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Marathon der Amateure: Bei der Weserrunde gehen 350 Radrennfahrer an den Start

In die Pedale

Männer und Frauen in engen Trikots sausen im Morgengrauen auf Rennrädern den Weserradweg gen Süden, nachmittags schweißgebadet und schon ziemlich abgekämpft wieder gen Norden. Was ist los? Niedersachsenrundfahrt im Weserbergland? Nein, sie sind unterwegs bei der Weserrunde – von Rinteln bis Hannoversch Münden und retour.

veröffentlicht am 03.09.2015 um 17:11 Uhr
aktualisiert am 07.09.2015 um 10:44 Uhr

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Nicht Zeit und Prämien stehen im Mittelpunkt, sondern sich selbst beweisen, dass ein Radmarathon noch nicht die Leistungsgrenze ist – oder doch? „Die Szene ambitionierter Langstreckenradler abseits von Wettkämpfen wächst“, hat Matthias Gräbner vom Touristikzentrum Westliches Weserbergland in Rinteln festgestellt. Wie bei Volksläufen bis hin zu Marathons füllen sich die Terminkalender der Szene, und Rinteln ist seit vier Jahren mittendrin. „Wir punkten mit toller Strecke und immer besserer Organisation“, erklärt Gräbner. „Das zahlt sich für die Teilnehmer ebenso aus wie für die Stadt. Die Hotels sind voll, wir werden weiter empfohlen, und unsere erstmals verkauften Renntrikots mit Aufdruck sollen bei anderen Veranstaltungen auch auf dieses wachsende Event aufmerksam machen.“

Wenn das Wetter am Samstag, 5. September, mitspielt, stehen in Rinteln alle Zeichen auf Rekord: 350 Starter werden erwartet, 289 waren es schon am Mittwoch. „15 bis 20 Prozent melden sich noch am Veranstaltungstag spontan“, weiß Gräbner aus Erfahrung. Bisher liegt die Messlatte aus dem Vorjahr bei 285. Begonnen hatte diese Veranstaltung 2010 in Hameln mal mit 40 Startern (noch privat organisiert), bei der dritten Auflage erstmals ab Rinteln waren es schon 140, im Jahr 2013 dann 190.

Bürgermeister Thomas Priemer freut sich über diesen Beitrag zum Stadtmarketing, liegt Rinteln doch am überregional bekannten und beliebten Weserradweg, der jeden Sommer Tausende von Pedalrittern nach Rinteln bringt: „Der Radfahrerstadt Rinteln wird ein weiterer Stempel fest aufgedrückt. Diese Veranstaltung ist eine gute Abrundung unseres bisherigen Angebots aus Felgenfest und Mountainbike-Cup.“

Sehen fast aus wie Profis, sind aber keine: Bei der großen Weserrunde starten ambitionierte Hobbyradler und suchen ihre Leistungsgrenze. Pr

Gräbner, Geschäftsführer des Touristikzentrums Westliches Weserbergland, will den bisherigen Erfolg ausbauen. Seine Mitarbeiterin Franziska Schmidt stellte die Bausteine dazu vor: Werbung in Fachzeitschriften, im Internet, bei Radfahrevents bis nach Bremen und am Nürburgring – in der Szene dürfte der Termin bekannt sein. Die Teilnahmegebühr beträgt 25 Euro, Gruppen können Mengenrabatt bekommen. „Aber der Preis ist ohnehin vergleichsweise niedrig“, sagt Thomas Sewald, Geschäftsführer des Mitveranstalters Stadtwerke Rinteln. Gebucht wird online, über den Freizeitkiosk des Touristikzentrums, wo auch bezahlt wird. Erfolgreiche Veranstaltungen vermarkten oft Produkte, diesem Trend folgt auch die große Weserrunde. Für 48 Euro gibt es erstmals das Weserrunde-Trikot aus professionellem Rennsportmaterial. „Das wäre tolle Werbung für uns“, so Gräbner. Denn es gibt noch Potenzial unter ambitionierten Radsportlern, die bisher in Rinteln die Punktevergabe nach den Regeln des Bundes Deutscher Radfahrer vermissen. Aber daran wird bereits gearbeitet.

Beliebt bei den Radfahrern ist das Rundum-sorglos-Paket mit einer Übernachtung, Stadtführung am Freitag, Pastaessen am Abend, Verpflegung vor und während des Rennens – alles ab 97 Euro aufwärts. „Viele wollen am ersten Abend andere treffen, am zweiten Abend sind sie nach dem Abendessen aber reif fürs Bett“, erklärt Gräbner, warum es keine Ausklangparty gibt. „Trotzdem bleiben viele sogar zwei Nächte.“ 300 bis 400 Übernachtungen werden erwartet, denn viele Radler bringen ja auch Angehörige mit. Und fast 80 Prozent nehmen sich die Gesamtstrecke vor, sind abends also zu müde zum Autofahren. „Manche Gruppe kommt ja auch erst gegen Mitternacht an“, weiß Sewald aus den Vorjahren. Bis 24 Uhr ist das Ziel geöffnet. Die ersten Kurzstreckenfahrer werden aber schon ab 14 Uhr, die Schnellsten der Gesamtstrecke ab 17 Uhr erwartet. Sie sammeln unterwegs Takker-Stempel im persönlichen Rennbuch (Carnet de Route), das erstmals regenfest beschichtet ist.

„Die Route ist nicht ausgeschildert, hält sich meist an den Weserradweg“, erklärt Gräbner. „Nur an kritischen Stellen haben wir Hinweistafeln. Nach den Kriterien des Bundes Deutscher Radfahrer müssten wir aber komplett ausschildern, und das werden wir ab dem nächsten Jahr wohl auch tun.“

Die Große Weserrunde eignet sich für alle, die sich einen sportlichen Höhepunkt setzen wollen, ohne dabei unter Wettkampfbedingungen starten zu müssen. Es kann jeder mitfahren, der sich angesprochen fühlt, eine solche Herausforderung anzunehmen und über 18 Jahre alt ist. Jeder Mitfahrer trägt für sich selbst die Verantwortung. Genutzt werden dürfen nur von Muskelkraft betriebene und straßenverkehrstaugliche Fahrzeuge. E-Bikes können zwar ausgeliehen und zwischendurch aufgeladen werden, bleiben aber außer Wertung. Und wer sich noch kurzfristig zur Teilnahme entscheiden will, für den hier das Wichtigste kompakt: Eine Voranmeldung ist erforderlich. Streckenlängen gibt es von 150 über 200 und 250 bis 300 Kilometer bis Hannoversch Münden, sie sind auch während der Fahrt noch wählbar. Kostenloses Frühstück und Nudelessen gibt es im Zielbereich Gymnasium Ernestinum in Rinteln, Verpflegungsstationen werden für alle Streckenlängen angeboten, in Hannoversch Münden gibt es ebenfalls Pasta. Umkleidekabinen und Duschen stehen im Zielbereich zur Verfügung. Start ist ab 6 Uhr.

Partner der Tour sind die Sparkassen Schaumburg und Weserbergland, die Stadt Rinteln, das Touristikzentrum, die Stadtwerke Rinteln, die DLRG-Ortsgruppe und Polizei Hannoversch Münden sowie die THW-Helfervereinigung Hann. Münden. Für die Mahlzeiten sorgen Bauer Giese aus Exten und der Ratskeller Rinteln. Dort gibt es auch alternativ zur Pasta ebenfalls leistungsfördernde Gerstenprodukte. Die Teilnehmer erhalten eine Stofftasche der Stadtwerke mit regionalen Produkten und eine Streckenkarte. Anmeldung, Infos und Buchung unter www.westliches-weserbergland.de.



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