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Vermehrtes Auftreten von Siebenpunkt- und Asiatischen Marienkäfern

Invasion der Glücksbringer im Weserbergland

Die letzten Sonnenstrahlen werden nicht nur von uns Menschen gern genutzt, sondern auch von den kleinen Käfern mit den Punkten auf dem Rücken. „Wenn man in den letzten Wochen den Marienkäfer teilweise auch in größeren Schwärmen sieht, dann sind sie auf der Suche nach einem geeigneten Winterquartier“, sagt Günter Blötz, Vorsitzender vom Kreisverband Hameln-Pyrmont im Naturschutzbund (Nabu).

veröffentlicht am 28.10.2018 um 10:30 Uhr

Der heimische Siebenpunkt- Marienkäfer. Foto: pr/Kathy Büscher

Autor:

Celina Stuckenberg und Moritz Muschik
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Mauerritzen, Spalten in Holzkonstruktionen, zum Beispiel am Carport, der Gartenlaube oder an Dachsparren seien bevorzugte Hohlräume. „Aber auch Laubhaufen im Garten sind zum Überleben in den Wintermonaten besonders wichtig“, so Blötz. Er rät: „Den Garten bitte nicht perfekt aufräumen, so verbleiben Überlebensräume – nicht nur für den beliebten Glücksbringer.“

Ob man sie nun Mutschekiebchen, Himmelstierchen oder Junikäfer nennt, die Siebenpunkt-Marienkäfer (wissenschaftlicher Name: Coccinella septempunctata) erfreuen den Homo sapiens im Allgemeinen als Glücksbringer und den Gartenliebhaber im Besonderen als Blattlausvertilger. Übrigens: Die Zahl Sieben, in dem Fall die Anzahl der Punkte auf den Flügeln der Käfer, war schon immer eine mystische Zahl, vereint mit der irdischen Zahl Vier und der göttlichen Zahl Drei. Bereits eine vor 200 000 Jahren angefertigte Schnitzerei stellte in einem Mammutelfenbein einen Marienkäfer dar.

Marienkäfer gehören zur weltweit verbreiteten Familie halbkugliger, flugfähiger Käfer. Dabei weisen ihre Deckelflügel unterschiedlich viele auffällige Punkte auf. Die Käfer haben einen 5,2 bis 8 Millimeter langen und leicht gestreckten Hals, wobei der Halsschild bis auf die weißen vorderen Ecken schwarz gefärbt ist. Dabei soll ihre rote oder gelbe Färbung hungrige Vögel warnen – getreu dem Motto: „Achtung, ich schmecke bitter!“ Und, wer hätte das gedacht: Der heimische Siebenpunkt-Marienkäfer kommt in 70 unterschiedlichen Arten vor, weltweit sind es sogar 4500 Arten.

Siebenpunkt- und Asiatische Marienkäfer tummeln sich gemeinsam an einem Zweig. Foto: pr/Kathy Büscher
  • Siebenpunkt- und Asiatische Marienkäfer tummeln sich gemeinsam an einem Zweig. Foto: pr/Kathy Büscher

Die trockenwarme Witterung dieses Jahres ist dafür verantwortlich, dass vielerorts das Klima für ein gutes Insektenjahr sorgte. Somit konnte man den kleinen gepunkteten Käfern immer wieder begegnen. Und: „Für den Gärtner ist der Marienkäfer tatsächlich ein echter Glückskäfer“, sagt Blötz. Denn: Im Frühjahr werden die Marienkäfer wieder antreten zur biologischen Blattlausbekämpfung. Auf den Einsatz der Giftspritze könne man daher getrost verzichten, sagt Blötz.

Was also tun, wenn sich Marienkäfer in Haus oder Wohnung tummeln? Blötz meint: „Sollten Marienkäfer durch das offene Fenster über die Fensterbank krabbeln, so geschieht das eher zufällig.“ Er empfiehlt, die Käfer sicherheitshalber an einen Ort zu setzen, der über die Wintermonate nicht dauerbeheizt ist. „So verbleiben sie in ihrem natürlichen Rhythmus.“

Marienkäfer gehen eigentlich immer zwei Beschäftigungen nach: Sie schlagen sich den Bauch voll oder haben Sex.

Britta Raabe, Regionalgeschäftsstelle des Nabu Weserbergland

Ein noch größerer Blattlausvertilger als der Siebenpunkt-Marienkäfer ist der Asiatische Marienkäfer oder Harlekinkäfer aus Ostasien, wissenschaftlich Harmonia axyridis genannt. Während unser heimischer Marienkäfer rund 50 Blattläuse pro Tag verspeist, schafft der Harmonia das Fünffache. Somit tritt er in eine direkte Nahrungskonkurrenz mit den heimischen Marienkäferarten. Und: Er frisst nicht nur Blattläuse, sondern auch Larven konkurrierender Marienkäferarten, Gallmückenlarven und eine Vielzahl weiterer Insekten. Viel Futter – viel Nachwuchs: Asiatische Marienkäfer zeugen pro Jahr zwei bis vier neue Generationen, der Siebenpunkt-Marienkäfer sorgt lediglich einmal im Jahr für Nachwuchs.

Wegen seines andauernden Riesenappetits wird der Harmonia axyridis häufig zur Schädlingsbekämpfung, etwa in Gewächshäusern, eingesetzt. Leidet er aus irgendeinem Grund unter Nahrungsmangel, kann es vorkommen, dass der Asiatische Marienkäfer seine eigenen Artgenossen frisst und heimische Marienkäfer dabei nicht verschont.

Die Asiatischen Marienkäfer sind sechs Millimeter groß, schwarz gepunktet und können von fast orangerot bis fast völlig schwarz gefärbt sein. Meistens haben sie zwischen null und 21 schwarze Punkte auf ihren Flügeldecken, wobei der weiße bis hellgelbliche Halsschild in der Mitte ein W darstellt. Im Extremfall können sie drei Jahre alt werden, jedoch beträgt die normale Lebensdauer nur einen bis drei Monate.

In den USA haben die Asiatischen Marienkäfer den Namen „Halloween-Ladybird“, weil sie bei Panik mit sogenannten Reflexblutungen reagieren, bei denen eine bittere und übel riechende Flüssigkeit austritt. Zusätzlich können sie durchaus zubeißen, auch wenn dies für Menschen kaum schmerzhaft ist.

Seit einigen Jahren befindet sich der Asiatische Marienkäfer bei uns auf dem Vormarsch. Seine enorme Vermehrungsfreude sorgt mittlerweile in einigen Regionen dafür, dass alteingesessene Marienkäferarten zurückgedrängt werden. Kartierungen des Nabu in Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein weisen eine fast flächendeckende Verbreitung auf. Außerdem breitet sich der Harmonia seit 2004 auch in Großbritannien aus, zudem hat er die Schweiz und Österreich bereits erreicht.

Lange Zeit befürchteten Forscher, der Siebenpunkt-Marienkäfer könnte durch die starke Vermehrung des Asiatischen Marienkäfers vom Aussterben bedroht sein. „Der Coccinella septempunctata, wie der heimische kleine Krabbler auf Lateinisch heißt, ist fast verschwunden gewesen“, sagt der Insektenexperte beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu), Werner Schulze. Forscher des Julius Kühn-Instituts (JKI) in Kleinmachnow (Brandenburg), haben jedoch in einer Studie herausgefunden, dass die Vermehrung der heimischen Marienkäfer bei höheren Temperaturen stärker zunimmt als bei seinem aus Asien zugewanderten Konkurrenten. Somit sieht die Zukunft des Siebenpunkt-Marienkäfers für heimische Forscher recht gut aus.

Information

Ungebetene Gäste vermeiden

Wenn zufällig ein kleiner Käfer mit roten Flügeln und Punkten auf dem Rücken in die Wohnung gelangt, dann geschieht dies eher zufällig: Während der kalten Jahreszeiten leben die Marienkäfer meistens in der Natur, da sie nicht die Gegebenheiten haben, in Wohnungen zu überwintern. Sie benötigen kühle und frostfreie Räume für ihre Winterruhe. Um dennoch Marienkäfer in den eigenen vier Wänden zu vermeiden, werden verschiedene Maßnahmen empfohlen: So soll das Verteilen von Lorbeerblättern, Vanillestangen oder Lavendelöl auf den Fensterbänken die kleinen Käfer mit den roten Flügeldecken abschrecken, da sie keine Vorliebe für diese speziellen Gerüche besitzen. Zusätzlich wird das Anbringen von Insektenschutzgittern an Fenstern und Türen empfohlen, um den kleinen Glücksbringern in der eigenen Wohnung vollständig aus dem Weg gehen zu können.



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