weather-image
12°

Kleine Monster vor der Linse

Manchmal schleiche ich durch die Wiese wie eine Katze“, sagt Stefanie Beyer. Sie macht das nicht etwa, um Mäuse zu fangen. Vielmehr beobachtet sie die Tiere im Wald und auf der Wiese, um sie genau im richtigen Moment zu fotografieren.

veröffentlicht am 25.01.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 25.01.2012 um 12:19 Uhr

270_008_5171831_hin12_Fotografin.jpg

Autor:

Monika Dietz

Im Weserbergland gebe es dabei sehr viel zu entdecken. „Man muss nicht in den Nationalpark fahren, um besondere Tiere zu sehen.“ Geduld brauche sie für ihr Hobby, erzählt die 27-Jährige. „Wichtig ist, dass man sich langsam heranpirscht.“ Selten gehe sie los, um ein bestimmtes Tier zu suchen. Sie knipst einfach, was ihr vor die Linse kommt.

„Ich freu’ mir ein Loch in den Bauch, wenn ich ein Tier finde, das ich noch nicht fotografiert habe“, sagt Beyer und zeigt die Aufnahme einer Wespenspinne. Lange Zeit habe sie diese Spinne auf ihren Spaziergängen bei Bodenwerder nicht entdecken können. Irgendwann sei ihr plötzlich die Spinne mit dem Wespen-Muster aufgefallen. Typisch für diese Spinne sei, dass sie zusätzlich in ihr Netz Zickzacklinien einwebt. Seitdem könne sie die Wespenspinne auch an anderen Orten finden: Die Struktur des Netzes verrate sie. „Spinnen sind übrigens keine Insekten“, stellt die Hobby-Fotografin klar. Zu Hause habe sie ein Nachschlagewerk über Insekten, um zusätzliche Informationen zu finden, schaue sie im Internet nach.

Schon als Kind habe sie mit einer einfachen Kamera in der Natur fotografiert, erzählt sie. Heute benutzt Beyer eine Spiegelreflexkamera mit Makro-Objektiv. „Ich bin so jemand, der draufhält und dann guckt, was brauchbar ist“, erklärt Beyer ihren Arbeitsstil.

5 Bilder

Wenn sie über eine Wiese geht und auf Fotofang ist, läuft sie vorsichtig, um kein Tier zu zerquetschen und kein Netz zu zerstören. „Ich passe auf, dass ich nicht mehr Schaden anrichte als nötig“, sagt die 27-Jährige, die nach ihrem Studium in den Bereichen Naturschutz und Ökologie tätig sein möchte.

Viele Tiere, wie die grünen Grashüpfer auf der Wiese, tarnen sich, um nicht aufzufallen. Manchmal lege sie sich auf den Boden und trage Schoner ihrer Inlineskates, damit sich in die Knie keine Steine drücken. „Man entwickelt ein spezielles Auge für die Tiere und lernt, auf Details zu gucken, wo sich was bewegt.“ Im vergangenen Jahr sei eine Hornisse immer wieder im Kreis über Blüten geflogen, auf denen Käfer und Schwebfliegen saßen, erzählt Beyer. Gepackt habe sich die Hornisse aber eine Wespe. Mit nur einem Beinchen hielt sie sich an einem Ast fest, mit den anderen Beinen hatte sie die Wespe umklammert. So hat Beyer sie fotografiert.

War das nicht gefährlich für sie? Immerhin besitzen die Tiere einen Stachel. „Am Anfang hatte ich vor Hornissen schon Angst“, verrät sie. Dann habe sie gelesen, dass diese Insekten nicht aggressiv werden, solange man genügend Abstand zu deren Nest hält. Bis auf etwa einen Meter habe sie sich dem Hornissen-Nest genähert. Seiner Beute habe das Insekt später den Kopf und die Flügel abgeschlagen, den Rest habe es zu einem Breiball zerkaut und damit seine Larve gefüttert.

Nun im Winter habe jedes Insekt seine eigene Methode, um die Kälte zu überleben, erklärt Beyer. Von den Schmetterlingen zum Beispiel gebe es Arten, die als Schmetterlinge überwintern, andere als Raupe oder Puppe. Die Marienkäfer verfielen in eine Kältestarre und hätten eine Art Frostschutzmittel in ihrem Körper, damit sie nicht erfrieren. Sie seien dann auch meistens die ersten Frühlingsboten für uns Menschen.

Kurz nach Weihnachten habe sie an einem sonnigen Tag noch Feuerwanzen im Freien krabbeln sehen. „Normalerweise zeigen sie sich erst im März“, weiß Beyer. Obwohl der Winter bis jetzt relativ mild war, könne sie allerdings nicht mehr Insekten erkennen als sonst auch.

Die meisten von ihnen überwintern gut geschützt, erklärt der Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Milde und feuchte Winter könnten unter anderem zu mehr Schimmelpilz-Befall führen, woran viele Insekten zugrunde gehen.

Kritisch werde es für Insekten, wenn sie im Winter starken Temperaturschwankungen ausgesetzt sind. Ob im Frühjahr letztlich mit Insektenplagen zu rechnen ist, hänge allerdings auch davon ab, wie gut die natürlichen Feinde der Insekten den Winter überstehen.

Noch mehr Fotos von Stefanie Beyer finden Sie in einer Bildergalerie auf www.schaumburger-zeitung.de.

Unheimliche Fabelwesen, drollige Sonderlinge, dramatische Kampfszenen: Die

Hobby-Fotografin Stefanie Beyer entdeckt im Wald und auf der grünen Wiese eine ganz eigene Welt – und hält sie in

faszinierenden Bildern fest. Ihre bevorzugten Motive sind Insekten und Spinnen.

Eichelbohrer

Hornisse und Wespe im Kampf Bremse

Schwebfliege



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt