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Ausgebildet für die Trüffelsuche – wie ein junger Hund im Kurpark auf die edlen Pilze stößt

Immer der Nase nach

Zwischen den Jahrzehnte alten Süntelbuchen im Bad Nenndorfer Kurpark läuft die kleine, kniehohe Hündin mit dem lockigen, braunen Fell aufgeregt umher. Die Nase des zehn Monate alten Tieres der Rasse „Lagotto Romagnolo“ streift nur wenige Zentimeter über den schneebedeckten Boden. Plötzlich quert ein abgebrochener Ast den Weg des Hundes. Ein kurzes Bellen. „Ich will spielen“, soll das wohl in der Sprache der jungen Hündin heißen. Aber das Kommando ihres Herrchens Fabian Sievers unterdrückt jeden Spieldrang. „Woopee, such die Trüffel!“ – Woopee wird wenig später an anderer Stelle fündig werden.

veröffentlicht am 21.02.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:23 Uhr

Lars Lindhorst

Autor

Redaktionsleiter zur Autorenseite

Sievers‘ Lagotto Romagnolo hat zwei große Leidenschaften. Die eine hat die zehn Monate alte Hündin gemein mit den meisten ihrer Artgenossen: Sie spielt unheimlich gerne das Stöckchen-Spiel. Die andere Leidenschaft ist Woopees Arbeitsauftrag: Sie wird zum Trüffelhund ausgebildet und soll mit ihrer feinen Nase die edlen Pilze in der heimischen Region aufspüren.

Erst vor wenigen Tagen hat Fabian Sievers mit Woopees Hilfe in Hannover-Ahlem einen unerwarteten Trüffelfund gemacht. „Das ist schon eine kleine Sensation“, sagt Sievers. Zu Besuch bei seinen Eltern in Bad Nenndorf, ist der Hannoveraner auch im Kurpark auf die seltenen Edelpilze gestoßen. Zwei Arten habe Sievers dort ausgemacht: „Tuber brumale“, die Wintertrüffel, und die etwas seltener vorkommende Burgundertrüffel „Tuber uncinatum“.

Angesichts seiner jüngsten Funde in der Region wird Sievers nicht müde zu behaupten: „Deutschland ist eben doch ein Trüffelland“. Überall dort, wo alkalische und kalkreiche Böden vorhanden sind, wenig Staunässe die Erde durchdringt, da können laut Sievers auch die kostbaren Trüffel wenige Zentimeter unter der Erdoberfläche zu finden sein.

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Im Bad Nenndorfer Kurpark sind Fabian Sievers und sein Lagotto Romagnolo auf zwei verschiedene Trüffelsorten gestoßen. ll

Beliebt sind die edlen Trüffeln vor allem bei Feinschmeckern. Doch wer diesen kulinarischen Genuss auf dem Teller haben will, der muss in Deutschland meistens auf Importware zurückgreifen. Die Pilze stehen hierzulande unter Naturschutz. Die Knollenpilze dürfen zwar gefunden werden, ausgraben darf sie allerdings niemand. Wildwachsende Trüffeln aus dem Boden zu entnehmen, ist verboten. „Außer in Deutschland dürfen überall in Europa Trüffeln gesammelt werden“, sagt Sievers.

Deshalb kommt die Delikatesse zumeist aus Spanien, Frankreich oder Italien nach Deutschland. Kenner zahlen hohe Preise für die Pilzart: Für die Burgundertrüffeln, wie sie Fabian Sievers in Bad Nenndorf gefunden hat, verlangen Händler zwischen 500 und 800 Euro pro Kilo von ihren Kunden.

Aber Trüffeln zu kultivieren, das ist nicht untersagt. Sievers, der sich selbst als „Trüffeljäger“ bezeichnet, hat die Trüffeln unlängst zu seinem Beruf gemacht. Über viele Jahre war der Hannoveraner im Musikgeschäft tätig, Pilze seien nur ein Hobby gewesen. In Langenholzen bei Alfeld betreibt Sievers jetzt aber seit eineinhalb Jahren eine Trüffel-Plantage. Dort hat er Bäume angepflanzt, die mit Trüffelsporen beimpft wurden. „Es dauert zwischen drei und zehn Jahren, bis die Trüffel ihre Fruchtkörper bilden“, sagt er. Besonders geeignet als Wirtsbäume sind Haselnuss, Hainbuche oder auch die Stieleiche. Die Pilze gehen mit den Bäumen eine Symbiose ein, erklärt Sievers, gegenseitig würden Baum wie Pilz von der Verbindung profitieren. „Oft wird davon gesprochen, dass Bäume von Pilzen befallen seien. Das ist bei Trüffeln ganz und gar nicht der Fall“, meint Sievers.

Auf gut einem Hektar hat der Hannoveraner Trüffelbäume gepflanzt, er sieht die Kultivierung der Pilze als Bestandteil von profitabler Landwirtschaft. Damit betritt Sievers zumindest in Deutschland Neuland. Als Trüffel-Anbauer sei er einer von zweien im Land. Einen weiteren Anbauer der Edelpilze gibt es noch am Bodensee. Dass das Leinebergland, in dem Sievers die Trüffeln kultiviert, ein gutes Anbaugebiet ist, sei kein Geheimnis. Vor dem Zweiten Weltkrieg galt die Trüffelsuche und der Verkauf von Trüffeln hier als eine zusätzliche Einnahmequelle für Landwirte, so Sievers. „Geerntet werden die Trüffel in den Monaten zwischen Oktober und Januar“, erklärt Sievers. Wenn Trüffelhund Woopee jetzt im Kurpark anschlägt, weil er Trüffeln gewittert hat, dann finde er allerhöchstens noch „ein paar überreife Früchte“. Und danach buddeln dürfe der Lagotto Romagnolo sowieso nicht.

Nicht zuletzt aus diesem Grund hat der Hund dem Schwein den Rang abgelaufen. Weil Trüffeln ähnlich duften wie das Sexualhormons des Ebers, wurden Sauen über viele Jahre zur Trüffelsuche eingesetzt. Doch Schweine verspeisen die Trüffeln viel zu gerne selbst. Ein Hund ist da leichter dressierbar, sagt der Pilz-Experte.

Mit einem bestimmten „No“ untersagt Fabian Sievers seiner Woopie weiter zu graben, als sie im Kurpark auf eine Trüffelspur stößt. Ganz ohne Belohnung geht es aber nicht: Sievers zieht einen orangen Gummi-knochen aus der Hosentasche und wirft ihn ein paar M;eter weit weg. Ein Stöckchen-Ersatz für den Spürhund – und natürlich hat Sievers das Knochenimitat mit Trüffelduft benetzt.

Trüffeln sind für Feinschmecker eine Delikatesse – der Kilopreis für die Edelpilze beträgt gleich mehrere Hundert Euro. Früher wurden Schweine bei der aufwendigen Suche eingesetzt, heute sind es Trüffelhunde.

Einer von ihnen wurde per Zufall beim Gassigehen fündig – mitten im Kurpark von Bad Nenndorf. Sein Herrchen will die seltenen Trüffeln in Niedersachsen kultivieren.

Burgundertrüffel gelten als Delikatesse und kosten mehrere Hundert Euro pro Kilo. dpa



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