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Vierteilige Serie – heute: Gebäudemanager auf der Marienburg und Porzellanmalerin in Fürstenberg

Jobs im Schloss: Der Schönheit verschrieben

Martin Riechert überwacht auf der Marienburg alles, was mit den Gebäuden zu tun hat. Dagmar Kleine hat sich hingegen voll der Schönheit verschrieben. Sie arbeitet als Porzellanmalerin im Schloss Fürstenberg. Ein neuer Teil unserer Serie über Jobs im Schloss stellt die beiden und ihre Arbeit vor.

veröffentlicht am 19.07.2018 um 15:24 Uhr
aktualisiert am 19.07.2018 um 16:50 Uhr

Gebäudemanager Martin Riechert kennt auf Schloss Marienburg jeden Winkel. Foto: EAC GmbH

Autor:

Birte Vogel
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Schlösser hatten einst ganze Scharen von Bediensteten. Die sorgten nicht nur dafür, dass die adligen Herrschaften in trockenen, warmen und aufgeräumten Gemächern residieren konnten. Sie trugen auch entscheidend zum Erhalt dieser einzigartigen Bauten bei. Doch wie sieht die Arbeit auf dem Schloss im 21. Jahrhundert aus? Haben Industrialisierung und Digitalisierung daran entscheidend etwas geändert? Wie wird ein Schloss heute geführt? Wer arbeitet dort, und welche Aufgaben haben diese Menschen heute? Wir haben dafür einmal hinter die Kulissen geschaut: Zum ersten Mal geben Menschen von sieben sehr unterschiedlichen Schlössern einen exklusiven Einblick in ihre Arbeitsplätze und darin, was das Arbeiten auf einem Schloss für sie bedeutet. Heute: Gebäudemanager Martin Riechert auf Schloss Marienburg und Porzellanmalerin Dagmar Kleine auf Schloss Fürstenberg.

Als 2017 Ernst August Erbprinz von Hannover auf Schloss Marienburg heiratete, hat das Martin Riechert sowohl Bauchschmerzen als auch großen Stolz bereitet. Der gelernte Landwirt, dessen Vater bereits in der Verwaltung für das Haus Hannover tätig war, feierte gerade sein 30-jähriges Jubiläum und konnte nun seine ganze Erfahrung in dieses einzigartige Event einbringen. „Meine Aufgabe ist es, alles zu überwachen, was mit den Schlossgebäuden zu tun hat. Ich kontrolliere die Gebäude, koordiniere Maßnahmen mit der Denkmalpflege, hole Angebote ein, organisiere Handwerker, überwache den Umgang mit dem Inventar und den Kunstgegenständen bei Renovierungen und Restaurierungen.“

Und manchmal packt er auch selbst mit an. Denn so ganz Schreibtischmensch möchte der Praktiker nicht werden. Nach drei Jahrzehnten auf dem Welfenschloss ist es zu einem Teil von ihm geworden. Wenn es besonders stark regnet, macht er sich Sorgen um das riesige Schlossdach. Und es kommt auch schon mal vor, dass er nach einem Sturm an seinem freien Tag zum Schloss fährt und nach dem Rechten schaut, Bäume von den Straßen räumen lässt und schaut, ob die Dachziegel noch alle oben liegen. Und wenn einmal größere Maßnahmen anstehen, stimmt er direkt mit dem Erbprinzen alles Nötige ab.

Malerisch: Das Schloss Marienburg. Foto: Patrice Kunte
  • Malerisch: Das Schloss Marienburg. Foto: Patrice Kunte
Porzellanmalerin Dagmar Kleine bringt Gästen in der Besucherwerkstatt auf Schloss Fürstenberg die Kunst der Malerei bei. Foto: Schloss Fürstenberg
  • Porzellanmalerin Dagmar Kleine bringt Gästen in der Besucherwerkstatt auf Schloss Fürstenberg die Kunst der Malerei bei. Foto: Schloss Fürstenberg
Das Schloss Fürstgenberg beheimatet ein Museum und die gleichnamige Porzellanmanufaktur. Foto: Schloss Fürstenberg
  • Das Schloss Fürstgenberg beheimatet ein Museum und die gleichnamige Porzellanmanufaktur. Foto: Schloss Fürstenberg

„Natürlich habe ich auch mal Stress“, sagt Riechert, „es ist halt Arbeit. Aber es ist eine einmalige Sache, auf einem Schloss zu arbeiten. Wir sind ein gutes Team, meine Arbeit ist vielfältig, jeder Tag ist anders.“ Auch dann, wenn die Mauern beben, weil im Hof Musik erschallt. Denn Riechert ist auch dann zur Stelle, wenn Konzerte und andere Veranstaltungen auf Schloss Marienburg stattfinden. Oder eben die Hochzeit des Erbprinzen. Riechert musste das Museumsmobiliar ausräumen und einlagern, die Räume für die große Feier vorbereiten, die ganzen Gewerke, die bei einer Hochzeit zusammenkommen, koordinieren und die technische Ausstattung überwachen. Zwei Notstromaggregate allein fürs Catering hatte er eingeplant. „Man möchte ja an so einem Tag nicht erleben, dass der Strom ausfällt.“ Doch alles ging gut, und die Hochzeit wurde auch für ihn zum unvergesslichen Erlebnis. Aber er hat auch nichts dagegen, wenn wieder der Alltag mit seinen zahlreichen Aufgaben einkehrt. Die sind nicht nur für das Schloss wichtig, sondern auch für ihn, denn: „Es bedeutet mir sehr viel, dass ich das Schloss gut erhalten und über die Zeit tragen kann.“

Wir sind ein gutes Team, meine Arbeit ist vielfältig, jeder Tag ist anders.

Martin Riechert, Gebäudemanager, Schloss Marienburg

Mit dem Erhalt des Schlosses Fürstenberg hat Dagmar Kleine dagegen wenig zu tun: Die Porzellanmalerin hat sich der Schönheit verschrieben. Als Dagmar Kleine 1971 ihre Lehre zur Industriekeramik-Porzellanmalerin auf Schloss Fürstenberg begann, sah es gar nicht danach aus, als würde sie diese Lehre je schaffen, geschweige denn 47 Jahre später immer noch dort arbeiten. Denn sie war Linkshänderin. Ihre Zeichnungen hatten die anderen Maler zwar beeindruckt, aber nun musste sie von einem Tag auf den anderen zur Rechtshänderin werden, denn Arbeitsplätze waren zu jener Zeit noch nicht für die Arbeit mit der linken Hand ausgerüstet.

Jeden Abend übte sie, so lange, bis sie mit der rechten Hand genauso gut zeichnen konnte wie mit der linken. „Heute male ich mit rechts“, sagt sie, „aber die ersten Skizzen zeichne ich immer noch mit links.“ Das schafft man natürlich nicht, wenn man sich irgendeinen x-beliebigen Job an einem x-beliebigen Ort ausgesucht hat.

„Mein Beruf ist mehr Berufung“, sagt sie. „Ich male leidenschaftlich gerne, auch nach all den Jahren noch.“ Gerade die Arbeit in der Besucherwerkstatt ist für sie besonders erfüllend. Sie bringt Besuchern die Kunst der Malerei nahe, macht Sonderanfertigungen nach ihren Kundenwünschen und sie leitet Seminare, zu denen Menschen aus aller Welt, von der Schweiz über Amerika bis Japan, kommen. „Ich lerne dabei tolle Menschen kennen, und es ist so inspirierend für mich, dass ich oft nach Feierabend weitermale, bis mein Mann mich fragt, ob ich immer noch nicht die Nase davon voll habe.“ Hat sie nicht. Nie.

Es ist ein so wunderschönes Ambiente, in dem ich arbeiten kann. Wenn ich morgens durchs Museum gehe, kann ich mir Anregungen für meine tägliche Arbeit holen.

Dagmar Kleine, Porzellanmalerin Schloss Fürstenberg

Doch es ist nicht nur die Arbeit, die sie nach wie vor begeistert. „Es ist ein so wunderschönes Ambiente, in dem ich arbeiten kann. Wenn ich morgens durchs Museum gehe, wenn noch keine Besucher da sind, kann ich mir in den herrlichen Räumen und beim Blick aus dem Fenster Anregungen für meine tägliche Arbeit holen.“ Auch die Geschichte des Schlosses inspiriert sie. Gerade liest sie die Biografie von Herzogin Philippine Charlotte, genannt Lottine, der Frau des Manufakturgründers. Dagmar Kleine ist aber auch innerlich so sehr mit ihrer Arbeit und ihrem Arbeitsplatz verwoben, dass sie einen Tag niemals vergessen wird: „Ich war zu Hause, als ich plötzlich Sirenen aus der Richtung des Schlosses hörte. Mein Mann und ich sind sofort gucken gegangen, und als wir ankamen, sahen wir Fürstenberg brennen. Es war furchtbar.“ Ein Kurzschluss hatte den Brand ausgelöst, den die Feuerwehr aber bald im Griff hatte. Doch für die Porzellanmalerin war es ein einschneidendes Erlebnis. Die Zeit ihrer Rente will sie sich jetzt noch gar nicht ausmalen. Aber wenn, dann hat sie ganz sicher mit Malen zu tun. Und damit, im Schloss vielleicht doch ab und zu noch einmal einzuspringen.



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