die USA mit 290 000 Fahrzeugen führend; China liegt mit knapp 100 000 E-Mobilen auf Platz 3 hinter Japan, wo die Hunderttausender Marke bereits überschritten wurde. Während China einheimische Elektrofahrzeuge finanziell fördert, fehlt dieser Anreiz in Deutschland, das wohl auch aus diesem Grund mit einem Bestand von lediglich knapp 30 000 E-Mobilen nur auf Platz 7 liegt. Gemessen am Gesamtbestand seiner Pkw ist Norwegen das absolute Vorreiterland: Mit einem Anteil von 1,6 Prozent wird die Elektromobilität bereits im Alltag sichtbar. Im Vergleich: In Deutschland macht dieser Anteil gerade mal 0,07 Prozent aus.

Die führenden Hersteller von Elektroautos sind Nissan, General Motors, Toyota, Mitsubishi und Tesla. Nach den Berechnungen des ZSW wurden seit dem Jahr 2010 mehr als 150 000 Nissan Leaf zu gelassen, 75 000 Chevrolet Volt und 60 000 Toyota Prius Plug-In. Tesla kommt inzwischen auf 50 000 Fahrzeuge mit Elektroantrieb. Aufhorchen lässt mittlerweile BMW mit seinem „i3“. Seit gut einem Jahr im Handel, wurden weltweit innerhalb dieser Zeit 15 000 Modelle auf den Markt gebracht. Nach den Angaben des ZSW hat sich die Zahl der Elektroautos zwischen den Jahren 2012 und 2014 jährlich verdoppelt.

Elektroautos sind in Deutschland noch eine Rarität – die des US-Herstellers Tesla ganz besonders. In den Landkreisen Schaumburg und Hameln-Pyrmont gibt es nur zwei Tesla S, weltweit dagegen 50 000. Still und leise rollen sie über die Straßen und sind doch richtige Kraftpakete.

Sieht aus wie eine Zapfsäule, nur fließt statt Sprit Strom, um die Batterien des Tesla S für die nächsten paar hundert Kilometer aufzuladen.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?