weather-image
29°
„Tag des Rauchmelders“: Kampagne soll im Weserbergland über Notwendigkeit und Umgang mit den Meldern aufklären

Kleiner Lebensretter

Jedes Jahr sterben in Deutschland im Schnitt 30 Menschen infolge eines Hausbrandes. Die meisten von ihnen fallen nicht etwa den Flammen zum Opfer, sondern ersticken am hochgiftigen Brandrauch des Feuers. Schon wenige Atemzüge der Rauchgase können ausreichen, um irreversible Gehirnschäden zu erleiden. Nicht selten bedeutet eine Rauchvergiftung den sicheren Tod.

veröffentlicht am 11.04.2018 um 17:47 Uhr

Lebenshilfe-Mitarbeiter Sascha Meier, der auch Ortsbrandmeister ist, ist bei der Lebenshilfe zuständig für die Wartung von 1600 Rauchmeldern. Hier zeigt Meier einen optischen Melder, der außer auf Rauchentwicklung auch auf Wärme reagiert. Foto: tol

Autor:

Niklas Könner
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Der alljährliche „Rauchmeldertag“ am 13. April soll auf die tödliche Gefahr aufmerksam machen und zeigen, wie wichtig die Installation von Rauchmeldern im Eigenheim ist. Daher setzt sich die Initiative „Rauchmelder retten Leben“ in diesem Jahr mittels einer Plakat- und Onlinekampagne das Ziel, die Bevölkerung über die korrekte Montage und Wartung von Rauchmeldern sowie das richtige Verhalten im Brandfall umfassend zu informieren. „Immer noch wissen viele Verbraucher nicht genau, wie Rauchmelder funktionieren, und dass diese im Brandfall rechtzeitig warnen“, erklärt Frank Hachemer, Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV).

Dabei ist der Einbau von Rauchmeldern in privaten Haushalten bundesweit gesetzlich vorgeschrieben. In Niedersachsen müssen seit dem 1. November 2012 alle Neubauten mit Rauchwarnmeldern ausgestattet sein. Für bestehende Häuser und Wohnungen galt bis zum Jahresende 2015 eine Übergangsfrist zur Nachrüstung. Seither sind die Wohnungseigentümer dafür verantwortlich, dass mindestens in allen Schlaf- und Kinderzimmern sowie in Fluren, die als mögliche Fluchtwege im Brandfall infrage kommen, Rauchmelder eingebaut sind.

Hintergrund ist, dass gerade nachts der Rauchmelder zum Lebensretter werden kann. Denn im Schlaf ist der Geruchssinn des Menschen inaktiv. Das normalerweise stechend riechende Rauchgemisch dringt dann unbewusst während des Schlafes in die Luge ein und sorgt binnen kürzester Zeit für den Tod. Die Annahme, rechtzeitig durch die Hitze der Flammen geweckt zu werden, erweise sich dabei als Mythos, erläutert Markus Weber, Stadtbrandmeister in Hameln: „Die Gase breiten sich deutlich schneller als das Feuer aus und führen rasch zur Bewusstlosigkeit.“ Vor eben jener unterschätzten Gefahr schütze ein Rauchmelder, indem er bei der geringsten Gaskonzentration in der Luft die Bewohner mit einem schrillen Alarmton warne. Daher seien die Geräte „nicht nur empfehlenswert, sondern unabdingbar“, so Weber.

Bei diesem Brand an der Morgensternstraße in Hameln wurde ein Bewohner leicht verletzt. Foto: fn
  • Bei diesem Brand an der Morgensternstraße in Hameln wurde ein Bewohner leicht verletzt. Foto: fn

Die Gase breiten sich deutlich schneller als das Feuer aus und führen rasch zur Bewusstlosigkeit.

Markus Weber, Stadtbrandmeister Hameln

Thomas Blaue, Ortsbrandmeister der Stadt Rinteln, kann seinem Kollegen aus Hameln nur beipflichten: „In Rinteln nimmt die Zahl der Wohnungsbrände seit einigen Jahren kontinuierlich ab.“ Den Grund dafür sieht Blaue bei der vermehrten Installation von Rauchmeldern. Die Geräte würden bei „der frühzeitigen Erkennung von potenziellen Brandsituationen helfen und die Chance auf erfolgreiche Löschversuche erhöhen.“ Mit der Gewissheit, vor einem Feuer in den eigenen vier Wänden rechtzeitig gewarnt zu werden, könne man doch „wesentlich ruhiger schlafen“, lautet Blaues Credo.

Simple Fehler bei der Montage können die lebensrettende Alarmierung allerdings zunichtemachen. „Ein Rauchmelder reicht nur für Räume bis zu einer Größe von 60 Quadartmetern“, erklärt Frank Schubert, Einsatzleiter bei der Freiwilligen Feuerwehr in Bückeburg. Jeder Teilbereich, der durch Stellwände oder Türen vom Rest des Raumes isoliert ist, müsse individuell mit einem Warnmelder ausgerüstet werden. Zudem sollte das Gerät „möglichst einen halben Meter entfernt von anderen Objekten in der Raummitte platziert werden“, rät der Feuerwehrmann. Ansonsten könnten Luftverwirbelungen, verursacht durch Möbelstücke, einen Fehlalarm auslösen.

In Ausnahmeräumen wie dem Badezimmer oder der Küche seien Rauchmelder indes fehl am Platz: „Durch den Wasserdampf käme es dort öfters zu Fehlalarmen, die nur unnötige Panik auslösen würden“, merkt Blaue an. Darüber hinaus ist es zwingend erforderlich, den Rauchmelder stets waagerecht an der Zimmerdecke anzubringen, da Brandrauch aufgrund seiner Dichte immer nach oben steigt.

Doch ein noch so perfekt platzierter Melder bleibt stumm, wenn die Stromversorgung fehlt. Das mag unvorstellbar anmuten, aber die Realität beweist das Gegenteil. „Nicht selten sehen wir an Einsatzstellen Melder, die herumliegen und keine Batterien mehr tragen, also im Ernstfall nicht helfen können“, bestätigt Schubert das Horrorszenario. Unlängst seien bei einem Brand eines Badlüfters sämtliche Rauchmelder in der Wohnung nicht nur falsch montiert, sondern auch stromlos und damit vollkommen nutzlos gewesen. Schubert empfiehlt deshalb, die Melder regelmäßig, „mindestens aber einmal pro Jahr auf Funktionsfähigkeit zu testen“.

Information

So funktioniert ein Rauchmelder

Die meisten Rauchmelder sind sogenannte „optische Rauchmelder“. Das Herzstück im Inneren ist die Rauchkammer. Über schmale Kaskaden gelangt die Außenluft in die kleine Kammer. Dort befinden sich eine Infrarot-Leuchtdiode und ein lichtempfindlicher Sensor, auch Fotodiode genannt. Die Infrarot-LED sendet einen permanenten Prüf-Lichtstrahl aus, der für das menschliche Auge nicht sichtbar ist. Der Lichtstrahl ist dabei so ausgerichtet, dass dieser nicht auf die Fotodiode trifft. Dringen im Brandfall nun Rauchpartikel in die Kammer ein, sorgen sie für eine Streuung des Infrarotlichts. Gemäß dem Streulichtprinzip fällt ein Teil des Lichtstrahls dann auf die Fotodiode und aktiviert sie. Infolgedessen schlägt der Rauchmelder Alarm.nk

Orientierung bietet dabei eine „Rauchmelder-Checkliste“, die alle zu überprüfenden Komponenten im und am Gerät abdeckt. Mittels der Prüftaste auf der Unterseite des lässt sich beispielsweise kontrollieren, ob der Melder überhaupt aktiviert ist. Einen fälligen Batteriewechsel kündigt der Apparat mit akustischen Signaltönen, die leiser als der Alarmton und in regelmäßigen Abständen ertönen, an. Zur Komplettierung der Checkliste gehört noch die Entfernung von Fremdkörpern wie Insekten oder Staub an den Raucheintrittsöffnungen dazu. Zudem sollte das Gerät nach zehn Jahren Betriebsdauer durch ein neues ersetzt werden.

Beim Neukauf ist allerdings auf die Qualität des kleinen Lebensretters zu achten. Die europäische Produktnorm sowie die Angaben des Herstellers müssen zwangsläufig auf jedem legal angebotenen Melder verzeichnet sein. Ein schlechtes Modell lässt sich dadurch aber nicht sofort von einem qualitativ hochwertigem unterscheiden. Abhilfe verschafft da das „Q-Zeichen“, das „ein unabhängiger Nachweis für einen durchgeführten Qualitätstest ist“, klärt Steffen Scholz von der Klaus-Scholz-Elektrotechnik-GmbH in Obernkirchen auf. Überdies verfüge ein „Q-Melder“ über die Funktion der Vernetzbarkeit. Heißt: Registriert ein Melder in einem Zimmer Rauchgase, leitet er diese Information an alle Geräte im Haus weiter, die dann ebenfalls Alarm schlagen. Das habe den effektiven Vorteil, dass „der Alarm vervielfacht wird und man im Ernstfall definitiv aufgeweckt wird“, sagt Scholz.

Zusätzlich ist die Problematik des häufig vergessenen Batteriewechsels mit „Q-Meldern“ Geschichte: Sie enthalten eine festeingebaute 10-Jahres-Batterie. Ferner reduziert ein stabileres Gehäuse die Wahrscheinlichkeit eines Fehlalarms. Bereits ab 50 Euro gibt es die vernetzbaren Modelle, qualitätsgeprüfte Standardmodelle erhält man ab 30 Euro pro Exemplar beim Fachhändler. Der Preis sollte jedoch nicht das entscheidende Kriterium zur Anschaffung von Rauchmeldern für das eigene Zuhause sein. Schließlich kann auf diese Weise Leben gerettet werden – ein unbezahlbares Gut.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare