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Rückblick auf 300 Jahre: Münchehagens Kirchengeschichte stets vom Kloster in Loccum beeinflusst

Im Schatten der Mönche

Im 13. oder 14. Jahrhundert – genauer ist das nicht nachzuvollziehen – ist das Dorf Münchehagen entstanden. ‚Hagen der Mönche’, also der Wald der Mönche, war wohl der Ursprung des Namens. Die Mönche im Namen kommen nicht von ungefähr, denn Münchehagens Gründung geht direkt auf das Kloster im benachbarten Loccum zurück. Weitläufige Ländereien besaß dieses Kloster und die Gegend um diesen ‚Wald’ gehörte ebenfalls dazu. Und da die Zisterzienser-Mönche in diesem Kloster zu wirtschaften verstanden, nutzten sie dieses Land.

veröffentlicht am 20.08.2013 um 00:00 Uhr

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Genaueres ist kaum zu erfahren aus den Anfangsjahren, als sich Menschen dort niederließen, vermutlich Wald- und Landwirtschaft betrieben, und dem Kloster eigenbehörig waren, also in einer Art Leibeigenschaft zu den Klosterherren standen. Lukrativ ist das Land dort auch damals schon wegen seiner Steinbrüche gewesen. Bereits die Loccumer Klosterkirche wurde mit Sandsteinen aus Münchehäger Steinbrüchen gebaut – irgendwann im 13. Jahrhundert.

Die Geschichte Münchehagens ist also eng mit der Kirchengeschichte Loccums verbandelt. Und es ist eine Geschichte, die nicht immer von eitel Sonnenschein geprägt war. Münchehagen, sagt Gemeindepastor Wolfram Braselmann, sei eigentlich nie ein treues Stiftsdorf gewesen, sondern habe Loccum immer als Obrigkeit empfunden.

Doch zurück zur Geschichte der Kirche. 1463, so soll es in einer alten Urkunde vermerkt sein, habe Münchehagen seine erste kleine Kapelle vom Kloster bekommen. Ein hölzernes Bauwerk, das bereits an der Stelle errichtet wurde, an der auch heute noch die Kirche im Dorf steht. Gelegentlich sind dort wohl Andachten gefeiert worden, eigentlich war es aber nur die Kapelle, um die herum der Friedhof lag. Zum Gottesdienst pilgerten die Menschen nach Loccum. Das ging rund 150 Jahre so. 1615 wurde die Kirche durch Söldner zerstört. Wenig später, so hat es Braselmann recherchiert, sei die Kapelle wieder aufgebaut worden. Der Neubau soll jedoch bereits Jahrzehnte später baufällig gewesen sein.

Seit 300 Jahren steht die Kirche in Münchehagen. ade (2)

Wieder trat das Kloster ein und beschloss nun, den Münchehägern eine steinerne Kirche zu gönnen. 1713 legte Abt Molan den Grundstein. Mit der Kirche sind die Dorfbewohner wohl zufrieden gewesen. Was sie sich aber zusätzlich wünschten, war Glockengeläut in Münchehagen. Um zu wissen, was die Stunde geschlagen hat, mussten sie nach wie vor in Richtung Loccum lauschen. So wichtig ist ihnen das gewesen, dass sie in ihrer Gemeinde Geld sammelten und einen 20 Meter hohen Aufbau samt Glocke aus eigener Kraft finanzierten. Bedenkt man, dass Münchehagen einer Volkszählung aus dem Jahr 1740 zufolge ganze 477 Einwohner hatte, muss dieses Bauwerk jedem Einzelnen einen guten Teil seines Verdienstes gekostet haben.

Der Turm wurde errichtet und Glocken erklangen nun auch im Dorf selbst, doch wenig später bescherte dieser Anbau auch schon Probleme. Der Turm, der angebaut worden war, führte zu Rissen in dem Bauwerk. Eine Lösung suchten die Dorfbewohner in mächtigen Säulen an den Außenseiten und –ecken der Kirche – so sollte das Gebäude zusammengehalten werden.

Nochmals vergingen einige Jahrzehnte, noch immer waren die Dörfler vom Kloster abhängig, mussten den Zehnten dorthin liefern, Hand- und Spanndienste leisten und dem Grundherrn auch andere Gaben liefern. Unzufriedenheit herrschte mancherorts darüber. Besserung versprachen sich die Menschen, nachdem 1833 das Königreich Hannover eine Ablöseordnung erließ, die eine Aufhebung der alten Grundherrschaft versprach.

Auf der Grundlage dieser Ablöseordnung begannen auch im Loccumer Stiftsbezirk Verhandlungen, die nach zwölf Jahren – 1845 – zur Unterzeichnung führten. Wenn die Eigenbehörigkeit damit auch endete, so hatte Loccum doch weiter die Gerichtsbarkeit und auch von vielen Diensten für das Kloster waren die Menschen noch lange nicht befreit.

Da wird es dann so gewesen sein, dass im März 1848 beim Frühjahrsmarkt in Loccum mancher Frust nach oben kam und damit endete, dass Bergleute und Steinhauer aus Münchehagen allen anderen voran das Kloster erstürmten. Der Prior und die übrigen Bediensteten im Kloster suchten das Weite und aus Hannover herbeigerufene Soldaten sollten für Ordnung sorgen.

Der Streit wurde nach wenigen Tagen geschlichtet und aus den Orten des Stiftsbezirks trafen Schreiben in versöhnlichem Ton im Kloster Loccum ein. Denen war allerdings jeweils eine lange Liste mit Forderungen dessen beigelegt, was das Kloster doch, bitte schön, für die Orte tun solle. Aus Münchehagen war einer der bemängelten Punkte der schlechte Zustand der Kirche.

Wenn im Folgenden auch so manche der Forderungen noch heiß diskutiert wurden, so hat sich das Kloster bei dieser Kirchensanierung anscheinend nicht heftig gesträubt. Denn noch in 1848 wurde die Münchehäger Kirche tatsächlich saniert.

Wenige Jahrzehnte später – im Jahr 1882 – zeigte sich das Kloster ein weiteres Mal generös. Damals stiftete der Prior des Klosters der Gemeinde eine Orgel. Kurz darauf hatte auch der sonntägliche Gang nach Loccum ein Ende, denn mit der neuen Orgel gab es für Münchehagen zudem einen Hilfsgeistlichen.

Danach kehrte für rund 100 Jahre Ruhe auf dem kleinen Hügel in Münchehagen ein. Zur Mitte der 1980er Jahre machte jedoch erneut die Statik der Kirche Probleme. Risse an etlichen Stellen erforderten eine weitere Sanierung. Die war 1997 erledigt und mit der Wiedereinweihung gab es auch ein neues Altarbild, dessen Hintergrund Besucher oft verwundert: Jesus auf dem See Genezareth ist darauf zu sehen und soll an die Seefahrertradition des Dorfes, das doch mitten im Binnenland liegt, erinnern.

Im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends trug dann das Kloster den Wunsch vor, die Baulast der Kirche abzugeben. Die Gemeinde willigte ein, zuvor wurde die Kirche aber noch einmal in Augenschein genommen.

Was dabei zutage trat, kostete 380 000 Euro: Umfangreiche Sanierungen am Glockenturm waren nötig. Offensichtlich hatten diverse Sanierungen in den Jahrhunderten zuvor nie wirklich den Kern der Sache getroffen. Künftige Sanierungen gehen dann zulasten der Kirchengemeinde – die nun darauf hofft, dass wirklich alles gut und ‚für den ersten Abschnitt der Ewigkeit’ gebaut ist, wie Bauleiter Constantin Anastasiou einmal sagte.

300 Jahre Kirche in Münchehagen – dieses Fest will die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde des Dorfes am Sonnabend, 31. August, feiern. Die Geschichte dieser Kirche ist eng mit dem benachbarten Kloster in Loccum verbunden.

Wolfram Braselmann (r.) und Constantin Anastasiou haben die Schäden am Dachreiter der Kirche entdeckt.



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