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Jede Wette: Die Welt wird sich weiterdrehen

Jan Fedder hat es neulich in seiner typischen Hamburger Art locker auf den Punkt gebracht: Er wisse gar nicht, was das Theater um den Maya-Kalender solle. Bei ihm gehe der Kalender jedes Jahr im Dezember zu Ende, und dann gebe es für das nächste Jahr eben einen neuen. Davon gehe keine Welt unter. Fedder muss es wissen: Schließlich ist er doch Polizeioberkommissar Dirk Matthies vom „Großstadtrevier“ in Hamburg.

veröffentlicht am 15.12.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:00 Uhr

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Thomas Thimm

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Thomas Thimm Stv. Chefredakteur zur Autorenseite

Unterstützung bekommt Schauspieler Fedder nun von wissenschaftlicher Seite: Der von den Maya angeblich prophezeite Weltuntergang am 21. Dezember 2012 beruht nach Angaben des Hamburger Historikers Lars Frühsorge auf einem Missverständnis. Tatsächlich markiere das Datum nur den Beginn eines neuen Zeitalters. Das würden historische Hinterlassenschaften des Indio-Volkes belegen. „In den Inschriften steht nirgendwo, dass die Welt untergeht“, sagt auch der wissenschaftliche Leiter des Hamburger Völkerkundemuseums, Bernd Schmelz. Dort wird derzeit noch eine Ausstellung über die Maya gezeigt. Zum 21. Dezember lässt das Museum zwei Maya-Priester aus Guatemala einfliegen, um den „Weltübergang“ zu feiern.

Ganz anders der Medienhype um Propheten und Apokalyptiker, die für den 21. Dezember das Ende der Welt voraussagen. Ihre Warnungen stützen sie auf den alten Kalender der Maya, den sie falsch deuten. Nichtsdestotrotz bereiten sich auf allen Kontinenten Menschen auf ein drohendes Ende der Welt vor. In den USA haben so viele Menschen Angst, dass sogar die Regierung reagierte. Bei der Weltraumbehörde Nasa seien Tausende Briefe eingegangen, berichtet die Obama-Administration auf ihrer Webseite. Vor allem Kinder hätten Angst. „Die Kinder schreiben, dass sie sich wegen des nahenden Weltuntergangs schlecht fühlen oder sogar über Selbstmord nachdenken“, sagt Nasa-Mitarbeiter David Morrison. Mit zwei Youtube-Videos will die Nasa die Bürger beruhigen. Wie unser Küchenkalender am 31. Dezember zu Ende geht und ein neuer am 1. Januar anfängt, so würde am 21. Dezember eben der Maya-Kalender enden, heißt es in einem Beitrag. Und die Regierung schreibt, die Welt werde weder am 21. Dezember untergehen noch an einem anderen Tag dieses Jahres. Schließlich ist es nicht der erste Weltuntergang, der prophezeit wurde. Eine Auswahl der bislang ausgefallenen Apokalypsen:

Für das Jahr 500 verkündete der römische Kirchenschriftsteller Hippolytus den Weltuntergang. Er meinte, dass die Erde 5500 v. Chr. erschaffen wurde und insgesamt 6000 Jahre alt werden würde.

31. Dezember 999: Papst Sylvester II. verkündete die Apokalypse für diesen Tag. In der christlichen Welt brach eine Hysterie aus, Horden von Räubern plünderten das Land. Als sich die Welt am 1. Januar 1000 noch immer drehte, beruhigte sich das Volk wieder – und Sylvester behauptete, seine Gebete hätten den Weltuntergang verhindert.

Im Jahr 1000, so verkündet das Johannesevangelium, würde Satan von seinen Ketten befreit. Kaiser Otto III. gelobte, Mönch zu werden, wenn sich dadurch das Jüngste Gericht aufhalten lasse.

Für das Jahr 1169 verkündeten Astronomen, dass die Welt untergehen würde, weil ein seltenes astronomisches Ereignis stattfand: Alle Planeten waren in einem einzigen Sternbild, der Waage, versammelt.

Für 1186 sagte der Astronom Johannes von Toledo voraus, dass der Weltuntergang mit verheerenden Erdbeben und Stürmen eingeläutet werden soll. In Europa brach eine Hysterie aus, 1187 beruhigten sich die Gemüter wieder.

1.2.1524: Mehrere Astronomen setzten dieses Datum als Weltuntergangstermin fest. Denn an diesem Datum trafen sich die Planeten Jupiter, Saturn und Mars im Sternbild der Fische, was ein Zeichen für eine Sintflut sein sollte.

19. Oktober 1533: Am Neujahrsabend 1533 verkündete Pfarrer Stifel in seiner Gemeinde, der kleinen kurfürstlichen Residenz Lochau, dass er aus bestimmten Berechnungen, die auf die Gleichsetzung von Buchstaben und Zahlen fußten, den Weltuntergang für den 19. Oktober 1533 um 8 Uhr datieren könne. Pfarrer Stifel irrte sich, aber rechnen konnte er: Er erfand den Vorläufer der Logarithmentafel und wirkte an der Universität Jena als Professor für Mathematik.

1532 bis 1541: Der große Reformator Martin Luther verkündete für 1532, dann für 1538 und später nochmals für 1541 den Weltuntergang. In allen drei Fällen behielt Luther Unrecht.

1843: Der Baptistenprediger und Gründer der Adventisten, William Miller, verkündete 1818 den von ihm aus Wörtern und Zahlen der Bibel errechneten Weltuntergangstermin für das Jahr 1843.

1864: Der britische Prediger Edward Irving sagte den Weltuntergang für 1864 voraus. Aus seiner Anhängerschaft ging die Neuapostolische Kirche hervor.

1874: In diesem Jahr sollte für die Zeugen Jehovas nach Aussagen ihres Gründers Charles Taze Russell die Welt zum ersten Male untergehen. Da sie sich gegen Ende des Jahres noch immer drehte, verlegte er den Weltuntergang auf 1914. Später glaubten die Zeugen Jehovas an das Jahr 1925 als Endzeitjahr, noch später an das Jahr 2000.

17. Mai 1910: Der Halleysche Komet kam auf die Erde zu, eine Hysterie brach aus: Tausende von Menschen in Europa versammelten sich in Kirchen und beichteten ihre Sünden, Hunderte begingen Selbstmord. In Oklahoma musste die Polizei sogar ein Mädchen vom Altar der ’Select Followers‘ retten, die den Allmächtigen mit einem Menschenopfer zu besänftigen versuchten. Der Komet flog vorbei.

Am 22. April 1959 erwarten Hunderte von Anhängern der Davidianer-Sekte auf der „Ranch Apocalypse“ des Gurus David Koresh in Waco/Texas vergeblich auf die Ankunft des Messias. Im Jahr 1993 verschanzen sich dort Mitglieder der Sekte in Erwartung eines nahen Weltuntergangs. Als Polizisten das Anwesen nach mehrwöchiger Belagerung stürmen, gehen 85 Sektenmitglieder in den Feuertod.

1978: Tragisch endet ein Weltuntergang, den Jim Jones, „Messias“ der Volkstempler, für das Jahr 1978 vorausgesagt hatte: Auf Anweisung ihres „Messias“ begingen 923 Mitglieder der Sekte im Dschungel Guyanas einen Massenselbstmord – und erfuhren nicht mehr, dass die Erde auch 1979 noch im Lot war.

1984-1999: Tokio, New York, San Francisco, Los Angeles und Bombay werden von der Erdoberfläche verschwinden, die Menschheit würde mit der größten Flut seit Noah geschlagen und schwerste Erdbeben und Vulkanausbrüche seien an der Tagesordnung. All das und noch viel mehr sah Bhagwan Shree Rajneesh, Guru der Rajneesh-Bewegung, für die Jahre 1984 bis 1999 voraus.

Juli 1999: Für diesen Monat lautete die Prophezeiung des Nostradamus, Vers 10/72: „Jahr Neunzehnhundertneunundneunzig, im siebten Monat wird vom Himmel der große Schreckenskönig kommen.“

2000: Der Oxforder Märtyrer Bischof Hugh Latimer schrieb im Jahr 1552: „Die Welt ist, wie jeder gelehrte Mensch bestätigen kann, dazu bestimmt, 6000 Jahre zu überdauern. Von diesen sind bisher 5552 Jahre verstrichen, sodass der Erde nur noch 448 Jahre bleiben. Auch der Physiker, Mathematiker und Astronom Sir Isaac Newton glaubte, dass im Jahre 2000 das Ende der Welt gekommen sei.

Manche horten Lebensmittel, andere flüchten an vermeintlich sichere Orte. Am 21. Dezember endet der letzte Zyklus im Maya-Kalender. Verschwörungstheoretiker fürchten die Apokalypse. Der Hype um den angeblichen Weltuntergang wird abklingen, spätestens am 22. Dezember.



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