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Jeder Spaß hat seine (Alters-)Grenzen

Längst nicht alles, was Spaß macht, ist auch erlaubt. Das gilt ganz besonders für Minderjährige. Das Jugendschutzgesetz unterscheidet zwischen Kindern unter 14 Jahren und Jugendlichen ab 14 bis und einschließlich 17 Jahren. Was sie dürfen und was nicht, ist klar geregelt.

veröffentlicht am 31.12.2011 um 00:00 Uhr

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Ausgang: Grundsätzlich gilt: Die Erziehungsberechtigten bestimmen die Ausgangszeiten. Jugendliche unter 16 dürfen nicht länger als bis 22 Uhr ausgehen. Danach ist es nur in Begleitung einer erwachsenen Aufsichtsperson erlaubt. Bei Jugendlichen zwischen 16 und 18 Jahren erweitert sich die Ausgangszeit auf 24 Uhr. Diese Bestimmungen gelten übrigens auch an Silvester. Wer noch nicht 18 Jahre alt ist, muss nach 24 Uhr in Begleitung eines Erziehungsberechtigten sein. Die 16-jährige Angelina findet es gut, dass es das Jugendschutzgesetz gibt: „Sonst weiß man ja gar nicht, wo das Limit für einen ist.“ Sie feiert mit ihrem kleinen Bruder und ihren Eltern Silvester zu Hause. Bis 1 oder 2 Uhr plant sie aufzubleiben. An die Ausgangszeiten halte sie sich generell. Sei sie auf einer Mädels-Party mit Freundinnen, dann übernachte sie dort auch gleich.

Disco und Party: Zur Party oder in die Disco dürfen Jugendliche unter 16 Jahren nur, wenn sie eine personensorgeberechtigte oder erziehungsbeauftragte Person begleitet. Ab 16 Jahren ist der Aufenthalt bis 24 Uhr erlaubt. Allerdings gibt es Ausnahmen: Führt die Party oder Disco ein anerkannter Träger der Jugendhilfe durch oder gibt es beispielsweise eine Theateraufführung zu sehen, oder wird Schützenfest – das Gesetz spricht von „Brauchtum“ – gefeiert, dann können Kinder bis 22 Uhr und Jugendliche unter 16 Jahren bis 24 Uhr daran teilnehmen. Wer mit einer „personensorgeberechtigten“ oder „erziehungsbeauftragten“ Person unterwegs ist, braucht sich an keine zeitliche Beschränkung zu halten. Wenn Minderjährige privat eine Party feiern, zum Beispiel auch an Silvester, ist der Jugendschutz Elternsache, das heißt, sie sind offiziell Wächter über die Einhaltung der Jugendschutzbestimmungen.

Haare färben: Kontaktallergien, die von Haarfärbemitteln verursacht werden, seien „ein zunehmendes Gesundheitsproblem für Verbraucher und Gesellschaft“, heißt es in einer Pressemitteilung des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Deshalb müssen seit dem 1. November die Hersteller Haarfärbemittel mit Warnhinweisen versehen, dass entsprechende Produkte nicht für Personen unter 16 Jahren bestimmt sind. „Es gibt kein Verbot, Jugendlichen unter 16 Jahren die Haare zu färben, folglich sind solche Färbungen auch nicht strafbar“, stellt Leo Dimschitz vom „M-Friseurhaus“ in Hameln klar. Er empfehle aber Jugendlichen unter 16 Jahren, die Haare nicht zu färben. Eine Haftung bei später auftretenden Schäden könne nicht ausgeschlossen werden. „Rechtlich sind wir nicht verpflichtet, uns eine Einverständniserklärung der Eltern vorlegen zu lassen“, sagt Dimschitz. Dennoch empfehle er, sich bestätigen zu lassen, dass die Eltern über mögliche allergische Risiken informiert und damit einverstanden sind, dass ihr Kind sich die Haare färben lässt. Zurzeit sei knalliges Rot gefragt.

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Alkohol und Tabak: Bier, Wein, Sekt und spirituosenfreie Mischgetränke sind erst ab 16 Jahren erlaubt. Das Gleiche gilt für das Rauchen oder anderen Nikotinkonsum wie zum Beispiel Schnupftabak. Wer Spirituosen, Schnäpse, Alcopops und spirituosenhaltige Mischgetränke konsumieren möchte, muss sogar volljährig sein. Jugendlichen zwischen 14 und 16 Jahren ist es erlaubt, Bier, Wein, Most, Sekt und spirituosenfreie Mischgetränke zu trinken, wenn sie in Begleitung eines Erziehungsberechtigten sind. Mit Sekt können auch sie zu Silvester anstoßen. Werden allerdings die Regelungen zum Alkoholausschank auf einer privaten Party missachtet, können sich die Eltern des jugendlichen Gastgebers strafbar machen. Für Jugendliche unter 14 Jahren ist es generell verboten, Alkohol zu trinken.

Sexshop, Nachtbar, Spielhallen: Der Sexshop ist für Minderjährige Tabu, weil dort pornografische Medien angeboten werden – und die Weitergabe pornografischer Darstellungen an Kinder und Jugendliche ist verboten. In Nachtbars und Spielhallen dürfen sich Jugendliche ebenfalls nicht aufhalten.

E-Zigaretten: „Elektronische Zigaretten gelten nicht als Tabakware“, sagt Claus Dieter Kauert, Jugendpfleger beim Landkreis Hameln-Pyrmont. Aber in einigen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen sei bereits ein Verbot beantragt, dass Kinder und Jugendliche E-Zigaretten nicht kaufen dürfen. „Die schädigende Wirkung wird allgemein sehr hoch eingestuft“, so der Kreisjugendpfleger. Bei herkömmlichen Zigaretten sei ein Höchstwert von 5 Milligramm Nikotin festgeschrieben. Da würden die bis zu 15 Milligramm Nikotin in einer Kapsel einer E-Zigarette „sehr bedenklich“ erscheinen, „auch im Hinblick auf das Thema Abhängigkeit“. Institutionen wie die „üstra Hannoversche Verkehrsbetriebe“ gingen davon aus, dass das Rauchen einer E-Zigarette mit dem Rauchen einer herkömmlichen Zigarette gleichzusetzen ist. Dementsprechend würden sie es verbieten, auch wenn es eindeutig keine Tabakware sei, die geraucht werde.

Spiele und Filme: Spiele und Filme auf DVD, Videokassette und CD-ROM ohne passende Altersfreigabe der FSK (Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft) dürfen Kindern und Jugendlichen nicht zugänglich gemacht werden. Wer alt genug ist, darf Spiel oder Film natürlich auch kaufen, ausleihen oder ansehen. Das Gleiche gilt bei Spielautomaten , wenn sie ohne Gewinnmöglichkeiten ausgestattet sind. Informations- und Lernprogramme, die als solche vom Anbieter gekennzeichnet sind, haben übrigens keine Altersbeschränkung.

Gaststätten: Wer 15 Jahre alt ist und mit seinen gleichaltrigen Kumpels in eine Gaststätte gehen will, darf das nicht – erst ab 16 Jahren. Es sein denn, ein Erziehungsberechtigter ist dabei. Allerdings gilt eine Ausnahme für Jugendliche unter 16 Jahren: Zur Einnahme einer Mahlzeit oder eines Getränks ist ihnen der Aufenthalt in einer Gaststätte zwischen 5 und 23 Uhr erlaubt. Jugendliche ab 16 Jahren dürfen ohne Begleitung eine Gaststätte aufsuchen, und das eine Stunde länger: bis 24 Uhr.

Piercings und Tätowierungen: Körperschmuck ist gefragt: Wer sich ein Zungenpiercing machen oder eine Tätowierung stechen lassen möchte und unter 18 Jahre alt ist, braucht allerdings die Einwilligung der Eltern. Denn: Rechtlich gesehen sind Piercing und Tätowierung als eine Körperverletzung anzusehen. Wenn die Einwilligung des Verletzten oder bei Minderjährigen der Erziehungsberechtigten vorliegt, ist diese Körperverletzung nicht strafbar.

Headshop: „Bei uns wird Tabak mit 0,05 Prozent Nikotin angeboten, der trotz dieses geringen Wertes nur an Personen ab 18 Jahren verkauft werden darf, sagt David Frotan vom „Orient Headshop“ in Hameln. Und es sei ihm und seinem Team sehr wichtig, die gesetzlichen Altersbeschränkungen einzuhalten. Bongs – europäische Wasserpfeifen – dürfen ebenfalls nur Volljährige erwerben. Die arabischen Wasserpfeifen, sogenannte Shishas, verkaufe Frotan an Jugendliche nur, wenn ihre Eltern sie dabei begleiten. Oft sei dann eine Shisha als Zigaretten-Ersatz gedacht. Wer noch nicht volljährig ist, darf im Headshop aber trotzdem einkaufen, zum Beispiel Tücher, T-Shirts, Flaggen, Aufnäher, Poster und Figuren.

Feuerwerkskörper: Nur wer volljährig ist, darf unbegrenzt Feuerwerkskörper kaufen und abbrennen. Für die Jüngeren bleibt das Kinderfeuerwerk. So richtig krachen lassen darf man es dann am Silvester- und Neujahrstag, falls keine weiteren regionalen Einschränkungen bestehen. Übrigens dürfen nur Feuerwerkskörper mit dem Zulassungszeichen der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) verwendet werden. Die Identifikationsnummer besteht aus dem Kürzel BAM-F2 sowie einer vierstelligen Nummer.

Sex: Sex ist Jugendlichen ab zwölf Jahren erlaubt, wenn der Altersunterschied zwischen den Partnern nicht mehr als drei Jahre beträgt. Außerdem darf kein Abhängigkeitsverhältnis zwischen ihnen bestehen. Ab 14 Jahren gilt nur die Einschränkung des Abhängigkeitsverhältnisses. Keine gesetzlichen Einschränkungen gelten erst ab 16 Jahren.

Wohnort-Wechsel: Nichts wie raus hier? Das ist gar nicht so einfach. Wer jünger als 14 Jahre ist, darf nicht von zu Hause ausziehen. Nur mit der ausdrücklichen Zustimmung der Erziehungsberechtigten dürfen ältere Jugendliche den Wohnort wechseln. Allerdings muss für eine entsprechende Aufsicht gesorgt sein.

Böllern, trinken und feiern bis in die Puppen: Zu Silvester wollen es auch Jugendliche krachen lassen. Doch nicht nur an diesem Tag stoßen sie an eine ganze Reihe von Altersbeschränkungen. Dabei im Alltag den Überblick zu behalten, fällt nicht immer leicht. Ein Schnelldurchlauf.

Um Mitternacht ist die Party in der Disco zu Ende – zumindest für die 16- bis 18-Jährigen.

Foto: Fotolia



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