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Kindern bleibt nur die Schülerspeisung

Seit 25 Jahren unterhält die Herderschule in Bad Pyrmont eine Schulpartnerschaft zur Primary School South Horr. Unterstützt wird die Unesco-Projektschule dabei von allen Schulen aus Bad Pyrmont und Lügde. Vertreter der Herderschule halten in diesen Tagen engen Kontakt zu ihren Freunden und Partnern in dem von der Dürre heimgesuchten Land. „Der letzte Regen fiel im April und im gesamten Jahr waren es bisher nur sechzig Millimeter Niederschlag“, berichtet Pater Peter Kariuki, der Leiter der örtlichen Missionsstation. Yurenimo Stakewell, Mitglied des Schulorganisationskomitees, schreibt: „Es ist extrem trocken und viele Leute haben nichts zu essen. Das Wenige, das nach South Horr gelangt, ist extrem teuer. Die Preise für Grundnahrungsmittel wie Mais, Bohnen, Zucker und Öl haben sich verdoppelt. Ein Problem in diesem Teil des Landes ist nach wie vor die schlechte Infrastruktur. Es gibt keine Asphaltstraße nach South Horr, keine Brücken über sandige Flussbetten, keine Tankstellen, keine Werkstatt. Die Pisten sind so schlecht, dass Lkw-Transporte oft tagelang irgendwo in der Wildnis mit Pannen liegen bleiben, bis endlich Hilfe organisiert oder ein Ersatzteil beschafft ist. Dies verteuert die Lebensmittellieferungen oder macht sie sogar unmöglich. „Wir haben eine Delegation mit Vertretern unserer Region zu Präsident Kibaki geschickt, um eine Asphaltstraße zu fordern“, berichtet Joseph Lemarkat aus der 140 Kilometer von South Horr gelegenen Kreisstadt Maralal. „Sie ist uns versprochen worden“, meldet Lemarkat, ohne allerdings allzu große Hoffnungen auf baldige Umsetzung damit zu verbinden. Zu oft sind sie von Versprechungen der Regierung enttäuscht worden.

veröffentlicht am 22.08.2011 um 00:00 Uhr

Die Vorräte schrumpfen dramatisch: Rektor Boniface Lonyait inspiziert das Lebensmittellager der Schule und hofft auf neue Liefer

Autor:

Karl-Heinz Recklebe

Sigrid Recklebe, die an der Herderschule die Aktivitäten zur Partnerschule in South Horr koordiniert, konnte einen Telefonkontakt zum Rektor der Primary School South Horr herstellen. Boniface Lonyait kommt selbst aus South Horr und leitet die Schule seit drei Jahren. „Wir haben durch ein staatliches Hilfsprogramm Lebensmittel für Schülerspeisungen bekommen“, berichtet er, „dadurch sind wir in der Lage täglich wenigstens eine Mahlzeit für die Schüler auszugeben.“ Obwohl der August in Kenia ein Ferienmonat ist und die Schule dann normalerweise schließt, wird aufgrund der besonderen Situation die Schulküche in Betrieb gehalten. Aus 150 kg Mais, 30 kg Bohnen, 15 Litern Öl und etwas Salz wird jeden Tag ein nahrhafter Brei gekocht, der für 1500 Kinder reichen muss. Eigentlich sollen nur die Schüler der Primary School und der PrePrimary School etwas zu essen bekommen. „Aber es wird niemand fortgeschickt, wenn er diese Bedingung nicht erfüllt“, sagt Lonyait. Insbesondere die kleineren Geschwister der Schüler aus armen Familien nutzen die Schulspeisung, um nicht hungern zu müssen.

„Die Vorräte reichen noch für 18 Tage“, meldet Boniface Lonyait und hofft, dass eine Anschlusslieferung kommt. Um die Familien zu entlasten, wird der reguläre Schulbetrieb schon in dieser Woche aufgenommen, also zwei Wochen früher als sonst. Rektor und Lehrer der Schule rechnen mit einer überbordenden Schülerzahl. Viele Eltern, auch aus weit von South Horr entfernt gelegenen Orten, schicken ihre Kinder zur Schule – mit der Erwartung, dass dort eine minimale Versorgung gewährleistet ist. Schon vor den Ferien kamen auf tausend Schüler nur 14 Lehrer. Sein größtes Problem sei deshalb im Augenblick, wie er mit noch mehr Kindern einen einigermaßen geregelten Unterricht sicherstellen könne, erklärt der Rektor. Er beabsichtige, einige Hilfslehrer einzustellen. Das sind meistens junge Leute mit einer abgeschlossenen Secondary School, die keinen Job haben oder auch nicht das Geld, um ein College oder eine Universität zu besuchen. Allerdings fehlen ihm die Mittel, um diesen Hilfslehrern wenigstens ein kleines Entgelt für ihren Einsatz zu zahlen.

„Wir wollen versuchen, der Schule bei diesem Problem zu helfen und sind für jegliche Unterstützung dankbar“, meint Sigrid Recklebe. Denn die Not in dem von Dürre gebeutelten Land lässt die Menschen in unserer Region nicht kalt.

Ostafrika hungert. Eine Entspannung der Lage ist nicht in Sicht. Nach UN-Schätzungen sind dort mehr als zwölf Millionen Menschen dringend auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Die verheerende Dürre wirkt sich in den Grenzgebieten Kenias zu den Nachbarländern Sudan, Äthiopien und Somalia katastrophal aus: Hier leben halbnomadische Hirtenstämme, deren Lebensgrundlage ihr Vieh ist. Bleibt der Regen aus, kommen Menschen und Tiere in Not. Und in dieser Gegend liegt auch die Primary School South Horr, zu der die Herderschule in Bad Pyrmont, unterstützt durch weitere Schulen im Landkreis, in diesen Tagen besonders engen Kontakt hält.

In einem einzigen Topf wird die Nahrung für alle angerührt: Aus 150 kg Mais, 30 kg Bohnen, 15 Litern Öl und etwas Salz wird hier jeden Tag ein Brei gekocht, der für 1500 Kinder reichen muss.

Fotos: khr



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