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Von der Faszination des Tauchens und Einblicken in fremde Unterwasserwelten

Im Rausch der Tiefe

Eintauchen in eine schweigende Welt – keine Verkehrsgeräusche und kein Stimmengewirr mehr – nur noch das Blubbern der Luftblasen: So beschreibt Jürgen Herden (70) seine Faszination. Der ehemalige Grundschullehrer ist seit fast 40 Jahren Tauchlehrer und widmet sich seit seiner Pensionierung ganz dem Tauchen und dem Reisen. Er ist Gründungsmitglied des Tauchclubs Extertal und gibt auch heute noch Tauchkurse an der Volkshochschule in Rinteln.

veröffentlicht am 02.12.2013 um 00:00 Uhr

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Autor:

von Veronika Breitkopf

Herden ist schon viel herumgekommen. Auf seinen Tauchreisen war er bereits in Ägypten, Indonesien, auf den Philippinen, den Malediven und auf den Antillen – Traumziele für Taucher, sagt der 70-Jährige. Das türkisblaue, klare Wasser ermöglicht auch mehrere Meter unter der Wasseroberfläche noch perfekte Sicht. Herden ist von den atemberaubenden Unterwasserlandschaften stets aufs Neue fasziniert.

„Es ist immer wieder ein Highlight, großen Tieren zu begegnen“, erzählt er. So tauchte er vor Bali schon in der Nähe eines Walhais. Durch seine Größe sei der gutmütige Vegetarier eine besonders imposante Erscheinung. Aber auch mit „richtigen“ Haien hat Herden vor den Malediven schon Bekanntschaft gemacht. „Haie haben durch den allseits bekannten Film ,Der weiße Hai‘ einen außerordentlich schlechten Ruf“, bedauert Herden. Es sei geradezu fesselnd, diese Tiere zu beobachten. Ihre Bewegungen seien durch die anatomischen Unterschiede ganz anders als bei anderen Fischen.

„Es kommt aber nicht alleine auf die Größe an“, sagt er. Winzig kleine Krebse und bunte zierliche Fische hätten auch ihren Reiz. Kleine Erlebnisse könnten mitunter am beeindruckendsten sein und am längsten im Gedächtnis bleiben. „Im Roten Meer gibt es blau-weiß gestreifte Putzerfische“, erzählt der Taucher. „Andere Fische werden von ihnen gesäubert.“ Sie seien häufig in Mäulern von Barschen zu finden. Bei einer Begegnung mit den kleinen Fischen tat Herden es einmal den Barschen gleich. Er nahm sein Mundstück heraus und ließ sich von den gestreiften Fischen die Zähne putzen. „Von da an hab’ ich mir die Zähne immer im Meer putzen lassen“, meint er mit einem Augenzwinkern.

2 Bilder

Es gebe verschiedene Tauchvarianten, je nachdem, was man erleben möchte. Herden hat bereits 3000 Tauchgänge absolviert und Erfahrungen im Eis-, im Wrack-, im Nacht- sowie im Strömungstauchen. „Bei Nachttauchgängen können nachtaktive Tiere beobachtet werden, die man sonst gar nicht zu Gesicht bekommen würde“, erzählt er. Und beim Wracktauchen eröffne sich abermals eine andere Welt und man könne ein Stück versunkene Geschichte erkunden.

Herden ist auch passionierter Fotograf. Er verbindet seine Leidenschaft zu tauchen mit dem Fotografieren und hält so die Erlebnisse, die er unter der Wasseroberfläche hat, in beeindruckenden Bildern fest. „Ich habe sozusagen einen Jagdinstinkt“, erklärt er. „Ich möchte beim Tauchen eine besondere Szenerie finden, diese fotografieren und ein gutes Resultat mit nach Hause nehmen“.

Sich unter Wasser zu befinden, sei ein ganz anderes Fortbewegen. Man habe die Möglichkeit, horizontal zu schweben, und die Haltung sei instabiler als an Land. Durch diese ungewohnten Gefühle würden bei Anfängern häufig Unsicherheiten auftreten, erklärt der Tauchlehrer. Die meisten hätten am Anfang unter Wasser Beklemmungen. „Bei einer Tauchausbildung gehe ich mit meinen Schülern zunächst ins Schwimmbad. Nachdem grundlegende Techniken erlernt wurden, gehen wir in einem Freigewässer üben“, beschreibt er die Ausbildung. Dort herrschen ganz andere Bedingungen als im Schwimmbad. Das Wasser ist trüb – es herrscht eine schlechte Sicht. Das sichere Ufer kann im Gegensatz zur weißen Beckenbegrenzung nicht ausgemacht werden. Die Sinne sind reduziert. Riechen und schmecken fallen weg. Sehen und hören sind eingeschränkt. Alleine das Fühlen funktioniert einwandfrei. „Deshalb nehme ich meine Schüler erst einmal an die Hand, um ihnen ein sicheres Gefühl zu vermitteln und ihnen die Unsicherheit etwas zu nehmen“, sagt Herden. Denn letztlich sei Tauchen Kopfsache. Nicht nur eine körperliche Fitness sei erforderlich, sondern auch eine mentale Stärke.

Insbesondere Anfängern falle es schwer, bei knapp werdender Atemluft nicht in Panik zu verfallen. „Panik führt zu unbedachten Handlungen“, erklärt der Taucher. „Man möchte schnellstmöglich zurück an die Oberfläche, um wieder tief durchatmen zu können.“ Herden erzählt, er habe schon von vielen Tauchern gehört, die die Luft beim Aufsteigen anhalten. Dadurch könne der Druck, der in der Tiefe herrscht, nicht ausgeglichen werden – die Lunge dehnt sich bis zum Zerreißen. „Sich der Panik hinzugeben, ist das Schlimmste, was einem beim Tauchen passieren kann. Man muss vor allem ruhig bleiben und auch unter Wasser weiteratmen.“

Wie fühlt es sich an in der Tiefe des Meeres? Für Jürgen Herden ist Tauchen das Betreten einer schweigenden Welt. Durch seine vielen Reisen hat der 70-Jährige schon Dinge erlebt und gesehen, die anderen Menschen völlig fremd sind. Er erzählt von der anfänglichen Unsicherheit und wie er sich unter Wasser die Zähne putzen ließ.

Tauchlehrer Jürgen Herden beim Eistauchen in der Nähe von Rinteln.



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